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Einheimische sind gegen Lageröffnung: Hunderte Migranten sitzen bei Schneefall in Bosnien im Freien

Einheimische sind gegen Lageröffnung : Hunderte Migranten sitzen bei Schneefall in Bosnien im Freien

Weihnachten 2020: Hunderte Migranten frieren in Bosnien bei Schneefall im Freien, während Anwohner gegen die Öffnung eines Lagers in Bihac protestieren.

In Bosnien-Herzegowina sind Hunderte Migranten bei heftigem Schneefall in einem heruntergekommenen und ausgebrannten Zeltlager gestrandet. Mit Decken und Schlafsäcken schützen sie sich am Zweiten Weihnachtstag in Lipa im Nordwesten des Landes vor dem eisigen Wind. Das Bosnische Rote Kreuz versorgte die Gestrandeten mit Wasser und Lebensmitteln, von denen einige wegen der Coronavirus-Pandemie Visiere vor dem Gesicht trugen. Die Polizei versuchte, die Ordnung aufrecht zu erhalten,

Anwohner haben mit Protesten auf Pläne reagiert, ein geschlossenes Lager im Zentrum von Bihac für die Migranten vorübergehend wieder zu öffnen. „Es ist Schnee gefallen, Temperaturen unter Null, keine Heizung nichts“, twitterte der der Chef der Internationalen Organisation für Migration in Bosnien, Peter Van Der Auweraert, am Samstag. „So sollte niemand leben müssen.“ Jetzt sei politische Tapferkeit gefragt. Es müsse etwas geschehen.

Die Migrantinnen und Migranten legten den Boden des einzigen Zelts in Lipa mit Karton aus und versuchten, sich mit Hilfe von Behelfsbarrieren etwas Privatsphäre zu schaffen. Viele trugen trotz des Winterwetters nur leichtes Schuhwerk. Einige hielten ihre durchnässten Füße vor kleine Feuer im Freien, um sie zu trocknen.

Internationale Organisationen und Helfer hatten die Zustände in Lipa bei Bihac schon kritisiert, bevor dort in dieser Woche ein Feuer ausgebrochen war. Die EU hat die Regierungen der Landesteile Bosnien-Herzegowinas gedrängt, ihre Streitigkeiten hintanzustellen, damit nicht Tausende Menschen bei Winterwetter ohne Obdach sind.

Bosnien ist zum Nadelöhr für Tausende Migranten geworden, die nach Westeuropa weiterziehen und zunächst einmal das EU-Land Kroatien erreichen wollen. Während die meisten in der Krajina im Nordwesten festsitzen, weigern sich andere Landesteile, überhaupt Migranten aufzunehmen. Viele Migranten klagen, sie seien auf illegalen Routen über die Grenze in den Bergen Opfer von Gewalt geworden und die kroatische Polizei habe sie zurückgetrieben.

(dpa)