Naturphänomen Alle Infos zu Polarlichtern in Bonn und der Region

Service | Bonn · Am Wochenende waren in Bonn und der Region Farbspiele am Nachthimmel zu sehen. Doch wie entstehen die Polarlichter überhaupt? Sind sie gefährlich für die Gesundheit? Und wann sind sie das nächste Mal in Bonn und der Region zu sehen?

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Polarlichter erstrahlen über Bonn und der Region

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So etwas habe er noch nie erlebt, berichtet Uli Klein, emeritierter Professor der Radioastronomie an der Universität Bonn. In der Nacht zu Freitag sowie in der Nacht zu Samstag wollte er Astrofotografien am dunklen Nachthimmel fertigen. „In der ersten Nacht gelang das hervorragend. Aber in der zweiten Nacht dachte ich, meine Kameras hätten einen Defekt: Es war zwar dunkel, aber meine Belichtungen waren alle taghell“, erinnert sich der Professor. Schuld waren die Polarlichter. Obwohl seine Kameras weit weg von Norden ausgerichtet waren, seien seine Bilder alle überbelichtet gewesen. Dass die Nordlichter in unseren Breitengraden in einer solchen Intensität auftreten, hatte er noch nicht erlebt. „2003 konnte man das Phänomen zum letzten Mal mit bloßem Auge in Bonn und der Region beobachten. Aber diesmal war es derart stark, das war fast surreal“, sagt Klein. Doch woran lag das? Fragen und Antworten zu Polarlichtern.

Wie entstehen Polarlichter?

„Verantwortlich für die Polarlichter ist die Sonne“, erklärt Birgit Heck vom meteorologischen Dienstleister Wetteronline, der seinen Sitz in Bonn hat, auf Nachfrage des GA. Auf der Sonnenoberfläche beträgt die Temperatur etwa 5700 Kelvin (etwa 5400 Grad Celsius) – „da brodelt es“, sagt Klein. Alle 22 Jahre kehrt sich das Magnetfeld der Sonne in den Polen um. Deshalb ist die Aktivität auf der Sonne mal sehr intensiv, mal weniger intensiv. Die geladenen Teilchen, die sich dort befinden, fliegen in das Magnetfeld der Sonne, von dem sie normalerweise aufgehalten werden. Doch etwa alle elf Jahre ist die Aktivität auf der Sonnenoberfläche so stark, dass die Magnetfeldschlaufen aufplatzen und die Teilchen in die Umgebung gelangen, sagt Klein. Experten sprechen dann von Sonnenwinden oder -stürmen.

Polarlichter in Bonn und der Region: alle Infos
Foto: Wetteronline

„Die Teilchen brauchen dann ungefähr drei Tage, um auf der Erde anzukommen“, so der Experte. Dort prallen die Teilchen auf das Erdmagnetfeld und „verformen es massiv“, ergänzt Heck von Wetteronline. An den Polen der Erde verdichtet sich laut Klein das Magnetfeld und taucht tiefer in die Erdatmosphäre ein, weshalb die Lichter dort besonders häufig und gut zu sehen sind. In der oberen Erdatmosphäre kollidieren die geladenen Teilchen mit Luftmolekülen und „übertragen dabei einen Teil ihrer Energie“, berichtet Heck. Besonders Sauerstoff- und Stickstoffmoleküle würden dann zum Leuchten angeregt. Heck: „Dabei entstehen die Polarlichter.“

Was muss passieren, damit man das Farbspiel auch in Bonn und der Region sehen kann?

„Die Sonnenaktivität muss extrem viel höher sein als sonst, damit man die Lichter auch hier sieht“, erläutert Klein. Der Professor spricht von riesigen Auswürfen auf der Sonnenoberfläche, die „um ein Zigfaches größer“ sein können als die gesamte Erde. Je mehr Aktivität auf der Sonne, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Nordlichter auch in mittleren Breitengraden zu sehen sind.

Warum haben Polarlichter unterschiedliche Farben?

Die Farbe der Nordlichter hängt von der Art der Luftmoleküle ab, weiß Heck von Wetteronline: „So leuchten Sauerstoffatome in 100 Kilometern Höhe grün, in 200 Kilometern Höhe dann orange bis rot. Blau bis Violett entsteht durch die Anregung von Stickstoffatomen. Hierfür ist aber sehr viel Energie nötig und deshalb erscheinen blaue Polarlichter selten. Natürlich gibt es auch Mischfarben und Nordlichter können sogar in allen Regenbogenfarben schillern.“

Sind Sonnenstürme oder Polarlichter gefährlich?

Polarlichter können in der Theorie ernste Folgen für Menschen haben: „Die Sonnenstürme können elektrische Felder erzeugen, die zu Überspannungen führen und im schlimmsten Fall die Kommunikation stören“, sagt Klein. 2003 habe es deshalb in Skandinavien, vor allem in Schweden, großflächige Stromausfälle gegeben. Kommunikationsnetze davor zu schützen, sei kaum möglich. Solche Einschränkungen seien insbesondere für die kritische Infrastruktur, also zum Beispiel für Krankenhäuser, Feuerwehren und die Polizei, ein Problem.

Haben Nordlichter Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen?

Die Partikel selbst, die in die Erdatmosphäre knallen, sind nicht gesundheitsgefährdend, weiß der Experte. „Das Erdmagnetfeld verhindert, dass die Teilchen zum Erdboden kommen“, sagt Klein. Auch Heck von Wetteronline bestätigt, dass Polarlichter in der Regel ungefährlich sind.

Haben Polarlichter Auswirkungen auf das Wetter?

Auf das Wetter haben die Sonnenstürme und damit einhergehenden Polarlichter keinen Einfluss. „Unser Wetter entsteht in der untersten Atmosphäre. Die Polarlichter spielen sich aber viel höher ab, in etwa 120 bis 150 Kilometern“, sagt Klein.

Haben Polarlichter oder deren Intensität etwas mit dem Klimawandel zu tun?

„Überhaupt nicht“, beantwortet Klein die Frage eindeutig. Denn die Sonnenaktivität ändere sich über Jahrtausende nur sehr minimal. „Polarlichter haben also nichts mit dem Klima zu tun.“

Gibt es Chancen, in Bonn und der Region in Zukunft weitere Polarlichter zu sehen?

Die Chancen bestehen durchaus: „Bis 2025 könnte noch relativ viel Sonnenaktivität da sein“, bestätigt Klein. Spätestens dann müsste der Höhepunkt des Elf-Jahres-Zyklus erreicht sein.

Wie kann man sich über Polarlichter informieren?

Im Internet finden sich zahlreiche Informationen zu Polarlichtern und dazu, wann diese zu sehen sind. Beispielsweise informieren der Deutsche Wetterdienst und Wetteronline darüber. Auch Apps mit allen Informationen zu dem Phänomen und laufend aktualisierten Updates gibt es. Unter anderem die Anwendung „Aurora“ sendet beispielsweise Benachrichtigungen, wenn die Chancen auf eine Sichtung von Polarlichtern gut stehen.

Wo sieht man Polarlichter am besten?

Klein empfiehlt, flaches Land zu suchen ohne Berge, die die Sicht versperren könnten. „Freie Sicht nach Norden wäre auf jeden Fall gut“, so der Professor. Zudem sollte der Himmel möglichst dunkel sein, also wenig künstliches Licht durch Straßenlaternen oder ähnliches in der Nähe sein. „Deshalb hat man bessere Chancen auf dem Land, weg von Großstädten und Licht“, fasst Klein zusammen.

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