Bonn und die Region Mücken stechen in diesem Jahr besonders früh zu

Bonn · Mücken sind in diesem Jahr schon besonders früh dran - zum Leidwesen vieler Menschen aus Bonn und der Region. Warum sich die Mücken gerade hier besonders wohlfühlen und wozu die oft so verhassten Tiere gut sind.

Mücken saugen Blut, damit sie Eier legen können. Auf den Stich folgt meist ein starker Juckreiz.

Mücken saugen Blut, damit sie Eier legen können. Auf den Stich folgt meist ein starker Juckreiz.

Foto: dpa/Patrick Pleul

Die Geschichte des Menschen kann man als Fliegenschiss im Vergleich zur der der Mücke bezeichnen. Seit über 100 Millionen Jahren stechen die kleinen Insekten zu – und die Menschen in Bonn und der Region bekommen das in diesem Jahr besonders früh zu spüren. Die Mückensaison startet für gewöhnlich Anfang Mai. In diesem Jahr beginnt sie aber etwa drei bis vier Wochen früher.

„Wenn es für ein paar Tage warm wird und die Tageslänge ausreicht, sind die Stechmücken sofort aktiv“, erklärt der Biologe Björn Rulik vom Museum Koenig in Bonn. Die Mücken, die man durch den bisweilen sehr milden April umherschwirren sieht, seien die Überwinterer, die aus ihren frostfreien Höhlen aufsteigen. Sogar im Winter geschieht das an milden Tagen, wenn die Weibchen dem Keller oder verlassenen Mäusebau für eine „Zwischenblutmahlzeit“ entfliehen.

Zudem sei das Klima des Rheingrabens prädestiniert für die Stechmücken: „Es ist mild und alles blüht etwas früher, auch die Insekten schlüpfen demzufolge früher“, sagt Rulik. Das gelte nicht nur für Mücken, sondern auch Bienen und Wespen. „Wir hatten auch schon die Kirschblüte und das ist eine der klassischen Blüten, die im Frühjahr angesteuert werden.“ Auch die Mauerbiene fliege schon seit rund einer Woche durch die Bonner Luft, erklärt der Biologe.

Asiatische Tigermücke auch in Bonn und Sieg angesiedelt

Weil es durch die Folgen des Klimawandels nicht nur in der Bonner Region immer wärmer werde, verlängere sich die Zeit im Jahr, in der die Mücken aktiv sind. „So besteht die Möglichkeit, dass sich immer mehr Generationen aufbauen. Letztlich haben wir dadurch mehr Kontakt - oder besser gesagt Konflikt - mit stechenden Mücken“, sagt Rulik.

Etwa 4000 unterschiedliche Mückenarten sind in Deutschland beheimatet. Recht neu ist die Asiatische Tigermücke, eingeschleppt aus wärmeren Regionen, die sich mittlerweile auch in Bonn und vor allem an der Sieg etabliert hat. Lediglich drei von 28 Mückenfamilien saugen Blut: Zum einen sind es die Stechmücken mit den blutsaugenden Weibchen. Auch die Kriebelmücken stechen zu. Sie sind angepasst an schnellfließende Bäche und haben Ende Mai Hochkonjunktur. Zudem sind auch die Gnitzen, auch bekannt als Bartmücken, Blutsauger.

Das lockt sie an

Damit es dazu nicht kommt und die kleinen Tierchen juckende Stiche hinterlassen, sollen spezielle Sprays oder Kerzen „die Mücken ablenken“. Denn die Stechmücke macht ihr Opfer über verschiedene Wege ausfindig. Zum einen wittert sie das CO2, das Menschen und andere Tiere bei der Atmung ausstoßen. Auch von Wärme lässt sich die Mücke locken. Offene Hautstellen sind zudem nicht nur wegen ihrer Temperatur, sondern auch wegen der darauf befindlichen Gerüche attraktiv für sie. Da jeder Mensch über eine individuelle Duftnote verfügt, sind manche Personen beliebter unter den kleinen Blutsaugern als andere; nicht wegen ihres vermeintlich „süßen Blutes“.

So enervierend ihr Surren oder ihre Stiche auch sein mögen – Mücken sind nicht nur in der Nahrungskette ein wichtiges Glied: „Zum einen spielen Stechmücken eine Rolle bei der Bestäubung. Gerade die Männchen, die kein Blut saugen, nehmen Pollen und Nektar von Weideflächen auf“, erklärt Rulik. Zudem reinigen sie die Gewässer, indem sie Schwebstoffe aus dem Wasser filtern oder den Biofilm auf toten Pflanzen abknabbern. All das behält der Biologe bei einem Stich im Hinterkopf: „Am Ende juckt es mich genauso wie jeden anderen auch“, sagt Rulik. „Aber ich bin da vielleicht entspannter, weil es meine kleinen Freundchen sind.“

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort