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Schlechte Noten für schlechten Geschmack?: Kleidungsstil darf bei Prüfungen nicht bewertet werden

Schlechte Noten für schlechten Geschmack? : Kleidungsstil darf bei Prüfungen nicht bewertet werden

Dass es dafür erst das Urteil eines Verwaltungsgerichtes benötigt, mag überraschen. Nach der Klage einer Berliner Jurastudentin darf der Kleidungstil in Prüfungen allerdings kein Bewertungskriterium mehr sein. Ansonsten wären Jeans für eine schlechtere Note verantwortlich gewesen.

Der Kleidungsstil von Prüfungskandidatinnen und -kandidaten darf bei einer mündlichen Prüfung grundsätzlich nicht bewertet werden. Das hat das Verwaltungsgericht Berlin in einem am Montag veröffentlichten Urteil entschieden. Geklagt hatte eine 1989 geborene Jurastudentin aus Berlin, der wegen ihrer vermeintlichen Alltagskleidung in einer mündlichen Prüfung Punkte abgezogen worden waren. Statt einer 1,3 erhielt sie nur eine 1,7. (VG 12 K 529.18)

Die 12. Kammer des Verwaltungsgerichts Berlin verpflichtete die beklagte Dozentin, der Frau ein neues Abschlusszeugnis mit der Maßgabe auszustellen, die Prüfung mit der Note 1,3 zu bewerten. Der Abzug eines Punktes für die getragene Kleidung der Klägerin sei bewertungsfehlerhaft, hieß es. Zwar sei es nicht grundsätzlich ausgeschlossen, eine Prüfungsleistung auch anhand des Kriteriums „Kleidung“ zu bewerten, etwa im Fach Modedesign oder bei offensichtlichem Bezug zum Prüfungsgegenstand wie der Sicherheitskleidung von Feuerwehrleuten. In diesem Fall habe die Vorgabe an die Studierenden aber lediglich unbestimmt gelautet, eine dem Charakter der Prüfung angemessene Kleidung zu tragen.

Die Frau war angesichts von 35 Grad Außentemperatur in Blue Jeans und mit einem Oberteil mit Punkten zur Prüfung erschienen. Nach Ansicht der Dozentin war das zu sehr ein Alltagsoutfit. Die Studentin hätte den Temperaturen entsprechend „auf eine weiße Leinenhose und Black Shirt mit Ethnokette oder einem lieblichen oder auch strengen Blouson zurückgreifen oder auch ein Top mit elegantem Kurzjackett“ ausprobieren können. Eine Berufung gegen das Urteil ist möglich.

(epd)