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Jan Josef Liefers bei „Maybrit Illner“: „Was ich nicht gemacht habe, war eine gründliche Recherche“

Jan Josef Liefers bei „Maybrit Illner“ : „Was ich nicht gemacht habe, war eine gründliche Recherche“

Diskussion über eine Diskussion: Die Talkrunde bringt zutage, was Jan Josef Liefers über die Initiatoren der Aktion #allesdichtmachen wusste – und ob er glaubt, Künstlern damit geholfen zu haben.

Am Donnerstagabend diskutierte die Talkrunde bei „Maybrit Illner“ unter dem Motto „Freiheit, Solidarität, Widerspruch – spaltet Corona das Land?“. Dabei haben wir uns angeschaut, wie der Gesprächsteil über die Aktion #allesdichtmachen mit Jan Josef Liefers ablief.

Die Gäste bei „Maybrit Illner“ am Donnerstag:

  • Jan Josef Liefers, Schauspieler
  • Mai Thi Nguyen-Kim, Wissenschaftsjournalistin
  • Wolfgang Kubicki (FDP), Bundestagsvizepräsident
  • Peter Tschentscher (SPD), Hamburger Bürgermeister
  • Boris Palme (Grüne) Tübinger Bürgermeister

Darum ging’s bei „Maybrit Illner“ gestern:

Eine Frage vom Anfang der Talkshow fasst den Kern prima zusammen: Maybrit Illner will wissen, ob die Diskussion um #allesdichtmachen das war, worauf Liefers abgezielt hatte.

Der Talkverlauf:

Gleich zu Beginn der Talkshow wendet sich Moderatorin Maybrit Illner an den Schauspieler Jan Josef Liefers. Angesichts der Reaktionen auf die Aktion #allesdichtmachen, zu der Liefers ein Video beigesteuert hatte, möchte Illner wissen: „Haben Sie damit die Diskussion angestoßen, die Sie wollten?“ Möglicherweise sei die Diskussion „ganz schön spät“ gekommen und deshalb so aufgeladen, räumt Liefers ein. Sein Video „wurde sehr persönlich genommen“, sei aber nicht persönlich gemeint. Flugs kommt dann auch Liefers‘ persönliche Geschichte von der Corona-Müdigkeit.

Zum Beginn der Pandemie sei er „total angeknipst“ gewesen sei und ein „Riesen-Fanboy von Drosten“. Doch irgendwann habe er alle Zeitungen und Newsfeeds abbestellt. All dies habe seine Attacke auf die Medien gespeist. „Mir ist klar, dass das total ungerecht und auch undifferenziert ist“, sagt Liefers. Darauf kommt er viel später noch einmal zurück, als er die Meinungen anderer Leute zusammenfasst: „Bei relativ undifferenzierten Maßnahmen ist es schwer, eine differenzierte Kritik zu verlangen.“

Das Gespräch bleibt aber zunächst bei Liefers‘ pauschaler Medienkritik an Medien, die angebliche Gleichförmigkeit und Kritiklosigkeit beklagt. „Damit dräuen Sie in die Richtung von Demokratiezweiflern oder -verzweiflern“, sagt Illner. Das ließe sich nicht ändern, findet Liefers. „Wir können doch nicht das, was wir sagen und wie wir darüber sprechen, definieren lassen von denen, mit denen wir nichts zu tun haben wollen.“ Allerdings glaubt Liefers offenbar selbst nicht, dass Medien unkritisch über Corona-Maßnahmen berichten. Natürlich sei ihm klar, dass die Regierung für verschiedene Entscheidungen unter Beschuss von Seiten der Presse gestanden habe, betont er. Der Schauspieler stellt zudem klar: Ihm sei die Pressefreiheit so wichtig, dass er sie auch verteidigen würde, wenn sie sich gegen ihn richte.

Ihm gut bekannte Kollegen seien ein Beweggrund gewesen, bei #allesdichtmachen mitzumachen. Von den beiden Initiatoren habe er nur einen gekannt, Dietrich Brüggemann, „aber auch nicht sehr gut“. Zwar habe er Zeit gehabt, über eine Beteiligung an der Aktion nachzudenken, sagt Liefers. Aber: „Was ich nicht gemacht habe, war eine gründliche Recherche.“ So habe er sich nicht damit befasst, wer die Initiatoren seien, welche Vergangenheit die Beteiligten hätten, mit wem sie gearbeitet hätten.

Liefers beharrt darauf, die Kunstaktion habe etwas anstoßen sollen. „Aber was Sie im Video gesagt haben, passt nicht zu dem, was Sie hier alles gesagt haben“, sagt Mai Thi Nguyen-Kim. Die Wissenschaftsjournalistin wundert sich, dass Liefers nicht vorausgesehen hat, dass das Video so aufgenommen werden könnte. „Hätte ich gesagt ‚Ich will auf die Situation der Künstler hinweisen‘, dann säßen wir jetzt nicht hier“, sagt der Schauspieler.

Doch Nguyen-Kim bleibt bei der Frage nach Folgen. Sie erinnert daran, dass Aktionen wie #AlarmstufeRot seit Monaten um Verbesserungen für Kultur- und Veranstaltungsbranche werben, sich aber nicht in einen Shitstorm verwickelten – und weniger Aufmerksamkeit bekommen. Zudem unterscheidet Nguyen zwischen konstruktiven Diskussionen, die eine bessere Lösung zum Ziel haben, und destruktiven Diskussionen, die von Empörung und Spaltung getrieben sind, aber nicht vorwärts kommen.

Und nun will Nguyen-Kim wissen, welche Folgen Liefers bei seinem Video sieht: „Haben Sie dadurch jetzt den Künstlern geholfen? Oder war es trotzdem gut, weil es Aufmerksamkeit geschaffen hat?“ Er wisse nicht, ob es helfe, sagt Liefers. „Aber vielleicht hat es mehr eingeschlagen als diese sehr zivilisierten, sehr höflichen Versuche, die es vorher gab.“

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