Extremwetter mit viel Regen Was Sie zu Starkregen wissen müssen

Service | Bonn · In Deutschland kommt es gerade in den Sommermonaten immer wieder zu Starkregen. Doch wie entsteht dieser überhaupt? Und ab wann ist Regen so stark, dass man ihn als Starkregen bezeichnet? Welche Folgen kann er haben und wie schütze ich mich davor? Ein Überblick.

Junge Leute fahren mit einem Lastenrad durch eine verregnete Stadt. Bei Starkregen empfiehlt es sich dagegen, im Trockenen zu bleiben.

Junge Leute fahren mit einem Lastenrad durch eine verregnete Stadt. Bei Starkregen empfiehlt es sich dagegen, im Trockenen zu bleiben.

Foto: dpa/Jörg Carstensen

Wenn besonders große Wassermassen vom Himmel fallen, spricht man häufig von Starkregen. Besonders im Sommer tritt Starkregen häufig auf. Doch ab wann ist Regen Starkregen, wie entsteht er und wie kann man sich vor den Folgen schützen? Der Bonner Meteorologe Karsten Brandt erklärt die Hintergründe dieses Wetterereignisses.

Was ist Starkregen?

Eine allgemeingültige Definition von Starkregen gebe es nicht, sagt Brandt. „Unter Starkregen versteht man, wenn die Regenmenge pro Zeiteinheit einen bestimmten Schwellenwert übersteigt. Das führt dazu, dass der Boden die Wassermenge nicht mehr aufnehmen kann“, sagt der Meteorologe. Wenn innerhalb eines Tag 20 Liter Regen auf eine Fläche von einem Quadratmeter fallen, fängt man an, den Niederschlag als Starkregen zu bezeichnen. „Aber auch innerhalb einer Stunde können fünf Liter Regen pro Quadratmeter schon Starkregen sein“, so Brandt. „Wichtig ist, die Regenmenge pro Zeiteinheit zu betrachten. Ab einer bestimmten Regenmenge fällt auf, dass vermehrt Probleme wie vollgelaufene Keller auftreten oder der Boden das Wasser nicht mehr aufnehmen kann.“

Was ist der Unterschied zwischen Starkregen und Dauerregen?

Auch ein Dauerregen kann ein Starkregen sein, weiß der Experte. Denn auch der Dauerregen sei kein feststehender Begriff. Der Regenschauer dauert weniger als 45 Minuten. Regnet es länger, ist von einem lang anhaltenden Regen die Rede. „Ein Dauerregen dagegen ergießt sich über einen Zeitraum von sechs bis zwölf Stunden hinaus bis hin zu 72 Stunden oder noch länger.“

Wie entsteht Starkregen?

„Bei Starkregen spielen Prozesse eine Rolle, die durch Auftrieb von großen Luftblasen in große Höhen entstehen“, erklärt Brandt. „Durch eine instabile Schichtung in der Atmosphäre steigen Luftpakete vom Boden oder tiefen Luftschichten in große Höhen auf.“ Der Experte spricht dann von konvektiver Wolkenbildung. Das Wachstum der Wolke steigt exponentiell an und so kommen in den Regionen unter dem Wolkenpaket überdimensional große Mengen an Regen herunter. Im Herbst oder Winter treten diese Wetterlagen weniger häufig auf. Dann spielt eher das Aufgleiten als anderer Weg für Wolken- und Niederschlagsbildung eine Rolle. Die Effekte führen dann eher zum lang anhaltenden Regen oder zum Dauerregen.

Bilder: Hochwasser Pfingsten Bonn und Region
29 Bilder

Unwetter sorgen für Hochwasser in der Region

29 Bilder
Foto: Petra Reuter

Wie häufig ist 2024 mit Starkregen zu rechnen?

Dieses Jahr sei die Starkregen-Front sehr extrem und nicht als Maßstab zu nehmen, stellt der Meteorologe zuvorderst klar. „In der Bonner Region gibt es etwa zehn bis zwölf Wetterlagen mit Starkregen im Jahr“, sagt Brandt.

Gibt es Regionen, in denen es häufiger zu Starkregen kommt?

In einigen Teilen Deutschland tritt Starkregen häufiger auf als in anderen Regionen. „Für Deutschland lässt sich grob sagen, dass die Häufigkeit von Süd nach Nord abnimmt“, sagt der Wetterforscher. Vor allem in den südlichen Mittelgebirgslagen könne Starkregen vermehrt zustande kommen.

Wird es in Zukunft noch mehr Starkregen geben?

Definitiv werde Starkregen in Zukunft weiter zunehmen, sagt der Experte. „Wir haben generell eine Verschiebung von den ruhigen Regenfällen hin zu den konvektiven Wetterlagen mit dem Starkregen.“ Ähnlich sei es mit der Trockenheit und einer ständigen Hochdrucklage mit absenkender Luftbewegung, bei der es keinen Niederschlag gibt. „Beides könnte sich, das zeigen auch die Klimamodelle, weiter verstärken.“

Welche Folgen kann Starkregen haben?

