"Code of Conduct" Regelrecht dynamisch und innovativ

BONN · Es gab schon einfachere Zeiten für Beschäftigte. Damals, als es galt, seine Arbeit zu erledigen und sich allgemein sozialverträglich zu verhalten. Heute müssen sich pflichtbewusste Angestellte oft durch umfangreiche Regelwerke arbeiten: 86 Prozent der deutschen Unternehmen hätten sich ein Leitbild verordnet, hat jetzt die Studie einer Unternehmensberatung ermittelt.

 Arbeiten, aber richtig: Leitlinien sollen helfen.

Arbeiten, aber richtig: Leitlinien sollen helfen.

Foto: dpa

Darin geregelt sei vor allem das interne Miteinander (52 Prozent der Regeln) und der Umgang mit Kunden und Dienstleistern (49 Prozent). Aber auch allgemeine gesellschaftliche Werte (46 Prozent) vermittelt der Arbeitgeber gern per Dekret.

Gerade Großunternehmen kultivieren ausgefeilte Theorien. Post-Beschäftigte etwa können im Zweifel den - Achtung: international - "Code of Conduct" des Konzerns zu Rate ziehen. Auf 14 Seiten des "ethischen Kompasses" strahlen Postler aus aller Welt um die Wette. Gegen Ende wird auf neun weitere Leitfäden vom "Kodex für die Sicherheit im Straßenverkehr" bis zur "Papierrichtlinie" verwiesen. Fünf Leitlinien weisen den Kollegen bei der Telekom den korrekten Weg durch den Berufsalltag. Dabei hat sich der Konzern bei den gängigen Schlagwörtern bedient: dynamisch, innovativ, Vision, Integrität und Wertschätzung - nichts fehlt, doch was ist gemeint?

Kein Wunder, dass laut Studie bei sechs von zehn Mitarbeitern "Leitbilder im Berufsalltag keine Beachtung finden". Wenn Deutschlands Unternehmen trotzdem Geld verdienen, liegt es wohl daran, dass die Mehrheit der Beschäftigten auch ohne Gebote mit dem Arbeitsklima zufrieden ist, wie die Umfrage ergab.

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