Klima-Gipfel in New York Aktivistin Greta Thunberg hält emotionale Wutrede

Aktivistin Greta Thunberg wirft den Staats- und Regierungschefs beim Klima-Gipfel in New York in einer emotionalen Wutrede mangelnde Handlungsbereitschaft vor. Trump nimmt überraschend am Treffen teil - wenn auch nur kurz.

 Treffen am Rande des UN-Klimagipfels in New York: Bundeskanzlerin Angela Merkel mit der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg.

Treffen am Rande des UN-Klimagipfels in New York: Bundeskanzlerin Angela Merkel mit der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg.

Foto: dpa/Twitter @RegSprecher

Im Grunde, sagt Greta Thunberg, sei völlig falsch, was sie hier tue. Eigentlich müsste sie am anderen Ufer des Ozeans in der Schule sitzen statt hier oben auf dieser Bühne. Nun aber kämen alle zu ihr, damit sie ihnen Hoffnung einflöße. "Wie könnt Ihr es wagen! Mit Euren leeren Worten habt Ihr meine Träume und meine Kindheit gestohlen", beschwert sie sich über die Politiker dieser Welt.

Und doch, sagt die 16-jährige Schülerin aus Schweden mit zittriger Stimme, wie man sie sonst von ihr nicht kennt, gehöre sie noch zu den Glücklichen. Anderswo brächen ganze Ökosysteme zusammen. "Wir stehen am Beginn einer massenhaften Auslöschung. Und alles, wovon Ihr reden könnt, ist Euer Geld, sind Eure Märchen vom ewigen Wirtschaftswachstum. Wie könnt Ihr es wagen!" Die Augen künftiger Generationen würden auf diese Leute mit ihrem "Business as usual" gerichtet sein, sagt Thunberg. "Wenn Ihr uns im Stich lasst, werden wir Euch nie verzeihen."

Guterres: Noch ist das Rennen zu gewinnen

António Guterres, der UN-Generalsekretär, hat zum Auftakt des eintägigen Klimagipfels einen "Jugenddialog" auf die Tagesordnung gesetzt. Seine Generation, räumt er ein, habe versagt. Sie sei ihrer Verantwortung, den Planeten zu schützen, nicht gerecht geworden. Und noch immer gebe es einige, die das Offensichtliche nicht wahrhaben wollten: "Wir stecken im Klimaloch, und um aus dem Loch herauszukommen, müssen wir aufhören zu graben." Doch wenn man jetzt die Laufschuhe anziehe, könne man das Rennen noch immer gewinnen, versucht es Guterres mit einer Metapher.

Thunberg setzt der Poesie des Portugiesen knallharte Prosa entgegen. Ihre Gesichtszüge verraten Empörung, ja fast so etwas wie Wut, während sie spricht. Es sei ja nun populär, daran zu glauben, dass es reiche, den Ausstoß von Treibhausgasen innerhalb von zehn Jahren zu halbieren. Das aber bedeute nur eine 50-prozentige Chance, die Erwärmung der Erde bei unter 1,5 Grad Celsius zu halten. "Fünfzig Prozent sind vielleicht für Sie akzeptabel. Aber fünfzig Prozent Risiko sind nicht akzeptabel für uns, die wir mit den Konsequenzen zu leben haben."

Kein Zweifel, es ist der Gipfel der Greta Thunberg, die wie ein Rockstar im Rampenlicht steht. Kurz kreuzen sich Thunbergs Wege mit denen von Donald Trump, der mal wieder für eine Überraschung gut war. Eigentlich wollte er der Klimakonferenz fernbleiben. Doch kurz bevor der indische Premierminister Narendra Modi ans Pult tritt, setzt sich auch Trump in den Saal der Generalversammlung. Wenn auch nur kurz. Gemeinsam mit Modi hat er sich tags zuvor in Houston von mehreren Zehntausend Menschen feiern lassen, die meisten Amerikaner indischer Herkunft. Dass er sich nun doch auf dem Klimakongress sehen lässt, ist wohl als Geste gegenüber Modi zu verstehen. Nach dem Inder spricht Merkel, und als sie fertig ist, ist auch Trump weg.

Die deutsche Kanzlerin spricht von dem Ziel, bis 2050 klimaneutral zu sein, bis 2022 aus der Kernenergie auszusteigen und spätestens bis 2038 aus der "Kohlekraftwerkswirtschaft". Deutschland, sagt sie, stelle ein Prozent der Weltbevölkerung, verursache aber zwei Prozent der weltweiten Emissionen. "Wenn alle so handeln würden wie Deutschland, würden sich die Emissionen weltweit verdoppeln. Jeder weiß, was das bedeutet." Deshalb wolle man bis 2030 gegenüber dem Stand von 1990 55 Prozent der nationalen CO2-Emissionen einzusparen.

Irgendwann darf Michael Bloomberg ein paar Worte sagen, der einmal Bürgermeister New Yorks war und sich heute als UN-Sondergesandter für dem Klimaschutz engagiert. Er danke Präsident Trump dafür, dass er gekommen sei, sagt Bloomberg mit ausgesuchter Höflichkeit. Und dann: "Hoffentlich sind unsere Diskussionen hier nützlich für Sie, wenn Sie Ihre Klimapolitik formulieren."