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Corona-Impfstoff: EU sichert sich 1,5 Milliarden Impfdosen

Für alle 27 Mitgliedstaaten : EU sichert sich 1,5 Milliarden Dosen an Corona-Impfstoffen

Die EU-Kommission hat 1,5 Milliarden Dosen verschiedener Impfstoffe gegen das Coronavirus bestellt. Diese sollen vermutlich ab Anfang 2021 an sämtliche 27 Mitgliedstaaten verteilt werden.

Die EU-Kommission ist auf Shopping-Tour: In den vergangenen Wochen hat die Behörde im Namen aller 27 Mitgliedstaaten bei verschiedenen Pharma-Herstellern weit über 1,5 Milliarden Dosen verschiedener Impfstoffe bestellt, die vermutlich ab Anfang 2021 die weitere Ausbreitung stoppen sollen. „Unsere Verhandlungen zur Sicherung eines breiten Portfolios von Impfstoffen für unsere Bürgerinnen und Bürger und für die Welt werden unvermindert fortgesetzt“, betonte Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides vor wenigen Tagen.

Zuvor hatten die Regierungen der EU-Behörde den Auftrag gegeben, für alle Unionsmitglieder mit den weltweit führenden Pharmafirmen zu verhandeln – auch die zunächst von Deutschland, Frankreich, Italien und den Niederlanden gegründete Impfallianz macht mit. Zentraler Auftrag: Genügend Impf-Dosen verbindlich ordern, damit nach einer erfolgreichen Erprobungsphase und erteilter Zulassung der Einsatz beginnt. „Nur so können wir nicht nur einen größtmöglichen Zugang zu Impfstoffen garantieren, sondern auch eine gerechte Verteilung“, erklärte der Gesundheitsexperte der sozialdemokratischen Europafraktion, Tiemo Wölken, dem GA.

Bisher wurden Abmachungen für Rahmenverträge mit dem belgischen Unternehmen Janssen Pharmaceutica NV für den Ankauf von 200 Millionen Dosen abgeschlossen sowie ein Vorkaufsrecht für weitere 200 Millionen gesichert. 300 Millionen Dosen hat sich die Gemeinschaft bei einem Joint Venture des französischen Hauses Sanofi und des britischen Glaxo Smith-Konzerns gesichert. Vor wenigen Tagen kam ein Abkommen mit dem britischen Unternehmen AstraZeneca zustande. Umfang: 300 Millionen Dosen sowie eine Option für weitere 100 Millionen. Deren Forschung ist besonders weit vorangeschritten: Laut Brüsseler Kommission befindet sich das Serum von AstraZeneca in der klinischen Prüfung II und III, nachdem in vorigen Phasen vielversprechende Ergebnisse erzielt wurden.

Am Donnerstag kam noch ein Großeinkauf dazu: Beim deutschen Konzern CureVac erwarb man ein Vorkaufsrecht über 225 Millionen Dosen sowie eine Option auf 180 Millionen. In Brüssel ist man überzeugt, dass die Diversifizierung der Impfstoffbeschaffung sinnvoll ist und Anfang 2021 geprüfte und zugelassene Präparate zur Verfügung stehen. Voraussetzung für einen Vorvertrag sind laut Kommission Produktionskapazitäten in Europa.

Verteilungssystem auf die Länder erfolgt über vorgegebenen Schlüssel

Die Verteilung erfolgt zunächst über einen Schlüssel, bei dem die Größe der Bevölkerung ausschlaggebend ist. „Wir besprechen den jeweiligen Bedarf mit den Mitgliedstaaten und identifizieren auf dieser Basis ein Beschaffungsziel“, heißt es aus der EU-Kommission. Absehbar scheint, dass zunächst das medizinische Personal geimpft werden soll sowie weitere Personen, die in häufigem Kontakt mit anderen Menschen stehen. Eine bestimmte Anzahl von Dosen werde an andere Länder weitergegeben, die aufgrund knapper Mittel keine Einkäufe für ihre Bevölkerung tätigen können.

„Diese Strategie“, so Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, „wird es uns ermöglichen, Europäer sowie unsere Partner anderswo in der Welt mit künftigen Vakzinen zu versorgen.“ Wölken sagte, es gelte „nicht das Recht des Stärkeren, sondern das Gebot der Solidarität“. Die Mitgliedstaaten zahlen selbst für die übernommenen Impfdosen. Aus ihrem Sonderfonds ESI (Emergency Support Instrument), der mit 2,7 Milliarden Euro ausgestattet ist, bestreitet die Kommission nur laufende Kosten.