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Neuer Trend zu künstlerischen Graffitis: Sprayer spielen mit den Lackierungen von Zügen

Neuer Trend zu künstlerischen Graffitis : Sprayer spielen mit den Lackierungen von Zügen

Graffitis auf Zügen sind oft hastig angefertigte Schmierereien. Doch ein neuer Trend greift um sich. Züge werden künstlerisch besprüht, die Lackierung des Zuges wird dabei miteinbezogen.

Der Zug der Hamburger S-Bahn sieht aus wie ein halb aufgerissenes Geschenk. Hinter der roten Lackierung der Bahn scheint eine historische Lackierung zu stecken. In letzter Zeit tauchen immer wieder neue Graffitis auf, die mit der Lackierung von Bahnen künstlerisch verbunden sind. In Hamburg ist es der zweite Fall binnen weniger Monate. In beiden Fällen wurden Bahnen besprüht, die in den 1970er-Jahren in der Lackierung "beige/ozeanblau" ausgeliefert wurden. Heute sind diese in dem bekannten Bahn-Rot lackiert. Der Sprayer hat es nun so aussehen lassen, als ob der neue Lack abblättert und der alte darunter sichtbar wird.

Den Verdacht, die professionell aussehenden Graffitis könnten im Auftrag der Bahn angefertigt sein, dementierte die S-Bahn Hamburg gegenüber dem GA. Diese seien illegal angebracht worden und würden entfernt werden.

Auch bei den Zügen des Fernverkehrs der deutschen Bahn gab es in den letzten Monaten einige Graffitis zu sehen, die mit der Lackierung der Bahn zusammenwirkten. Der markante rote Streifen auf weißem Grund, die Standard-Lackierung der Fernzüge, wurde mal als Strich auf einem Oster-Ei oder in einer roten Schleife eingebunden. Über den Urheber der Werke gibt es in den sozialen Netzwerken Mutmaßungen. Oftmals werden die Werke einem Sprayer namens "Razor" zugeschrieben.

In Bonn und der Region sind Simon Horn ähnliche Fälle noch nicht aufgefallen. Er ist der Gründer der Bonner Agentur "Highlightz", die sich mit professioneller und legaler Graffiti-Kunst im öffentlichen Raum befasst. Die Werke auf den Zügen aus anderen Landesteilen kennt er trotzdem, innerhalb der Szene seien sie stark beachtet worden. Das Phänomen sei neu, früher seien eher Tags, also Signaturkürzel, gesprüht worden. "Die graphische Veränderung von Bahnen im künstlerischen Kontext ist neu", sagt Horn.

Auch der Bahn sind noch keine Fälle in Nordrhein-Westfalen bekannt. Insgesamt gebe es jedoch vermehrt Graffitis, erklärte die Bahn gegenüber dem GA. Vor allem in Ballungsräumen sei das Problem groß.

Im vergangenen Jahr gab die Deutsche Bahn rund sieben Millionen Euro für die Beseitigung von Graffiti aus. 12.992 Zügen waren von Sprühaktion betroffen in dem Zeitraum. Im Vergleich: 2016 waren es noch 11.531 Züge, im Jahr 2015 nur 10.858 Züge, die aufgrund von Graffitis gereinigt werden mussten.

(Mit Material von dpa)