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Mallorca-Urlaub 2020: So will Mallorca den Tourismus wieder hochfahren

Mallorca-Urlaub 2020 : So will Mallorca den Tourismus wieder hochfahren

Startet Mallorca Mitte Juni mit rund 4.000 deutschen Urlaubern testweise in die neue Saison? Die Balearenregierung und die Hotelverbände planen ein entsprechendes Pilotprojekt. Das sieht unter anderem eine Mini-Quarantäne für die Touristen vor. Doch noch ist unklar, ob Madrid überhaupt grünes Licht gibt.

Können bereits Mitte Juni die ersten deutschen Urlauber wieder Sonne, Strand und Meer auf Mallorca genießen? Wenn es nach den Vorstellungen der Balearenregierung sowie der Hotelverbände geht, soll dann ein Pilotpojekt starten, bei dem rund 4.000 Touristen - vor allem aus Deutschland - in vier ausgewählten Hotels an der Playa de Palma und Alcúdia testweise Urlaub machen können.

Mit dem Pilotprojekt will Mallorca als erste Region in Spanien noch vor dem Ende der Quarantänepflicht wieder deutsche Urlauber empfangen und in dieser Zeit ausloten, wie der Tourismus in Spanien künftig ablaufen könnte.

Noch kein grünes Licht aus Madrid

Noch ist jedoch nicht klar, ob das Pilotprojekt überhaupt umgesetzt werden kann. Denn bisher hat die Zentralregierung in Madrid noch kein grünes Licht gegeben. So will der spanische Gesundheitsminister Salvador Illa keine zweite Corona-Welle riskieren. Mit dem Pilotprojekt wolle man aber zeigen, dass man für weitere Öffnungen im Tourismussektor vorbereitet sei, entgegnen die Hotelverbände. Die nötigen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen könnten so im Vorfeld geübt und das Personal darauf geschult werden.

Die Zeit drängt jedoch: Wenn es bis Ende der ersten Juni-Woche keine Freigabe für das Projekt gebe, könne man es zeitlich nicht realisieren, zitieren lokale Medien Gabriel Llobera vom Mallorquinischen Hotelverband. Die am Projekt beteiligten Hotels müssten schließlich mit den entsprechenden Maßnahmen vorbereitet und das Personal geschult werden.

Auch die momentan in Spanien geltende Kurzarbeits-Regelung könnte bei der Realisation des Projektes noch für Probleme sorgen. Denn würde man die in Kurzarbeit befindlichen Mitarbeiter von drei oder vier Ketten-Hotels vor dem 30. Juni wieder in ein normales Beschäftigungsverhältnis bringen, so müssten die Unternehmen die eigentlich vom Staat gewährten Hilfen für die Beschäftigten sämtlicher anderer weiter geschlossener Kettenhotels übernehmen.

Alarmzustand in Spanien soll nochmals verlängert werden

Derzeit besteht in Spanien für alle Einreisenden eine 14-tägige Quarantänepflicht. Diese ist eigentlich an den seit dem 15. März im Land geltenden Alarmzustand gekoppelt, den Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez gerne noch ein letztes Mal bis zum 21. Juni verlängern will. Die balearische Ministerpräsidentin Francina Armengol regte zuletzt in Madrid jedoch an, die Quarantäne-Vorschrift für Mallorca-Urlauber bereits am 15. Juni und damit parallel zum geplanten Beginn des Pilotprojekts aufzuheben. Sánchez stehe dem wohlwollend gegenüber, sagte Armengol am Sonntag vor Journalisten nach der wöchentlichen Videokonferenz der spanischen Ministerpräsidenten.

Mallorca könnte also eine Sondergenehmigung im Rahmen des Pilotprojekts erhalten, während das übrige Land den Alarmzustand und die Quarantänepflicht erst am 21. Juni beenden würde. Am 14. Juni soll auch die generelle Reisewarnung der deutschen Bundesregierung enden.

