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Felipe VI.: Spaniens künftiger König verzichtet auf einen pompösen Auftritt

Felipe VI. : Spaniens künftiger König verzichtet auf einen pompösen Auftritt

Es soll bewusst eine bescheidene Zeremonie werden. Ohne jenen Prunk, der Krönungen königlicher Häupter meist begleitet. Ohne ausländischen Adel und hohe Staatsgäste.

Schon die Proklamation von Spaniens Kronprinz Felipe zum neuem König am 19. Juni dürfte also ein unübersehbares Zeichen setzen, dass frischer Wind durch den Palast weht. Und dass die Zeiten der hoheitlichen Verschwendung und Skandale, mit denen der alte König Juan Carlos bei den Bürgern viel Ansehen verlor, vorbei sind.

Ein bisschen Glanz muss aber auch bei dieser Spar-Krönung sein: Putzfrauen, Gärtner und Dekorateure polieren jene Orte in der Hauptstadt Madrid auf, an denen sich am Donnerstag der Kronerbe als frischgebackener König Felipe VI. und in Generalsuniform präsentieren wird. Begleitet von seiner Frau, der bisherigen Prinzessin und künftigen Königin Letizia. Die 41-Jährige wird mit Designerkleid und als Mode-Ikone vieler Frauen die Blicke auf sich ziehen.

Hauptschauplatz wird der Plenarsaal im ehrwürdigen Parlamentsgebäude in der Madrider City sein. Dort wird Felipe vormittags vor den Abgeordneten des Kongresses (Unterhaus) und des Senats (Oberhaus) schwören, dem Vaterland zu dienen. Und dort wird der 46-Jährige in seiner ersten Grundsatzrede als König erläutern, wie er sich seinen Job als Staatschef vorstellt.

Wird Felipe schon verraten, wie er die fällige Modernisierung der maroden Monarchie, die Umfragen zufolge nur noch rund die Hälfte der Spanier hinter sich hat, konkret angeht? Sein 76-jähriger Vater Juan Carlos I., der Anfang Juni und nach dem Absturz seiner Popularität die Abdankung verkündete, wird bei diesem Krönungsakt jedenfalls nicht anwesend sein. Um dem Thronfolger nicht die Show zu stehlen, der "als König maximale Aufmerksamkeit" verdiene, wie der Palast mitteilte.

Auch Juan Carlos' in Ungnade gefallene Tochter Cristina, die mit ihrem Mann Iñaki Urdangarin in einen Betrugs- und Korruptionsskandal verwickelt ist, wird nicht dabei sein. Wohl aber die bisherige Königin Sofía, die zusammen mit Felipe bis heute zu den beliebtesten Mitgliedern des Königshauses gehört. "Die Philosophie bei den Akten des Thronwechsels besteht darin, dass diese die Feierlichkeit und Würde haben sollen, die historische Ereignisse erfordern", erläuterte ein Palastsprecher.

"Aber wir vergessen auch nicht die Prinzipien der Austerität, die in der heutigen Zeit ratsam sind." Anschließend geht es vom Parlament quer durchs Zentrum Madrids zum alten Königspalast - vermutlich im offenen Rolls-Royce. Die Bodyguards schwitzen jetzt schon, wenn sie an diese Fahrt denken. Weniger, weil Temperaturen über 30 Grad angesagt sind. Sondern, weil sie fürchten, dass Demonstranten dem neuen Königspaar auf der Straße einen "heißen" Empfang bereiten könnten.

Zehntausende Menschen demonstrierten in den letzten Tagen gegen die Monarchie - bisher friedlich. Doch die Polizei hat Hinweise, dass Radikale den Krönungstag stören wollen.

Die Sicherheitskräfte befinden sich in Alarmbereitschaft: Rund 5000 Polizisten sollen die Hauptstadt panzern. Mit Kontrollpunkten an den Einfallstraßen, mit weiträumigen Absperrungen, um das Volk auf Distanz zu halten. Demonstrationen wurden untersagt. Sogar Flugverbotszonen werden eingerichtet, um Drohnenangriffen vorzubeugen. "Null Toleranz", laute die Maxime, bekannte ein Polizeiführer. Madrid befindet sich an diesem Tag im Ausnahmezustand.

Im historischen Königspalast, der heute nur noch für Empfänge und als Museum dient, wartet dann Juan Carlos auf das neue Königspaar. Und es kommen rund 1000 Repräsentanten aus allen Teilen der Gesellschaft zum Gratulieren.

Juan Carlos und Ehefrau Sofía behalten übrigens auch nach der Abdankung ihren Titel als König und Königin. Juan Carlos verliert aber seine rechtliche Unantastbarkeit, die ihn bisher etwa vor den Vaterschaftsklagen mutmaßlicher Nachkommen aus Liebesaffären schützte. Die Regierung will ihm stattdessen politische Immunität verleihen, so dass wegen königlicher Fehltritte nur der Oberste Gerichtshof nach Erlaubnis des Parlaments tätig werden darf.

Mit dem Amtsantritt von Felipe VI. wird sich manches ändern: Auf Briefmarken und Euromünzen, auf denen bisher Juan Carlos prangte, wird künftig Felipe verewigt werden. In sämtlichen öffentlichen Gebäuden, von Schulen bis Gerichten, wird das gerahmte Bild des alten Königs gegen ein Konterfei des Thronfolgers ausgetauscht. In den Souvenirfabriken laufen bereits Servietten, Tassen sowie Fächer mit Felipes und Letizias Bildnis vom Band.

Der königliche Fußballclub Real Madrid und Spaniens Stierkämpfer werden mit dem Abtritt von Juan Carlos ihren prominentesten Unterstützer verlieren. Felipe ist eingefleischter Fan des Fußballrivalen Atlético Madrid. Und er ging bisher eher selten in die Stierkampfarena - und dann auch nur, um seine hoheitlichen Pflichten zu erfüllen.