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Kommentar zum Marsch der Jugend in den USA: Erwachen

Kommentar zum Marsch der Jugend in den USA : Erwachen

In ganz Amerika gehen am Samstag Hunderttausende gegen Waffengewalt auf die Straße. Die Proteste gegen die Waffenlobby ist fast ein politisches Frühlingserwachen.

Amerika ist so viel mehr - und besser - als das tägliche Schauderprogramm im Weißen Haus. Dass Millionen im ganzen Land dem Aufruf der Überlebenden des Schulmassakers von Parkland folgten und die gängigen Rituale nach Waffenexzessen durchbrachen, ist fast ein politisches Frühlingserwachen. Wer für Gesetze wirbt, die ein Menschenleben über ein missbrauchtes Bürgerrecht stellen, ist ab sofort kein Exot mehr.

Das bringt die politische Klasse unter Druck. Mit Kosmetik (Verbot des "Frisierens" von Sturmgewehren) und fragwürdigen Praktiken (Pauker mit Pistolen) wird sich die "Generation Parkland" nicht abspeisen lassen. Sie will die Machtprobe mit der "National Rifle Association" (NRA). Wer zum Nutzen der Waffenindustrie das Volk mit überkommener Verfassungsfolklore aufwiegelt, kommt unter Beschuss. Kongressabgeordnete (und solche, die es werden wollen) müssen mit Stigmatisierung rechnen, wenn sie sich von der NRA am Gängelband führen lassen und Reformen im Weg stehen.

Eine Generation von Erstwählern tut sich den Zynismus und Fatalismus der Älteren nicht mehr an, die sich mit dem täglichen Sterben achselzuckend abgefunden haben. Noch kann man nicht vorhersagen, was die Schülerproteste bewirken werden. Es war der Startschuss zu einem Marathon. Das Momentum zu bewahren, wird schwer. Die NRA ist reich und ihr Zermürbungswille berüchtigt. Aber die Vergangenheit macht Mut. Nach Vietnam und schwarzer Bürgerrechtsbewegung ist es wieder höchste Zeit geworden, dass in Amerika die Jugend den Erwachsenen den Weg weist.