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Kölner Domkapitel: Ackermann, Overbeck und Heße gelten als Bischofskandidaten

Kölner Domkapitel : Ackermann, Overbeck und Heße gelten als Bischofskandidaten

Knapp vier Monate sind vergangen, seitdem Papst Franziskus das Rücktrittsgesuch von Joachim Kardinal Meisner angenommen hat und das Kölner Erzbistum ohne Bischof dasteht. Zwei Monate sind es her, seit das Kölner Domkapitel drei Kandidaten aufgestellt hat, von denen die Bischofswähler glauben, dass diese geeignet wären, die Erzdiözese Köln zu führen.

Jetzt sind erstmals drei Namen durchgesickert, die auf dieser Liste stehen könnten: der Trierer Bischof Stephan Ackermann, sein Essener Amtskollege Franz-Josef Overbeck sowie der Kölner Diözesanadministrator Stefan Heße, wie der "Kölner Stadt-Anzeiger" berichtete.

Ackermann und Overbeck galten bisher schon als Mitfavoriten, Heße, der das Kölner Erzbistum derzeit kommissarisch leitet, ist eher eine Überraschung. Ob diese Namen tatsächlich auf der Liste stehen, dazu wollte sich der Vorsitzende des Domkapitels, Dompropst Norbert Feldhoff, nicht äußern. "Ich habe den Eindruck, dass manche Medien mehr wissen, als die Betroffenen selber", sagte Feldhoff der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Das 15-köpfige Domkapitel hat sich eigentlich strengster Geheimhaltung verpflichtet.

Neben dem Domkapitel können auch weitere kirchliche Würdenträger dem Papst Vorschläge machen, wen sie für geeignet halten, Erzbischof von Köln zu werden. Und zwar die sogenannten preußischen Bischöfe, also jene aus Trier, Aachen, Essen, Münster, Paderborn, Osnabrück, Hamburg, Hildesheim, Erfurt, Magdeburg, Berlin, Görlitz, Dresden-Meißen, Fulda und Limburg, wie Feldhoff Anfang des Jahres in einem Interview unserer Zeitung sagte.

All diese Vorschläge gehen an den päpstlichen Nuntius, also den vatikanischen Botschafter in Berlin, der daraufhin zu jedem Kandidaten "eine Reihe von Personen" befragt, wie Feldhoff sagte. Der Nuntius bewerte diese Antworten und schicke die gesamte Kandidatenliste mit seiner Gewichtung nach Rom, wo diese von der Bischofskongregation beraten werde. Nach Darstellung Feldhoffs schlägt dieses Gremium dem Papst Namen vor, die er nach Köln schickt, damit das Domkapitel darüber abstimmt.

An dieser Stelle könnte dann auch Meisner - genauer gesagt: dessen Einfluss - wieder ins Spiel kommen. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete jüngst darüber, dass der zurückgetretene Kölner Erzbischof bei der Papstwahl 2013 Sympathien für den Präfekten, also den Vorsitzenden der Bischofskongregation, den kanadischen Kardinal Marc Ouellet, habe erkennen lassen. In das Gremium zog zudem jüngst der Münsteraner Bischof Felix Genn ein, der wiederum als Vertrauter Meisners gilt.

Derweil hofft Feldhoff darauf, dass der Papst die Vorschläge des Kölner Domkapitels nicht nur in seine Überlegungen einbezieht, sondern er diese Liste wieder zurückschickt. "Wenn wir Franziskus richtig verstanden haben, liegt ihm viel an einer Stärkung der Ortskirchen, dann nimmt er solche Vorschläge auch ernst", meinte Feldhoff in dem Interview Anfang des Jahres.

Dennoch: Die Wahl des Freiburger Domkapitulars Stephan Burger vor drei Wochen zum neuen Erzbischof in der Diözese Freiburg könnte gezeigt haben, dass Bischofsernennungen in Deutschland nach altem Stil vollzogen werden, dass also weiterhin wichtige Mitarbeiter des Papstes im Vatikan, die Nuntiatur in Berlin und einflussreiche Bischöfe in Deutschland darüber entscheiden, wer hierzulande Diözesen führt, wie es in der FAZ hieß.

Denn von der Liste des Freiburger Domkapitels war offenbar keiner mehr übrig geblieben, als die Dreier-Liste aus Rom zurückkam. Darauf sollen neben Burger die beiden Kölner Weihbischöfe Dominikus Schwaderlapp und Ansgar Puff gestanden haben oder auch ein Priester aus dem Bistum Rottenburg-Stuttgart.

Wenn die für Köln zusammengestellte Dreier-Liste aus Rom beim Dompropst ankommt, dann, so Feldhoff, werde es mit der Bischofswahl schnell gehen. Doch bis es soweit ist, könne es durchaus Herbst werden.

Drei Männer - eine Liste

  • Der Trierer Bischof Stephan Ackermann gilt seit vielen Monaten als einer der aussichtsreichsten Kandidaten für die Nachfolge von Joachim Kardinal Meisner. Der 51-Jährige ist im Vergleich zu anderen Oberhirten in Deutschland vergleichsweise liberal eingestellt. Einen Namen gemacht hat er sich auch als Missbrauchsbeauftragter der Bischofskonferenz. Dass er die Zusammenarbeit mit dem Kriminologen Christian Pfeiffer aufgekündigt hat und inzwischen einen neuen Weg beschritten hat, wird ihm jedenfalls nicht negativ ausgelegt. Bei der ökumenisch ausgerichteten Heilig-Rock-Wallfahrt im vorigen Jahr hat er viel Renommee gewonnen. Ackermann ist in Mayen geboren, in Nickenich bei Andernach aufgewachsen, kommt also noch aus dem Rheinland, und war in Bad Breisig am Rhein als Kaplan tätig.
  • Auf der Liste soll auch der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck stehen, der aus Marl im Ruhrgebiet stammt. Der 50-jährige Militärbischof gilt als einer der Motoren des Dialogprozesses in der katholischen Kirche in Deutschland. Overbeck gilt als überzeugter Befürworter der neuen Linie von Papst Franziskus - wobei nach wie vor unklar ist, wie entschlossen dieser die Kirche tatsächlich reformieren will. Nicht alle sehen in Overbeck den Vertreter eines liberalen Kurses, manche beschreiben ihn auch als "jungen Konservativen".
  • Stefan Heße war in Köln Generalvikar, also Verwaltungsleiter des Erzbistums, ist derzeit Diözesanadministrator und selbst Mitglied des Domkapitels. Der 47-jährige Kölner hat im Erzbistum unter Meisner Karriere gemacht. Da er bisher noch kein anderes Bistum geleitet hat und auch kein Bischof ist, wäre seine Aufstellung nach Einschätzung des "Kölner Stadt-Anzeigers" eher eine "Zählkandidatur". Gleichwohl hat sich Heße als Übergangsverwalter mit starken Worten gemeldet. Der neue Erzbischof sollte die Gremienstruktur überdenken, sagte er jüngst in einem Interview einer erzbischöflichen Zeitung. Er verwies auf sieben Gremien, bei denen es "eine hohe Überschneidung zwischen den Mitgliedern gibt". Nach den Worten Heßes gibt es in Köln einen Erzbischöflichen Rat, einen Geistlichen Rat, einen Priesterrat, einen Diözesanrat, einen Diözesan-Pastoralrat sowie eine Frauen- und eine Liturgiekommission. Ziel müsse es sein, die Gremien zu verschlanken, um nicht mehr so viel Zeit für Sitzungen aufzuwenden.