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Fast ganz Spanien ist nun Risikogebiet: So reagiert Mallorca auf die deutsche Reisewarnung

Fast ganz Spanien ist nun Risikogebiet : So reagiert Mallorca auf die deutsche Reisewarnung

Nachdem die deutsche Bundesregierung wegen steigender Corona-Zahlen eine Reisewarnung für fast ganz Spanien ausgesprochen hat, hofft die Balearen-Regierung nun, dass sich die Lage schnell wieder beruhigt. Einige Urlauber wundern sich derweil, warum Mallorca überhaupt zum Risikogebiet erklärt wurde.

Die Landesregierung der Balearen hat betont gemäßigt auf die Entscheidung der deutschen Bundesregierung reagiert, die Inselgruppe mit Mallorca zum Corona-Risikogebiet zu erklären und vor Reisen nach Spanien - mit Ausnahme der Kanaren - zu warnen. Laut einer Pressemitteilung vom Freitagabend, wolle man weiter mit den touristischen Märkten zusammenarbeiten und versuchen, so schnell wie möglich einen "sicheren Korridor" zwischen Mallorca und den wichtigsten touristischen Märkten wie Deutschland zu schaffen.

Trotz der steigenden Fallzahlen auf den Inseln sei die Situation unter Kontrolle sei, betonte die Landesregierung. Sowohl die Nachverfolgung von Infektionsketten als auch die medizinische Versorgung funktioniere derzeit gut. Die Regierung in Palma unterstrich ausdrücklich, dass die Einreise von internationalen Touristen auf die Balearen weiterhin erlaubt sei.

Nur wenige Touristen auf Mallorca

Nirgendwo in Spanien außer auf den Kanaren, die wegen niedrigerer Corona-Zahlen von der Reisewarnung ausgenommen wurden, sind die Menschen so sehr vom Tourismus abhängig wie auf den Balearen. In beiden Regionen trägt die Branche rund 35 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei. Die Auslastung der Hotels liegt auf Mallorca wegen der Coronakrise aktuell gerade einmal bei rund 50 Prozent. Viele Hotels, Bars und Restaurants sind noch immer geschlossen, die Strände sind weitestgehend nur wenig belegt. Deshalb stößt die Entscheidung der Bundesregierung bei einigen Urlaubern vor Ort auf wenig Verständnis.

Zentrales Kriterium für die Einstufung als Risikogebiet ist jedoch nicht, wie voll Strände oder Innenstädte sind, sondern ob es in den jeweiligen Staaten oder Regionen in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gegeben hat. Und hier liegt Spanien seit mehreren Tagen drüber: Für das ganze Land gab das Gesundheitsministerium in Madrid diesen Wert am Freitag mit mehr als 58 für die vergangenen sieben Tage an. Auf den Balearen liege er sogar bei über 77. Über die Risikogebiete führt das RKI eine Liste, die fortlaufend aktualisiert wird. Sie umfasst derzeit etwa 130 Staaten von Ägypten über Russland bis zu den USA.

Für die Entscheidung, ob ein Land oder eine Region als Risikogebiet eingeschätzt wird, können zudem weitere qualitativen Kriterien hinzugezogen werden - etwa, ob für Regionen, die den genannten Grenzwert nominell unterschreiten, dennoch die Gefahr eines erhöhten Infektionsrisikos vorliege. „Maßgeblich für die Bewertung sind insbesondere die Infektionszahlen und die Art des Ausbruchs (lokal begrenzt oder flächendeckend), Testkapazitäten sowie durchgeführte Tests pro Einwohner sowie in den Staaten ergriffene Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens“, heißt es auf der Website des Auswärtigen Amtes.

Landesregierung will Tourismus schnell wieder hochfahren

Der balearische Tourismusminister Iago Negueruela wies jedoch darauf hin, dass die Situation der Pandemie derzeit in allen Regionen Europas verbreitet sei und alle Länder betreffe, und dass sich Reisewarnungen stets an der momentanen Entwicklung orientierten. Man sei deshalb zuversichtlich, dass die touristische Aktivität so schnell wie möglich wieder hochgefahren könne. Man stehe in permanentem Kontakt mit Hotelvereinigungen und Reiseveranstaltern und wolle gemeinsam alles dafür tun, dass sich die Situation in den kommenden Wochen wieder beruhige.

Die Linksregierung beteuerte, dass man die Gesundheitsprävention auf Mallorca so gewissenhaft wie zuvor fortführen werde. So waren in den vergangenen Wochen tatsächlich zahlreiche neue Regelungen auf den Weg gebracht worden, die die Ansteckungsgefahr auf den Inseln mit dem Coronavirus verringern sollen. Dazu zählen neben der allgemeinen Maskenpflicht ein Verbot von Trinkgelagen, Personenbeschränkungen bei privaten Treffen, die Schließung aller Discos und Tanzlokale sowie zahlreiche Hygieneauflagen für Restaurants und Hotels. Die Polizei solle diese Regeln auch känftig verstärkt kontrollieren, hieß es.

Tui sagt alle Pauschalreisen nach Spanien ab

Als Reaktion auf die Reisewarnung hat der Reisekonzern Tui ab Samstag alle Pauschalreisen nach Spanien abgesagt. Den Kunden würden Umbuchungen zu anderen Reisezielen angeboten, zum Beispiel zu den Kanarischen Inseln, sagt ein Tui-Sprecher.

Derzeit weilen nach Angaben des Deutschen Reiseverbandes (DRV) rund 30.000 deutsche Pauschaltouristen auf den Balearen. Mit geschätzt mehr als 90 Prozent dürften die meisten von ihnen auf Mallorca Urlaub machen, sagte DRV-Sprecher Torsten Schäfer am Samstag der dpa. Allerdings gebe es noch keinen Überblick darüber, wie viele Urlauber in den nächsten Tagen vorzeitig abreisen wollten. Gäste, die beim Reiseveranstalter Tui gebucht haben, können entweder ihren planmäßigen Rückflug in den nächsten sieben Tagen antreten oder auf ein früheres Datum umbuchen.

Mallorcas Hoteliervereinigung FEHM kritisierte die Entscheidung aus Berlin. Dies würde "sofortige Auswirkungen" haben, zitiert die Mallorca-Zeitung die Fehm-Vorsitzende María Frontera. "Nach all den Anstrengungen, die wir Hoteliers und Reiseveranstalter unternommen haben, um ein Minimum an touristischer Aktivität in dieser Saison aufrecht erhalten zu können, ist es eine sehr schlechte Nachricht für uns."