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Fall "Sandkuhle" in Aachen: Mord an Wohnmobil-Händler nach 20 Jahren aufgeklärt?

Tatverdächtiger festgenommen : Mordfall „Sandkuhle“ nach mehr als 20 Jahren möglicherweise aufgeklärt

Viele Spuren haben die Ermittler im scheinbar aussichtslosen Fall eines unbekannten Toten am Niederrhein geprüft. Nach fast 24 Jahren kommt innerhalb weniger Wochen Dynamik in den Fall. Ist er damit aufgeklärt?

Mehr als 20 Jahre nach einem brutalen Mord in der Nähe von Aachen sind die Ermittler überzeugt, dass ein heute 50-Jähriger die Tat aus Geldgier begangen hat. Der Mann sitzt seit einer Woche in Untersuchungshaft. Er soll zusammen mit einem Komplizen den Wohnmobil-Händler Ende 1996 in dessen Werkstatt brutal erschlagen haben - wegen einer Summe von 5000 Mark. „Ich habe ihn selbst festgenommen“, sagte der Leiter der Mordkommission der Polizei in Krefeld, Gerhard Hoppmann, am Mittwoch. Der Tatverdächtige stamme aus dem Raum Aachen und schweige zu den Vorwürfen.

Der Mordfall war viele Jahre als „Cold Case“ eingestuft. Eine Handvoll Zeugen habe sich nach einem neuen Aufruf vor einem Monat gemeldet, berichtete Hoppmann in Aachen. Sie hätten fast 24 Jahre geschwiegen, weil sie entweder in einer persönlichen Beziehung zu den Tatverdächtigen standen, oder ihren Erzählungen schlicht nicht geglaubt hätten. Der zweite laut Zeugen an der Tat beteiligte Mann sei ein Jahr später in der Türkei tödlich mit dem Motorrad verunglückt.

Die Festnahme des 50-Jährigen am 30. September war der vorläufig letzte Akt in einem Verbrechen, bei dessen Aufklärung die Ermittler viele Steine umdrehen mussten. Die Identität des Opfers wurde erst vor gut einem Monat geklärt, nachdem ein Bekannter zufällig ein neues Phantombild in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ gesehen hatte.

Die durch Schläge entstellte Leiche war am 8. Dezember 1996 am Abhang einer Kiesgrube bei Rheurdt in Kreis Kleve entdeckt worden, mehr als 100 Kilometer vom Wohnort des Opfers bei Aachen entfernt. Der zweite Tatverdächtige habe in seiner Kindheit dort gewohnt, sagte Hoppmann. Damit sei auch die Wahl des entlegenen Ortes geklärt, an dem die nackte Leiche abgelegt worden war. „Ich hab mich immer gefragt, wie man da hinkommt“, sagte Hoppmann, der damals als Ermittler am Tatort war und Ende nächsten Monats in Rente geht.

Die Staatsanwaltschaft erklärte, die Zeugenaussagen seien durch weitere Ermittlungen überprüft worden und hätten einen dringenden Tatverdacht begründet.

Das Mordopfer, ein geschiedener Vater zweier Kinder, war nie vermisst gemeldet worden. Laut Polizei nahm die Familie an, dass er sich wegen seiner Schulden abgesetzt hatte.

Die Ermittler konnten auch den ungefähren Zeitpunkt der Ermordung eingrenzen. Das spätere Opfer hatte am 23. November 1996 noch ferngesehen: den letzten Kampf von Boxer-Star Henry Maske.

Übrigens: In unserem Podcast „Akte Rheinland“ beschäftigen wir uns mit Kriminalfällen wie diesem aus Bonn und der Region.

(dpa)