Kommentar Hoeneß verzichtet auf Revision - Der Schlussstrich tut gut

Uli Hoeneß als reuiger Sünder: Mit dem Verzicht auf eine Verfahrensrevision hat der wegen Steuerhinterziehung verurteilte Fußball-Manager Pluspunkte gesammelt.

Es sind Pluspunkte für einen offenen Vollzug, der ihm den Besuch von Heimspielen seines geliebten FC Bayern ermöglichen würde - und Pluspunkte für eine Verkürzung seines Gefängnisaufenthalts durch die nach Expertenmeinung mögliche Umwandlung des verhängten Freiheitsentzugs von dreieinhalb Jahren in eine Bewährungsstrafe, sobald er die Hälfte abgesessen hat. Bei guter Führung, versteht sich.

Hoeneß hat offensichtlich gegen die Absicht seines zur Champions League der Juristen zählenden Anwalts Hanns W. Feigen entschieden, dass er nicht in Revision geht. Feigen, der bereits für Ex-Post-Chef Zumwinkel ein achtbares Resultat vor Gericht erstritt, hätte gern mit einem Grundsatzurteil zur Selbstanzeige seine Vita weiter geschmückt.

Es ist ganz gleich, ob Hoeneß sich aus persönlichen Strategie-Überlegungen gegen den anwaltlichen Impuls entschied, aus taktischen Erwägungen oder tatsächlich aus den Motiven, die er in seiner persönlichen Erklärung nannte: Anstand, Haltung und persönliche Verantwortung. Für den eingeschlagenen Weg hat der 62-Jährige Achtung verdient, weil er zu dem von ihm als "Fehler meines Lebens" bezeichneten Vergehen steht und sich den rechtsstaatlichen Konsequenzen stellt.

Viel bemerkenswerter als die von der persönlichen Sympathie geprägten Bekundungen aus dem Fußball-Lager - von Franz Beckenbauer bis Jupp Heynckes - ist das durchgängig große Verständnis für Hoeneß in der Politik, unabhängig von der Partei-Couleur. Die dem Urteil bis in die Regierungsspitze beigemessene Bedeutung lässt sich daran ablesen, dass die Bundeskanzlerin explizit "hohen Respekt" für den Revisions-Verzicht von Hoeneß zollte.

Der Schlussstrich - sofern die Staatsanwaltschaft ebenfalls nicht vor den Bundesgerichtshof zieht - wirkt mit Blick auf die Öffentlichkeitswirksamkeit als Wohltat. Er tut gut, weil das Urteil die Wirksamkeit des Instruments Selbstanzeige nicht untergräbt, das in der Regel mehr Geld in die Staatskasse spült als Menschen in Gefängnisse. Gut tut er auch, weil ein sich hinziehendes Verfahren einen Schatten auf das vom derzeit erfolgreichsten Fußball-Club der Welt mitgeprägte Bild Deutschlands im Ausland geworfen hätte, denn Fußball bewegt Medien und Massen.

Zu dem von Hoeneß gestern - viel zu spät - vollzogenen Rücktritt von den Chefposten beim FC Bayern gab es keine Alternative. Die zwangsläufige Berufung von Herbert Hainer zum Aufsichtsratschef spiegelt die Realitäten im Wirtschaftszweig Profifußball. Der Adidas-Vorstandsvorsitzende repräsentiert einen der größten Anteilseigner des Lebenswerks von Uli Hoeneß.