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Mordfall „Sandkuhle“ in Aachen: Mordprozess nach 25 Jahren hat begonnen

„Cold Case“ aus Aachen : Prozess im Mordfall „Sandkuhle“ hat begonnen

Die Leiche wurde 1996 am Rand einer Kiesgrube entdeckt, der Unbekannte war mit zahlreichen Schlägen getötet worden. Die Ermittlungen liefen ins Leere, der Fall wurde ein „Cold Case“. Doch jetzt steht ein 51-Jähriger vor Gericht.

Mit einem schweigenden Angeklagten hat in Aachen ein Prozess wegen eines Mordes vor fast 25 Jahren begonnen. Der angeklagte Deutsche aus dem Raum Aachen soll 1996 zusammen mit einem später bei einem Unfall gestorbenen Komplizen einen Wohnmobil-Händler ermordet haben. Damit habe das Duo in den Besitz von 5000 Mark kommen wollen, sagte Staatsanwalt Boris Petersdorf in der kurzen Anklageverlesung am Dienstag. Sie sollen das Opfer grausam und aus Habgier getötet haben. Alleine 16 Schläge auf den Kopf wurden gezählt. Die Tochter des Toten ist Nebenklägerin.

Der Mordfall war mehr als zwei Jahrzehnte ungeklärt, weil der im Dezember 1996 am Rand einer Kiesgrube am Niederrhein entdeckte Tote nicht identifiziert werden konnte. Der Fall „Sandkuhle“ landete schließlich als ungeklärter „Cold Case“ bei den Akten. Dann aber trug ein neues Phantombild des Opfers zur Identifizierung bei. Es wurde 2019 in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY...ungelöst“ gezeigt.

Ein Anrufer meldete sich und sagte, er wisse wer der Tote sei. Und er sagte auch, er wisse, wer den Mann umgebracht habe. Der Anrufer war der Bruder des 1997 bei einem Motorradunfall in der Türkei gestorbenen mutmaßlichen Mittäters. Auf einmal gab es eine heiße Spur im „Cold Case“. Der Zeuge soll in dem Prozess auch gehört werden.

Im Aachener Landgericht sitzt der 51-jährige Angeklagte am Dienstag regungslos, er hat zum Zopf gebundene Haare, trägt eine schwarze Kapuzenjacke und Jeans. Eine Atemmaske verbirgt das Gesicht des Mannes, der ein karges Einkommen mit der Reparatur von Kaffeeautomaten hat. Auf den Hinweis des Vorsitzenden Richters Roland Klösgen, er könne nach jedem Prozessabschnitt eine Erklärung geben, sagt er mit ruhiger Stimme nur: „Ja, okay, das habe ich verstanden“.

Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung in einem Nachbarort von Aachen waren im Nachttischschrank zwei Pistolen sowie Munition entdeckt worden. Auch Marihuana wurde gefunden.

Viele Zeugenvernehmungen hat das Gericht sich vorgenommen, um Licht in die vor fast einem Vierteljahrhundert begangene Tat zu bringen. Die Lebensgefährtin des Angeklagten hat nach eigenen Worten keine dunklen Andeutungen über dessen Vergangenheit gehört: „Er hat Autos repariert“, berichtet sie. Ein anderer Bekannter, der dem Angeklagten bei seiner Buchhaltung geholfen hat, sagt über dessen Reaktion angesichts des Mordvorwurfs: „Wir sind aus allen Wolken gefallen“. Der 51-Jährige sei immer hilfsbereit gewesen.

Das Opfer, der Wohnwagen-Händler aus Würselen bei Aachen, hatte Schulden. Der geschiedene Vater zweier Kinder hatte den Unterhalt nicht bezahlt. Wohl deshalb hatte die Familie keine Vermisstenanzeige erstattet, als er von einem Tag auf den anderen verschwand. Man vermutete, er habe sich ins Ausland verdrückt.

Der frühere Leiter der Mordkommission, Gerhard Hoppmann, sagte vor Gericht am Dienstag, dass der entlegene Ort zur Ablage der Leiche wohl ausgesucht wurde, damit der Tote nicht schnell identifiziert werden konnte. Zwischen dem Fundort und dem vermuteten Ort der Tötung im Haus des Opfers liegen rund 100 Kilometer.

(dpa)