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Klischee und Kunst: Warum sich Hartz-IV-Klischees hartnäckig halten

Klischee und Kunst : Warum sich Hartz-IV-Klischees hartnäckig halten

Wie sich ein Leben mit Hartz IV anfühlt, glauben alle gut zu wissen: Da sitzen aufgeschwemmte Faulpelze schon mittags mit der Bierflasche vor der Glotze.

Billig blondierte Muttis von lauter kleinen Kevins geben ihre Sozialbezüge fürs Fingernagelstudio als. Mit diesen Klischees spielt die Bonner Kunststudentin Jana Merkens: Im Maßstab 1:4 baut sie Hartz-IV-Puppenstuben, in denen die Ulis, Mandys und Kevins voll krass vor sich hinlümmeln.

Aufrütteln sollen uns die Figuren aus Modellierton und Acrylfarbe. "Ich will unser Denken kritisieren", sagt sie, "so, wie viele Leute Hartz-IV-Empfänger sehen, sieht die Wirklichkeit einfach nicht aus." Monatelang hat sie Hartz-IV-Familien begleitet, sogar den Inhalt ihrer Kühlschränke studiert. Ihr Fazit: So viel anders als Bürger in Festanstellung ticken die Abgerutschten eben doch nicht.

Die Ruhr-Universität Bochum untermauert nun Merkens Blick mit Fakten. Hartz-IV-Empfänger sind demnach weder generell faul, noch antriebsarm oder unsozial. "Die meisten unterscheiden sich nicht vom normalen Arbeitnehmer", sagt Philip Frieg, der die Studie mit dem Jobcenter Kaufbeuren erstellt hat. Klischees als extreme Beispiele wögen die Berufstätigen in Sicherheit, weil sie selbst schließlich anders seien.

Um das deutlich zu machen, hat Merkens zwei Stuben gebaut, die wahren Schicksale von Hartz-IV-Empfängern zeigen: In der einen sitzt eine einst wohlhabende Frau verzweifelt zwischen Umzugskartons und wartet auf die Zwangsräumung. In der zweiten Stube sammelt ein Mann Flaschen - unrasiert, desillusioniert.