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Metrisches System: Vor 225 Jahren führte Frankreich das Metermaß ein

Metrisches System : Vor 225 Jahren führte Frankreich das Metermaß ein

Für die damaligen Menschen bedeutete es eine völlige Umstellung, für uns ist es heute eine gängige Einheit. An diesem Dienstag vor 225 Jahren wurden in Frankreich die Längenmaße vereinheitlicht. Ein Blick in die Geschichte.

Paris ist überreich gesegnet mit Sehenswürdigkeiten. Vielleicht schlendern deshalb die meisten Touristen achtlos an der Stelle gegenüber dem Senat in der Rue de Vaugirard vorbei. Dabei gibt es dort wahrlich Historisches zu sehen. Eingelassen in eine Hauswand in einem Arkadengang ist der „Mètre étalon“ zu bewundern, ein Urmeter. Vor genau 225 Jahren, am 7. April 1795, wurde in Frankreich ein Gesetz erlassen, das den Meter als neue Maßeinheit festlegte.

Diese neue Regelung war eine Folge der Französischen Revolution von 1789. Die kostete bekanntlich vielen Adligen ihre Privilegien und bisweilen auch den Kopf, es wurden aber auch noch einige andere wichtige Dinge in die Wege geleitet, die bis heute das Leben der Bürger bestimmen: unter anderem die Vereinheitlichung von Maßen und Gewichten im Land.

Ziemlich großes Durcheinander

Viele der in Frankreich benutzten Einheiten stammten bis dato von römischen Längenmaßen ab. Das Problem: die wurden im Laufe der Jahrhunderte immer weiter abgewandelt oder durch andere Einheiten ergänzt. Dies führte schließlich zu einem ziemlich großen Durcheinander und erschwerten den sich ausweitenden Handel zwischen den Städten, da sich die gebräuchlichen Einheiten in der Regel voneinander unterschieden.

So maß die im ganzen Land gebräuchliche Einheit „lieue“ in Beauce 3,268 Kilometer, in der Provence aber 5,849 Kilometer. Besonders schwierig wurde es, wenn die Längeneinheiten sogar zwischen den einzelnen Gewerben in einer Stadt voneinander abwichen.

Metermaße an 16 belebten Orten

Den neuen Herren in Paris stellte sich nach ihrer grundlegenden Reform dann allerdings eine entscheidende Frage: wie sollten sie diese Neuerung unters einfache Volk bringen? Sie entschieden sich dafür, in der gesamten Metropole an 16 belebten Orten Metermaße anzubringen, an denen sich die Menschen in Zukunft orientierten konnten. Unterteilt waren diese Standardmeter in Dezimeter und der letzte Dezimeter war noch einmal in Zentimeter geteilt. Zwei dieser Metermaße sind noch heute in Paris zu sehen, jener in der Rue de Vaugirard, der andere am Place Vendome.

Napoleon erkannte Vorteile

Überlieferungen zufolge verkauften aber etwa Schneider ihre Stoffe noch lange in den für sie geläufigen Längenmaßen Aune (Elle), Pied (Fuß) oder Pouce (Daumen). Dieses Problem erkannte auch Napoleon, der viele Errungenschaften der Revolution wieder rückgängig machte, aber die Vorteile des landesweiten metrischen Systems erkannte.

Um die Akzeptanz im Volk zu erhöhen, erlaubte er in einem Dekret auch die Benutzung alter Namen mit metrischen Werten in derselben Größenordnung. So wurde schließlich im Jahr 1812 die Länge einer Pariser Elle auf 120 Zentimeter festgelegt. Den Franzosen jener Zeit schien das Umrechnen anfangs offensichtlich genauso schwer zu fallen wie vielen Deutschen fast 200 Jahre später die Umstellung der alten D-Mark auf den neuen Euro.

Siegeszug setzte sich 1875 fort

Der Siegeszug des Meters als Maßeinheit setzte sich dann im Jahr 1875 fort. Damals unterzeichneten 17 Länder einen Staatsvertrag, die sogenannte Meterkonvention, darunter war auch Deutschland. Dieser wichtige Schritt war unter anderem eine Folge des stark zunehmenden Handels zwischen den Staaten Europas. Nur Großbritannien stemmte sich unbeirrt und überzeugt von der eigenen Größe gegen das neue System.

Doch der Fortschritt ging über dieses störrische Festhalten der Briten an ihrer Tradition einfach hinweg. Der Meter ist inzwischen in den meisten Ländern der Welt verbindliches Längenmaß. Die Definition des Meters veränderte sich allerdings im Laufe der Zeit, was aber keinen Einfluss auf dessen Länge hatte. Früher war es der zehnmillionste Teil der Entfernung vom Nordpol über Paris zum Äquator. Seit 1983 gilt eine Definition, die auf der Lichtgeschwindigkeit beruht.

Allerdings hat sich die Bezeichnung Meter auch in Deutschland in manchen Bereichen nicht durchgesetzt. Noch heute werden große Flächen vor allen in der Landwirtschaft in Ar und Hektar ausgezeichnet – gemessen wir aber natürlich in Quadratmetern.