Glosse zu japanischer Studie Mit einem Zettel die eigene Wut bekämpfen

Bonn · Japanische Forscher haben in einer Studie herausgefunden, dass sich die eigene Wut herunterdimmen lässt, wenn man den Ärger auf einem Blatt Papier niederschreibt und dieses dann vernichtet. Vielleicht hätte diese Methode einst auch dem früheren Bayern-Trainer Giovanni Trapattoni geholfen.

Als Wutredner eine Legende: Giovanni Trapattoni 1998.

Als Wutredner eine Legende: Giovanni Trapattoni 1998.

Foto: picture alliance/dpa/Peter Kneffel

Manchmal muss es einfach raus. Und manchmal entsteht so Legendäres. Wenn Wut sich Bahn bricht, kann das zu zeitlosen Zitaten führen. „Flasche leer“ wäre so eins, das wir Trainerlegende Giovanni Trapattoni zu verdanken haben. Dem Italiener war der Geduldsfaden nach einer schmachvollen Niederlage seines FC Bayern München so gründlich gerissen, dass er 1998 eine legendäre Wutrede in die Mikrofone schmetterte, die nicht nur der damalige Spieler Thomas Strunz wohl nie vergessen wird. Noch etwas Ältere erinnern vielleicht das sprichwörtliche HB-Männchen, das als Zeichentrickfigur in Werbespots mit zuverlässiger Cholerik aus nichtigem Anlass in die Luft ging, um sich dann unter Nikotinzufuhr wieder zu beruhigen.

Das geht auch gesünder. Japanische Forscher haben in einem sorgsamen Versuchsaufbau mit Studierenden der Universität Nagoya nachgewiesen, dass Wut sich wieder bis zum Ruhepuls herunterregulieren lässt, fasst man die Gründe seiner Erregtheit in Worte, schreibt sie nieder und vernichtet anschließend das Papier, auf das sie gebannt sind. Wie gut das funktioniert, überraschte selbst Forschungsleiter Nobuyuki Kawai, wie er im Fachjournal „Scientific Reports“ einräumte. Bevor man sich nun aber etwa manchen Wutbürger vorstellt, der schäumend Plakatives zu Plakat bringt, das dann aber vernichtet und so zu Sinnen kommt: Diese Hoffnung trügt wohl.

Psychotherapeutin Eva Möhler vom Universitätsklinikum in Homburg gibt zu bedenken, dass Japaner kulturell eher dazu neigten, ihre Wut wohldosiert zu kanalisieren, während hierzulande die Hemmschwellen sehr viel leichtfertiger überschritten werden. Worüber man sich selbst mal richtig aufregen möchte. Aber am Ende wird nicht alles Wut. Ich habe fertig.

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