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Kommentar zum Fluggast-Skandal bei United Airlines: Theorie und Praxis

Kommentar zum Fluggast-Skandal bei United Airlines : Theorie und Praxis

Beim Skandal um United Airlines geht es nicht um die Probleme mit Überbuchungen, sondern um Tätlichkeiten. Der Passagier, der sich nicht überreden ließ, wurde angegriffen.

Fluggesellschaften sind Wirtschaftsunternehmen. Heißt: Sie rechnen. Jeder leer gebliebene Platz ist für sie ein Minus in der Bilanz – um das zu vermeiden, werden Flüge mit vielen Geschäftsreisenden an Bord überbucht, sprich: Tickets werden mehrfach verkauft.

Geschäftskunden machen es umgekehrt: Sie buchen mehrere Flüge, um je nach Dauer ihrer Termine flexibel wegzukommen. Dass dann Plätze leer bleiben, kratzt sie so wenig, wie es die Airline kratzt, wenn ihr Servicepersonal in Sachen Überredungskunst zur Hochform auflaufen muss, weil kein Fluggast abspringt und ein paar zur Umbuchung oder gar einer Wartenacht im Hotel bewegt werden müssen. Gängige Praxis – das eine wie das andere. Nur: Darum geht es beim Skandal um United Airlines nicht. Hier geht es um Tätlichkeiten. Der Passagier, der sich nicht überreden ließ, wurde angegriffen. Wenn jetzt die Lufthansa-Sprecherin verkündet, bei ihnen werde „das Problem auf jeden Fall am Gate gelöst“ und nicht erst im Flieger – was heißt das eigentlich? Dass ein Passagier dort unter massivem Druck von der Liste der Mitfliegenden entfernt wird, wo keine Handykamera mitlaufen kann?

Die Lufthansa bildet mit anderen Fluggesellschaften die sogenannte „Star Alliance“. 1997 gegründet, um – so verspricht es die Lufthansa auf ihrer Webseite – den Kundenservice „immer stärker zu optimieren“. Ein Mitglied dieser „Star Alliance“ ist – United Airlines. Nein, dieser Skandal ist kein amerikanischer. Es ist ein internationaler Skandal. Wer global Wirtschaft betreibt, muss sich global verantworten – oder zur Verantwortung gezogen werden.