Kein normaler Mallorca-Urlaub

Sollte das Pilotprojekt mit den 4.000 Test-Urlaubern Mitte Juni tatsächlich umgesetzt werden, müssten sich teilnehmende Touristen auf jede Menge Einschränkungen einstellen. Ein normaler Mallorca-Urlaub wird es definitiv nicht. So müssen die Passagiere schon bei der Einreise am Flughafen von Mallorca einen Test auf Covid-19 absolvieren. Da das Testergebnis jedoch nicht sofort feststeht, geht es für die Urlauber anschließend in eine Mini-Quarantäne: Sechs Stunden müssen die Reisenden in ihrem Hotel auf das Ergebnis des Testes warten und dürfen sich währenddessen nicht frei auf der Insel bewegen.

In den Hotels gelten zudem strenge Hygiene- und Sicherheitsregeln. Gäste und Hotelmitarbeiter sind angehalten, Abstand zu halten und direkten Kontakt zu vermeiden, Hotelbereiche sollen regelmäßig desinfiziert werden und auch in den Hotelrestaurants wird es keinen normalen Büffetbetrieb geben. Ob die Hotelpools öffnen werden, ist noch unklar. Dafür können die Urlauber zumindest an die Strände, die seit kurzem wieder frei zugänglich sind.

Während in der Pilotphase nur eine Handvoll Hotels geöffnet sein werden, könnte sich das Bild ab Juli bereits stark ändern. Laut den Hotelverbänden der Insel sollen dann bereits rund 300 Hotels geöffnet haben. Das sind 25 Prozent der etwa 1300 Häuser. Wegen der steigenden Nachfrage hätten sich viele Ketten dazu entschieden, doch mehr Häuser wieder zu öffnen, als zunächst geplant. Vor allem in den klassischen Touristen-Hotspots Mallorcas wie der Playa de Palma, in Alcúdia-Can Picafort, Cala Millor, Cala Rajada, Palmanova-Magaluf, Muro und Sóller sollen zahlreiche Hotels für Touristen geöffnet werden.

Partyurlaub am Ballermann ungewiss

Auf einen Partyurlaub am Ballermann, wie er die vergangenen Jahre möglich war, müssen die Deutschen aber wohl in diesem Sommer verzichten. Zwar dürfen Restaurants und Bars auch an der Playa de Palma wieder öffnen, doch die Partytempel Megapark und Bierkönig sind weiterhin geschlossen. Und noch ist auch nicht klar, ob sie im Zuge der weiteren Corona-Lockerungen in den kommenden Wochen ihren Betrieb wieder aufnehmen dürfen. Die Balearen-Regierung hatte in Madrid zuletzt angeregt, besonders riskante Aktivitäten wie Diskotheken und Nachtclubs vorerst keine Öffnungsgenehmigungen zu erteilen. "Es entspricht weder der Tatsache noch darf man einigen Gerüchten glauben schenken, dass der Megapark diesen Sommer nicht öffnet", zitiert die „Mallorca Zeitung“ dazu einen Megapark-Sprecher. Man beobachte die Entwicklung und hoffe, dass so rasch wie möglich die Grundlagen geschaffen werden, die ein Öffnen der Partylocation noch diesen Sommer zulassen werde.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) machte den Deutschen zuletzt wenig Hoffnung auf einen unbeschwerten Mallorca-Urlaub in diesem Sommer: „Es ist schwer vorstellbar, wie man am Ballermann Hygiene- und Abstandsregeln richtig einhalten kann“, sagte Söder der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Vernunft und Lebensfreude seien aber kein Widerspruch. „Und gerade dieses Jahr ist dann eben ein anderes Urlaubsjahr als sonst.“

Söder mahnte auch beim Urlaub zur Vorsicht und warnte vor einem zweiten Lockdown: „Wir sehen doch an einzelnen Beispielen in diesen Tagen, wie schnell wieder hundert Neuinfektionen entstehen können.“ Vorsicht müsse daher oberste Priorität bleiben.

Tatsächlich wurde auch auf Mallorca am vergangenen Wochenende wieder ein größerer Ausbruch des Coronavirus gemeldet. So haben sich knapp einen Monat nach dem Ende des strengen Lockdowns auf der Baleareninsel elf Mitglieder einer pakistanischen Großfamilie im Laufe der letzten Maiwoche mit Covid-19 angesteckt. Wie die „Mallorca Zeitung“ berichtet, lebt die Familie in einem Stadtteil von Palma. Alle 15 Familienmitglieder seien in Krankenhäuser eingeliefert worden, da in ihrer Wohnung der Sicherheitsabstand zu den Erkrankten nicht einzuhalten war.