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Wasserstraße in Ägypten: Weiter viele Schiffe trotz Blockade mit Kurs auf Suezkanal

Wasserstraße in Ägypten : Weiter viele Schiffe trotz Blockade mit Kurs auf Suezkanal

150 stecken bereits im von der riesigen „Ever Given“ ausgelösten Stau. Eine Datenanalyse zeigt: Mehr als 300 sind mit Kurs auf die wichtige Wasserstraße unterwegs. Niederländische Spezialisten über den festsitzenden Frachter: „Ein sehr schwerer Wal am Strand.“

Trotz Einsatzes von Schiffsbaggern und anderem schweren Gerät ist es auch am Donnerstag nicht gelungen, den im Suezkanal festsitzenden Riesenfrachter „Ever Given“ flott zu machen. Deswegen standen in der viel befahrenen Wasserstraße zwischen Mittelmeer, Afrika und Asien bereits 150 Schiffe im Stau. Mindestens 300 weitere hielten Kurs auf den Suezkanal, wie eine Analyse der Datenfirma Refinitiv auf Basis von automatischen Identifikations-Signalen von Schiffen ergab.

Eine Wasserstraße von der Bedeutung des Suezkanals zu blockieren setze einen Dominoeffekt in Gang, erklärte der Chef der in Dänemark ansässigen SeaIntelligence Consulting, Lars Jensen. Dieser Effekt werde in der Versorgungskette nicht nur sofortige, sondern über Monate andauernde Folgen haben.

Die ägyptischen Behörden beauftragten die niederländische Spezialfirma Boskalis damit, den havarierten Frachter flott zu machen. Der Boskalis-Vorsitzende Peter Berdowski verglich die „Ever Given„ mit „einem sehr schweren Wal am Strand“. „Das Schiff, mit dem Gewicht, das es jetzt hat, kann nicht wirklich freigeschleppt werden. Das kann man vergessen“, sagte er dem Nachrichtenprogramm „Niewsuur“. Ein Team der Boskalis gehörenden Tochtergesellschaft Smit untersuche vor Ort die Lage, sagte Sprecher Martijn Schuttevaer der Nachrichtenagentur AP. Einen Zeitplan, das Schiff flott zu bekommen, nannte er nicht.

Der Eigentümer des im Suezkanal havarierten Riesenfrachters bat um Verzeihung für die Blockade der Schifffahrt. „Es tut uns sehr leid, dass wir den Schiffen, die im Suezkanal fahren oder planen, dort zu fahren, enorme Sorgen bereiten“, erklärte das japanische Unternehmen Shoei Kisen am Donnerstag. Man versuche gemeinsam mit den ägyptischen Behörden, das Schiff so schnell wie möglich wieder flott zu bekommen, doch das sei extrem schwierig.

Die knapp 400 Meter lange und 59 Meter breite „Ever Given“ war am Dienstag etwa sechs Kilometer nördlich von Suez auf Grund gelaufen. Sie steckt zwischen beiden Ufern des Kanals fest und blockiert damit den gesamten Kanal, der für den Seehandel zwischen Europa und Asien äußerst wichtig ist. Experten zufolge ist so etwas in der 150-jährigen Geschichte des Kanals noch nie passiert.

(dpa)