Starkregen kann zu vollgelaufenen Kellern und vor allem bei Bächen und kleineren Flüssen zu Überschwemmungen führen, Bäume instabil werden lassen und im Ernstfall sogar Menschenleben kosten. Auch durch Starkregen hervorgerufene Erdrutsche können die Landwirtschaft beeinflussen oder Gebäude und Straßen beschädigen, wie der Meteorologe erklärt.

„Bei den leichten und mittleren Fällen von Starkregen spielt es eine große Rolle, welchen Untergrund man hat.“ Denn umso weniger Böden versiegelt seien, umso besser kommen die Natur und letztlich auch die Menschen mit den Folgen der großen Wassermassen zurecht. Doch der Experte weiß auch: „Bei starken Fällen von Starkregen ab einer Wassermenge von 50 Litern oder mehr in zwölf oder 24 Stunden pro Quadratmeter, spielt der Untergrund fast keine Rolle mehr. Solche großen Wassermengen kann auch ein Wald nicht mehr aufnehmen.“

Wie kann man sich vor Starkregen schützen?

Der Schutz vor Starkregen beginnt bereits bei kleinen, alltäglichen Dingen. Wenn es heiß ist und eine Starkregenlage bevorsteht, sollte man die Fenster trotzdem geschlossen halten. „Schon das Fenster auf Kipp zu lassen, kann zu einer Pfütze im Haus führen.“ Ein persönlicher Tipp des Meteorologen ist zudem, ein paar Sandsäcke parat zu haben, die das Wasser von der Terrassentür abhalten. Der Lichtschacht eines Kellers ist außerdem ein neuralgischer Punkt eines Hauses bei starken Niederschlägen und kann abgedeckt werden. „Außerdem sollte man die Rückstauklappe prüfen oder eine einbauen lassen, damit das Wasser nicht aus dem Kanal zurückläuft“, sagt Brandt.

„Auch eine Pumpe und ein Schlammschrubber lohnen sich immer zur Hand zu haben. Die Pumpe sollte man aber schon vorher kaufen und nicht dann, wenn jeder eine will.“ Ist der Keller schon vollgelaufen, rät der Experte jedoch davon ab, nach unten zu gehen: „Das ist sehr gefährlich, denn man kann schnell einen Stromschlag bekommen oder kriegt die Tür aufgrund der Wassermassen nicht auf.“ Dann solle man lieber die Feuerwehr rufen.

Der Garten könne auch mal „wild“ gelassen und weniger verdichtet und versiegelt werden, sodass das Wasser gut in den Boden sickern kann. Der Wetterexperte berichtet zudem von einem Tipp, den er selber jahrelang vernachlässigt hat: „Ich habe zwölf Jahre die Regenrinne nicht mehr sauber gemacht. Wenn eine große Wasserwand auf das Dach herabregnet und die Regenrinne verstopft ist, kann das einen großen Schaden geben.“ Ist die Regenrinne nur schwer zu erreichen, empfiehlt es sich, eine Fachfirma zu beauftragen.

Sollte man bei Starkregen vor die Tür gehen?

So beruhigend ein Spaziergang im Regen manchmal auch sein kann, bei Starkregen sollte man nach Möglichkeit im Trockenen bleiben. „Die ganz klare Regel ist auch, nicht an Gewässer oder auf Brücken zu gehen. Viele Menschen unterschätzen die Kraft des reißenden Wassers“, mahnt Brandt. Auch Waldgebiete sollten gemieden werden, da es dort nicht nur bei Gewittern zu Blitzeinschlägen kommen kann, sondern auch Bäume durch die großen Regenmengen instabil werden können.

Was sollten Autofahrer bei Starkregen beachten?

Der ADAC rät Autofahrern bei Starkregen zu einer besonders vorsichtigen Fahrweise und warnt vor der Gefahr von Aquaplaning. „Durch eine angepasste Fahrweise mit reduzierter Geschwindigkeit und mehr Sicherheitsabstand sowie einer Reifen-Profiltiefe von mindestens vier Millimetern kann die Gefahr bereits im Vorfeld reduziert werden“, rät Verkehrsexperte Roman Suthold.

Ist der Regen so stark, dass der Scheibenwischer auf der höchsten Stufe arbeiten muss, sollte laut der ADAC-Empfehlung nur noch mit maximal 80 km/h gefahren werden. Sollte die Sicht nur 50 Meter weit reichen, muss zudem auch bei Starkregen die Nebelschlussleuchte eingeschaltet werden. In diesen Fällen darf auch auf Autobahnen nur mit maximal 50 km/h gefahren werden. „Wir raten dazu, bei solch extremen Verhältnissen nicht mehr den halben Tacho als Anhaltspunkt für den Abstand zu wählen. Geschwindigkeit gleich Abstand, das ist wesentlich sicherer“, sagt Suthold.

Beim Aquaplaning, bei der das in den Spurrinnen gesammelte Wasser nicht schnell genug von den Reifen verdrängt werden kann, empfiehlt der ADAC, den Fuß vom Gas zu nehmen und nicht abrupt zu bremsen oder zu lenken. Geflutete Straßen oder Unterführungen sollten zudem nicht mit Schwung durchfahren werden. Außerdem ist es ratsam, das Fahrzeug nicht in überflutungsgefährdeten Gebieten abzustellen.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort