Landgericht Bonn Missbrauchsprozess gegen Vertrauenslehrer steht vor dem Wiederbeginn

Bonn · Ein 57-jähriger Vertrauenslehrer aus Morsbach ist vor dem Bonner Landgericht wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von drei Schülern angeklagt. Das Verfahren war zuletzt ausgesetzt worden, weil eines der mutmaßlichen Opfer nicht als Zeuge teilnehmen konnte.

 Ein 57-Jähriger aus dem Oberbergischen Kreis muss sich vor dem Bonner Landgericht wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs verantworten.

Ein 57-Jähriger aus dem Oberbergischen Kreis muss sich vor dem Bonner Landgericht wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs verantworten.

Foto: dpa/Oliver Berg

Dieser Missbrauchsfall hatte im November 2023 für überregionale Schlagzeilen gesorgt: Der Vertrauenslehrer einer Schule in Morsbach (Oberbergischer Kreis) soll zwischen dem 1. Juni 2006 und dem 29. Juni 2021 in 15 Fällen drei minderjährige Schüler missbraucht und mehrfach zu sexuellen Handlungen gezwungen und von ihnen jugendpornografische Fotos gemacht haben. Nach zwei Prozesstagen jedoch musste die Bonner Jugendschutzkammer das Verfahren aussetzen.

Am Dienstag kommender Woche steht es ein zweites Mal auf dem Prozessprogramm des Bonner Landgerichts – mutmaßlich erneut hinter verschlossenen Türen. Denn bereits beim ersten Prozessstart hatte Verteidiger Peter-René Gülpen nach Verlesung der Anklage „eine im Grundsatz geständige Einlassung“ seines Mandanten angekündigt, um den Opfern den Auftritt vor Gericht zu ersparen. Gülpen beantragte, die Öffentlichkeit für die Dauer der Aussage auszuschließen. Das, was der Ex-Lehrer vortrug, deckte sich jedoch nicht mit der polizeilichen Aussage der Zeugen, sodass die Kammer nicht auf das persönliche Erscheinen der mutmaßlich missbrauchten Schüler verzichten kann. Einer der Zeugen – mittlerweile fast 30 Jahre alt - befand sich zu der Zeit allerdings mit dem Fahrrad auf einer Weltreise, sodass das Gericht das Verfahren bis zu seiner Rückkehr aussetzte und nun wieder aufnimmt.

Polizei findet kinderpornografisches Material

Die Vorwürfe gegen den 57-jährigen Pädagogen sind heftig: Laut Staatsanwaltschaft soll der Lehrer und Fußballtrainer „systematisch und ganz bewusst“ das Vertrauen, das die psychisch labilen Jungen zu ihm aufgebaut hätten, für sexuelle Handlungen und Dienstleistungen ausgenutzt haben. Die Kinder waren zu Beginn der Taten elf und 13 Jahre alt. Die Übergriffe sollen im Betreuungszimmer der Schule und in der Privatwohnung des Beschuldigten stattgefunden haben. Er soll den Betroffenen teilweise Geld oder Geschenke wie WM-Trikots der Fußball-Nationalmannschaft versprochen oder sie mit Alkohol und gezielten Lügen gefügig gemacht haben.

Nach den Ermittlungen der Anklagebehörde habe der Lehrer aus Akten erfahren, dass der damals 13 Jahre alte Schüler bereits Opfer eines sexuellen Übergriffs geworden sei; dieses Wissen soll er genutzt haben, um sich in das Vertrauen des Minderjährigen zu schleichen. Als der älter wurde, habe er das Interesse an ihm verloren.

Nachdem einer der inzwischen erwachsenen Ex-Schüler im Juni 2021 den Lehrer angezeigt hatte, fand die Polizei bei einer Durchsuchung seiner Wohnung jugendpornografische Fotos und Videos; die soll er unter anderem beim Duschen der Fußballspieler gemacht haben. Die Schule hat dem Pädagogen nach Bekanntwerden der Vorwürfe gekündigt. Seitdem soll er auch nicht mehr im Oberbergischen Kreis leben.

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