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Imkern in der Stadt: Honig vom Balkon

Imkern in der Stadt : Honig vom Balkon

Die Temperaturen steigen und Frühlingsblumen strecken ihre Köpfchen aus der Erde. Mit ihnen erwachen auch die Tiere, die bei den Deutschen einen besonders guten Ruf genießen: Honigbienen. Und das nicht nur auf dem Land.

Manch einer hat noch tagelang von den Schmerzen eines Bienenstichs zu zehren. Doch die kleinen Insekten scheinen den meisten einfach sympathisch zu sein. Unermüdlich sammeln die fleißigen Bienchen Honig und erweisen sich dabei als gute Teamplayer.

Viel wichtiger als der Honig ist aber das, was die Bienen nebenbei erledigen: das Bestäuben von Bäumen, Büschen und Blumen. Denn ohne sie würde nicht nur der Honig auf dem Frühstücksbrötchen fehlen, sondern auch die Himbeermarmelade, die Birnen und Äpfel in Kuchen und Müsli. Eigentlich würde fast alles fehlen. Laut dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu) sind Bienen hauptverantwortlich für das Bestäuben von über 80 Prozent aller landwirtschaftlichen Nutz- und Wildpflanzen.

Wie wichtig Bienen für unser Überleben auf der Erde sind, entdecken jetzt immer mehr Menschen, die aufgrund ihres Wohnorts eigentlich eher wenig Kontakt zur Natur haben: Städter. Zum Beispiel Erhard Maria Klein aus Hamburg. Der sagt auf der Seite des Naturschutzbundes: "Es gibt kaum einen besseren Ort, um Bienen zu halten." Seine Bienen umfliegen Häuser sicher und lassen sich vom Lärm der Stadt nicht stören. Und Nektar gibt es in der Stadt mehr als genug. Die Bienen besuchen Balkone, Innenhöfe, Schrebergärten und Stadtparks.

Als städtischer Freizeitimker ist Klein Teil eines weltweiten Trends: Urban Gardening und Urban Bee-Keeping. Schon lange fliegen Bienen zwischen den Dächern von Montmartre in Paris, den Hochhäusern von New York und über die Themse in London. Dass es Bienen vom Land in die Stadt zieht, hat einen Grund: Im Zuge der Flurbereinigung wurden nach Informationen des Nabu Hecken zwischen den Feldern, Bachränder und kleine Waldstücke großflächig gerodet. Dadurch konnten mehr und mehr Monokulturen entstehen. Weil die Felder mit Monokulturen meist binnen weniger Tage abgeerntet werden, bleiben für die Bienen kaum Nektar und Pollen. Sie fliegen über endlose, grüne Wüsten.

Ein weiterer Vorteil für Bienen in der Stadt ist der geringe Pestizid-Einsatz. Das macht die Stadt-Bienen gesünder als ihre Schwestern vom Land und damit weniger anfällig für Schmarotzer wie die Varroa-Milbe.

Wer in der Stadt Hobby-Imker werden will, für den ist der Weg zum nächsten Bienenvolk oft gar nicht weit. Viele Bienen werden von Imkern in Holzkästen gehalten. Wenn der Schwarm zu groß wird, sucht sich die Königin mit einem Teil der Bienen eine neue Bleibe. Auf der Suche nach einem Unterschlupf flögen die Tiere dann oft in einer dichten Traube an Bäume oder Straßenlaternen, sagte der Imker Ulrich Miller dem Nabu.

Diese Traube gehört laut bürgerlichem Gesetzbuch dem, der ihn einfängt. Dafür gibt der Nabu folgende, simple Anweisungen: Den Schwarm mit einem Wasserzerstäuber zur Beruhigung einsprühen, Kiste darunterstellen, auf den Ast schlagen und warten, bis die Bienen alle in der Kiste sind.

Im Rahmen des Projektes Ornithoport - Vogelflughafen und Max-Liebermann-Garten lebten im Sommer 2011 15 Buckfastbienenvölker auf dem Dach der Bundeskunsthalle in Bonn. Hier können Sie noch einmal einen Blick in das Leben der Arbeiterinnen vom Dach der Bundeskunsthalle werfen.

Mehr Tipps für die Imkerei in der Stadt gibt es hier: