Kurioser Fall mit ernstem Hintergrund Katholische Kirche erlässt der Stadt Trier Schulden – nach 435 Jahren

Trier · Und sie bewegt sich doch, kann man in diesem Fall über die katholische Kirche sagen. Schließlich hat sie der Stadt Trier eine Zinszahlung erlassen – und das nach gerade einmal 435 Jahren. Das Ganze hat allerdings einen tragischen Hintergrund.

 Bislang musste die Stadt Trier jährlich Geld an eine Pfarrei zahlen. Damit ist nun Schluss. Symbolbild: dpa

Bislang musste die Stadt Trier jährlich Geld an eine Pfarrei zahlen. Damit ist nun Schluss. Symbolbild: dpa

Foto: dpa/Fernando Gutierrez-Juarez

Da soll noch mal jemand behaupten, dass die katholische Kirche nicht von tradierten Positionen abrückt. Denn genau das ist passiert. Nun gut, es geht nicht um die Sexualmoral oder die Vorstellungen zum Frauenpriestertum, aber immerhin um Geld. Nein, nicht um die Kirchensteuer oder die sogenannten Staatsleistungen – beides riesige Summen –, sondern um 362,50 Euro.

So viel Geld hatte die Stadt Trier einer Pfarrei zuletzt pro Jahr überwiesen. Doch mit der jährlichen Zahlung ist nun Schluss – nach 435 Jahren. Begonnen hatte es mit dem Tod Dietrich Flades. Der 1534 in Trier geborene und dort 1589 gestorbene Flade war ein wichtiger Mann: Stadtschultheiß, Kurfürstlicher Rat, Professor, Rektor der Universität und Richter in Hexenprozessen. Ironie der Geschichte: Am Ende wurde er selbst Opfer eines Hexenprozesses. Er wurde erdrosselt und dann verbrannt.

Zuvor hatte der vermögende Mann der Stadt aber noch einen immensen Kredit gewährt. Nach einer städtischen Mitteilung waren es 4000 Goldgulden. Auf die heutige Kaufkraft umgerechnet sei dies eine Millionensumme, heißt es. Nach Flades Tod erbte der Trierer Erzbischof den Schuldschein und übertrug ihn an damals existierende Gemeinden. Deren Rechtsnachfolgerin, die Liebfrauenpfarrei, einigte sich nun mit der Stadt auf ein Ende der Zinsforderung, obgleich Pfarrei-Verantwortliche vor einigen Jahren noch dezidiert auf die Zahlung bestanden haben sollen.

Und sie bewegt sich doch, möchte man über die Kirche sagen. Die 362,50 Euro sollen laut Stadt nun jährlich an Institutionen gehen, die sich für Opfer von Verfolgung und Diskriminierung einsetzen. Auch die Pfarrei hatte das Geld nach eigenen Angaben für karitative Zwecke verwendet. Derartige gute Taten sind dem Seelenheil sicherlich zuträglich.

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