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Mallorca: Hunderte Touristen feiern ohne Masken am Ballermann

Ausgangssperre auf Mallorca aufgehoben : Hunderte Touristen feiern erneut ohne Masken am Ballermann

Nachdem das oberste spanische Gericht die nächtliche Ausgangssperre auf Mallorca gekippt hat, haben Hunderte vor allem deutsche Partyurlauber am Ballermann gleich an zwei Abenden hintereinander ausgelassen gefeiert und dabei die Corona-Schutzregeln weitestgehend ignoriert. Haben sie damit die weitere Saison in Gefahr gebracht?

Die Bilder dürften bei dem einen oder anderen böse Erinnerungen an das vergangene Jahr geweckt haben: Nachdem nach sieben Monaten in der Nacht zu Freitag auf Mallorca die nächtliche Ausgangssperre aufgehoben wurde, feierten ab dem Abend Hunderte vor allem deutsche Urlauber an der Strandpromenade rund um den Ballermann - und das meist ohne Masken und ohne Abstand, wie etliche Internet-Videos belegen und ein Polizeisprecher bestätigte. Auch einen Tag später kam es erneut zu Trinkgelagen, bei denen die Corona-Regeln reihenweise missachtet wurden. Die Polizei wirkte fast schon überfordert mit der Situation.

Im vergangenen Jahr hatten am 10. Juli ähnlich viele Partyurlauber in der Bierstraße gefeiert und dabei ebenfalls die Corona-Schutzregeln weitestgehend ignoriert. Als Konsequenz hatte die Balearenregierung daraufhin sämtliche Lokale und Bars an der Bier- und Schinkenstraße dicht gemacht - und das für die restliche Saison.

Entsprechend froh waren die Insel-Wirte, dass seit einigen Wochen die Sieben-Tage-Inzidenz auf Mallorca konstant und deutlich unter der so wichtigen 35er-Marke liegt und der Tourismus wieder hochgefahren werden kann. Seit Kurzem kehren vor allem aus Deutschland die Urlauber zurück nach Mallorca und die Gastronomen können ihre Lokale wieder bewirtschaften.

Mallorca-Touristen ignorieren Corona-Regeln

Voraussetzung für eine sichere Saison ist jedoch, dass sich Touristen und Einheimische gleichermaßen an die weiterhin geltenen Corona-Regeln halten. Doch mit denen nahmen es am Donnerstag- und Freitagabend Hunderte Partytouristen eben alles andere als genau: Ab jeweils etwa 21.30 Uhr hatten sich vor allem rund um den Ballermann 6 zahlreiche Gruppen versammelt, die ausgelassen und mit reichlich Alkohol feierten. Viele der zumeist jungen Feiernden waren sichtlich angetrunken und sangen lautstark Partyhits. Auf Wegen und auf der Strandmauer türmten sich in kürzester Zeit reichlich leere Flaschen und Bierdosen. Masken trug so gut wie niemand. Und auch der vorgeschriebene Abstand wurde nicht eingehalten.

Viele der Feiernden waren offenbar aus dem benachbarten Bierkönig an die Strandpromenade geströmt. Der Partytempel an der sogenannten Schinkenstraße hatte als erster der größeren Lokale an der Partymeile Ballermann am 20. Mai unter strengen Corona-Schutzauflagen wiedereröffnet. Jedoch darf der normalerweise mehrere tausend Besucher fassende Bierkönig parallel immer nur rund 530 Gäste einlassen - und das auch nur bis 22.30 Uhr. Danach strömen die meist angetrunkenen Gäste nach draußen. Da bisher eine nächtliche Ausgangssperre ab 23 beziehungsweise zuletzt ab 24 Uhr bestand, kehrten die meisten dann in ihre Hotels zurück. Nicht so am Donnerstagabend.

Gericht hebt Ausgangssperre auf Mallorca auf

Denn nur wenige Stunden zuvor hatte das oberste spanische Gericht die Ausgangssperre und zusätzlich die Beschränkungen privater Zusammenkünfte auf Mallorca und den Nachbarinseln für rechtswidrig erklärt und aufgehoben. Beide Restriktionen stellten einen Eingriff in die Grundrechte dar, zu dem die regionale Gesetzgebung nicht berechtigt sei, so die Richter des Tribunal Supremo de Justicia in Madrid. Die Balearen hatten diese Regeln trotz Aufhebung des Alarmzustandes Anfang Mai beibehalten, um die Ausbreitung des Coronavirus auf der Insel weiter besser bekämpfen zu können.

Entsprechend hat die Polizei nun kaum noch eine Handhabe gegen Zusammenkünfte nach 24 Uhr vorzugehen. Und dies nutzten die Partyurlauber entsprechend aus. Erst gegen 0.30 Uhr rückte die Polizei am Donnerstag mit mehreren Dienstwagen und Motorrädern an und fuhr unter anderem über den Gehweg an der Strandpromenade. Dieser Versuch, die Masse so auseinanderzutreiben, gelang jedoch nur bedingt. Einige wenige Personen verließen zwar den Ort, viele andere machten den Fahrzeugen jedoch nur kurz Platz, um dann am Strand oder an der Promenade weiter zu feiern.

Das gleiche Schauspiel wiederholte sich auch am Freitagabend, wobei sich mit schätzungsweise 1.500 Feiernden sogar noch einmal deutlich mehr Personen an der Strandpromenande aufhielten. Da wirkte die Polizei, die am Freitagabend ab etwa 23.45 Uhr mit knapp einem Dutzend Einsatzfahrzeugen Stellung bezog, klar in der Unterzahl. Entsprechend ließen sich die Feiernden auch nicht von den Blaulichtern und Sirenen abschrecken. Die Beamten bekamen die Lage kaum unter Kontrolle. Den Feiernden war die Polizeipräsenz weitgehend egal. Viele warteten so lange, bis die Polizisten sie direkt ansprachen. Kaum war die Polizei ein paar Meter weg, kehrten die Leute an ihre Plätze zurück. Erst gegen ein Uhr kehrte Ruhe ein.

Unverständnis über Verhalten von Partyurlaubern auf Mallorca

Auf Mallorca ernteten die Partyurlauber mit ihrem Verhalten nur Unverständnis. Denn schließlich bestehe nun wieder die Gefahr, dass die Behörden reagieren und neue Verbote aussprechen, heißt es etwa in sozialen Medien. Einzelne Gastronomen äußerten bereits ihre Sorge, dass die Partyurlauber womöglich dafür sorgen könnten, dass sie wieder schließen müssten. Und eine erneute ins Wasser gefallenen Saison kann sich kaum einer leisten.

Es sind aber nicht nur die deutschen Urlauber, die ihre Partywut seit dem Wegfall der nächtlichen Ausgangssperre ausleben. Auch im Zentrum von Palma trafen sich die Residenten zu Trinkgelagen auf offener Straße. Spanische Medien berichten von mehr als tausend Personen bei diesen Ansammlungen. Insgesamt sei die Polizei in fünf Stadtvierteln im Party-Einsatz gewesen, wobei es am Ballermann wohl am extremsten zuging.

Mit Spannung wird nun erwartet, wie die balearische Regierung auf die Trinkgelage reagiert. Dass sie solche Szenen nicht einfach hinnimmt, hat sie im vergangen Jahr nach dem Bierstraßen-Debakel unter Beweis gestellt. Möglicherweise bereits am Montag könnten Konsequenzen gezogen werden.