Kommentar zu den Interrailtickets Europa erleben

Meinung | Brüssel · Der Vorschlag, jedem 18-Jährigen eine Zugreise durch Europa zu ermöglichen, ist gut und hat es verdient, tatsächlich umgesetzt zu werden, meint GA-Korrespondent Detlef Drewes.

Die Idee ist zu gut, um sie gleich wieder niederzumachen. Ein Interrailticket für jeden (oder wenigstens die Mehrzahl) der 18-Jährigen, damit sie Europa kennenlernen und Kontakte knüpfen – das ist mehr als nur ein kleiner Diskussionsbeitrag. Dies ist ein Vorschlag, der es verdient hat, ihn auch tatsächlich zu wagen.

Natürlich haben die Kritiker und die Nörgler recht, dass auch ein solches Geschenk nicht jeden erreichen wird. Eine 30-tägige Europa-Tournee mit dem Rucksack kostet die jungen Leute auch über das Bahnticket hinaus Geld. Das können sich nicht alle leisten. Aber das Anliegen stimmt und geht in die richtige Richtung: Zeigt den jungen Europäern die Gemeinschaft, in der sie leben, deren Möglichkeiten und Vielfalt. Denn nur so kann man Begeisterung für das Zusammenleben in dieser Union erreichen.

Diejenigen, die mit Hilfe des Erasmus-Austauschprogramms für Azubis und Studenten, für Schüler und Lehrer in dieser EU unterwegs waren, belegen den Erfolg: Wer Europa kennt, weiß, wie wichtig diese Gemeinschaft für jeden einzelnen Mitgliedstaat ist. Eigentlich sollte Manfred Weber, der Chef der christdemokratischen Parlamentsfraktion, seine Idee noch erweitern: Klassenfahrten nach Straßburg oder Brüssel sollten selbstverständlich sein. Europapolitik gehört in jeden Lehrplan, Das Erasmus-Programm muss ausgebaut und vertieft werden, damit Schüler, Azubis und Studenten etwas davon haben. Es gibt zu viele, die über Europa reden, von dieser Union aber kaum mehr als Mallorcas Strände gesehen haben. Und auch die nur benebelt.

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