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Viktor Orban zu Gast in Bonn: Der "personifizierte Beelzebub" wirbt um Verständnis

Viktor Orban zu Gast in Bonn : Der "personifizierte Beelzebub" wirbt um Verständnis

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban war am Dienstag als Redner Gast im Internationalen Club La Redoute in Bad Godesberg. "Wir haben uns an den Schengen-Vertrag gehalten", sagt Orban.

Viktor Orban kennt sein Image in Deutschland genau. Er bedanke sich dafür, sprach der ungarische Ministerpräsident die 250 Mitglieder des Internationalen Clubs La Redoute am Dienstagabend direkt an, dass sie ihm, dem "personifizierten Beelzebub" überhaupt zuhören wollten. Wenn man deutsche Zeitungen lese, könne man ja zuweilen den Eindruck haben, "ich hätte Hufen und Hörner und würde Einwandererkinder zum Frühstück verspeisen", so Orban.

Bei seinem Vortrag warb er immer wieder um Verständnis für seine Sicht der Dinge. Beispiel Russland: Der Westen werfe Wladimir Putin vor, dass er keine Demokratie nach westlichem Vorbild betreibe. Doch die Denkweise der Russen sei eine andere. "Nicht die Freiheit ist das Wichtigste, sondern wie man das Riesenreich zusammenhalten kann." Wenn das demokratisch nicht möglich sei, dann müsse das militärisch erfolgen.

Beispiel Europa: Warum finde die EU "keine richtige Antwort" auf die wirtschaftlichen Probleme in Griechenland, warum stagniere der Euro, warum gehe es der Wirtschaft nicht besser? Orbans Antwort: Die EU setze zu sehr auf die Institutionen wie Parlament, Rat oder Kommission. Das reicht aus seiner Sicht aber nicht. Es sei zwar eine gemeinsame Währung entwickelt worden, aber keine gemeinsame Steuerpolitik, es sei ein Binnenmarkt entstanden, aber die Arbeitsrichtlinien seien nicht harmonisiert worden. "Wo sind die politischen Anführer in Europa, die hier die nötigen Entscheidungen treffen?", fragte Orban.

Beispiel Flüchtlinge: Sein Land sei das einzige gewesen, dass sich an den Schengen-Vertrag gehalten habe. "Wenn das alle Länder getan hätten, hätten wir jetzt nicht 1,5 bis zwei Millionen Illegale in Europa, sondern nur Tausende politische Flüchtlinge, die sich rechtmäßig hier aufhalten", meinte er. Eigentlich hätte sein Land Anerkennung dafür verdient, stattdessen nur Kritik. Kein Wort über die große Not der zu Hunderttausenden geflüchteten Menschen aus den syrischen Bürgerkriegsgebieten.

Dafür sprach er ausführlich darüber, dass Ungarn seine Demografieprobleme und den Fachkräftemangel nicht durch Zuwanderung, sondern durch Familienpolitik lösen wolle. So bräuchten Familien mit drei Kindern keine Einkommensteuer zu zahlen und Frauen, die nach der Geburt der Kinder drei Jahre zu Hause blieben, erhielten in dieser Zeit 75 Prozent ihres Gehaltes vom Staat.

Dass die EU mit der Türkei ein Abkommen über die Rückführung der Flüchtlinge vereinbart habe, dass man bald auch mit Libyen verhandeln wolle, sieht Orban positiv. Doch ihm fehlt der Glaube, dass all das die Flüchtlinge aufhält, wenn in der EU nicht Personen mit Gewicht dahinter stehen. "Wo sind unsere starken Anführer, die Garantien geben, dass die Vereinbarungen auch eingehalten werden?" Wer Orban hörte, konnte den Eindruck gewinnen, er wünschte sich Helmut Kohl zurück im Kreis der europäischen Anführer.