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Deutsche Verteidigung am Hindukusch: Annegret Kramp-Karrenbauer besucht deutsche Soldaten in Afghanistan

Deutsche Verteidigung am Hindukusch : Annegret Kramp-Karrenbauer besucht deutsche Soldaten in Afghanistan

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer wirbt bei ihrem Antrittsbesuch in Afghanistan intensiv für eine Fortsetzung der internationalen Mission. Dafür beschwört sie auch die transatlantische Partnerschaft.

Die Sonne dringt mit ihren kräftigen Strahlen nur mühsam durch den Dunst, der über den Marmal-Bergen liegt. In der Morgenluft drehen sich dröhnend die Rotoren-Blätter eines Kampfhubschraubers, der dann schnell und steil abhebt. Die afghanische Armee ist seit 18 Jahren im Krieg mit den militant islamistischen Taliban.

Auf dem Flugfeld neben dem Camp Marmal wirkt es an diesem sonnigen Morgen dennoch eigentümlich friedlich. Die schwer bewaffneten Männer in Fleck-Uniformen aber sind die sichtbare Mahnung, dass die Mission „Resolute Support“ gefährlich ist. 16.000 Soldaten aus 38 Nationen sollen die afghanische Armee so lange unterstützen, bis sie alleine die Gefahr, die von den Taliban ausgeht, beherrschen. Bis heute waren die internationalen Einsätze, die als Reaktion auf den Terror-Anschlag vom 11. September 2001 starteten, sehr verlustreich. Allein die internationalen Truppen haben 3560 Soldaten verloren, darunter 59 Deutsche.

Selbstverständlich gibt es Fortschritte: Der afghanische Kampfpilot Tawfikq Safi, der in den USA ausgebildet wurde, klettert aus seiner A29, mit der er zuvor einen Routineflug absolviert hat. Er lobt die Maschine als „effektives Kampfgerät“ gegen die Taliban. Doch so gut organisiert, gesichert und bewacht der Flugplatz wirkt, sind die Afghanen noch nicht so weit, dass sie ohne internationale Unterstützung für ihre eigene Sicherheit garantieren können. Die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Taliban und Militärs haben in diesem Jahr sogar wieder zugenommen.

Weitgehende Sicherheit gibt es nur in den Militärcamps. Insbesondere auf dem Land und entlang der Autobahnen von einer Stadt zur nächsten verbreiten die Taliban nach wie vor Angst und Schrecken. In der Bevölkerung ist die Verunsicherung groß. Der 25-jährige Walli, der aus Sicherheitsgründen seinen vollen Namen nicht nennen möchte, arbeitet als Übersetzer im Camp. Von seinen sieben Brüdern und fünf Schwestern wissen längst nicht alle, womit er sein Geld verdient. Sollte die Mission beendet werden, bevor Stabilität herrscht in Afghanistan, droht der freien Welt erneut der Export des Terrors aus Afghanistan und im Landesinneren Leuten wie Walli die Rache der Taliban.

Trump soll Gespräche mit den Taliban in Afghanistan wieder aufgenommen haben

Zurzeit stehen die Zeichen auf Unsicherheit. US-Präsident Donald Trump würde seine Truppen gerne abziehen und ließ seit Anfang des Jahres mit den Taliban verhandeln. Die aber weigerten sich, auch die afghanische Führung mit an den Tisch zu lassen, worauf die Amerikaner die Gespräche im September abbrachen und sie angeblich nun aber wieder aufgenommen haben - erneut ohne offiziell die rechtmäßigen Machthaber einzubeziehen.

Der amerikanische Oberbefehlshaber der Nato in Afghanistan, General Austin Scott Miller, vermied nach einem Gespräch mit Kramp-Karrenbauer in Kabul eine Festlegung, ob und wie lange die Amerikaner noch am Hindukusch bleiben werden. Die deutsche Verteidigungsministerin ihrerseits machte erneut deutlich, dass sie eine Fortsetzung der Mission für notwendig hält und betonte die Bedeutung der „transatlantischen Partnerschaft“, um „gegen das Krebsgeschwür des internationalen Terrorismus“ zu kämpfen. Der Begriff der transatlantischen Partnerschaft ist seit der Präsidentschaft Trumps ein bisschen aus der Mode gekommen. Man spricht nun eher von Beziehungen. Kramp-Karrenbauer wird diesen Begriff aus besseren Zeiten vor allem auch beschworen haben, weil die deutschen Truppen nur in Afghanistan stationiert bleiben können, wenn auch die Amerikaner weiter vor Ort sind. Das viel zitierte Prinzip „Gemeinsam rein, gemeinsam raus“ ist vor allem der Sicherheit geschuldet, die die internationalen Truppen nur im Verbund mit der US-Armee garantieren können.

Ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer verweist beim Antrittsbesuch in Afghanistan auf Erfolge der Missionen

In ihrem eng gestrickten Programm traf Kramp-Karrenbauer im Anschluss Präsident Aschraf Ghani. Sie forderte, die afghanische Politik in Gespräche über Frieden mit den Taliban einzubinden. „Wir sind der Auffassung, dass ein Friedensgespräch und ein Friedensschluss auf jeden Fall die afghanische Politik, die afghanischen Verantwortlichen miteinbeziehen muss.“ Kramp-Karrenbauer, die bereits am Montag zu ihrem Antrittsbesuch bei den deutschen Soldaten in Afghanistan eingetroffen war, verwies auf die Erfolge der bisherigen Missionen.

Weiter verkompliziert wird die Lage am Hindukusch dadurch, dass wegen technischer Probleme und Manipulationsvorwürfen immer noch keine Ergebnisse der Präsidentenwahl von Ende September vorliegen. Kramp-Karrenbauer bekundete ihre Hoffnung, dass die Präsidentenwahl „zügig zu einem von allen nachvollziehbaren und akzeptierten Ergebnis“ führen werde. Sollte es nicht gelingen, bald ein akzeptiertes Wahlergebnis zu erzielen, wird der afghanische Präsident auch nicht die Autorität besitzen, mit den Taliban zu einem Waffenstillstand zu kommen. Auch dieser Konflikt kann den bisherigen Demokratie-Aufbau in Afghanistan gefährden.