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Kommentar zum Drohnen-Zwischenfall: Festtag für Hardliner

Kommentar zum Drohnen-Zwischenfall : Festtag für Hardliner

Erstmals seit 1982 ist ein Kampfjet der mächtigen israelischen Luftwaffe abgeschossen worden. Die israelische Darstellung ist nicht überprüfbar, aber das Dementi der von Teheran gesteuerten Milizen in Syrien ist dünn. Ein Kommentar von GA-Redakteur Raimund Neuß.

So funktioniert die Logik der Eskalation: Eine nach israelischen Angaben iranische Drohne dringt von Syrien her in den israelischen Luftraum ein, es erfolgt ein harter Gegenschlag, Syrien schießt eines der beteiligten israelischen Flugzeuge ab, Israel führt weitere Vergeltungsschläge.

Die israelische Darstellung ist nicht überprüfbar, aber das Dementi der von Teheran gesteuerten Milizen in Syrien ist dünn. Ihre angeblich gegen den IS gerichtete Drohne müsste sich doch arg verflogen haben. Es dürfte eine gezielte Provokation gewesen sein, um Israels Reaktion auszutesten. Das Ergebnis ist eine militärische Konfrontation zwischen Israel und Syrien in einem Ausmaß, das es seit Beginn des syrischen Bürgerkrieges 2011 nicht gegeben hatte. Israel hat zwar gelegentlich Angriffe geflogen, um Waffenlieferungen an die proiranische Hisbollah-Miliz zu unterbinden, aber darauf geachtet, nicht in den Syrien-Krieg hineingezogen zu werden. Man kann nur hoffen, dass hinter aller israelischer und US-amerikanischer Rhetorik noch genug Rationalität waltet, um bei diesem Kurs zu bleiben.

Feiern können jetzt Hardliner im iranischen Regime, deren Ziel es ist, den Konflikt mit Israel anzuheizen. Der Drohnenflug passt in ihr Kalkül. Die Politik von US-Präsident Donald Trump, der die Mullahs in die Enge treiben will und Entspannungsbemühungen im Zuge des Atomabkommens nicht honoriert, hat ihnen in die Hände gespielt – auch innenpolitisch. Nun haben sie einen Vorwand mehr fürs Niederknüppeln jener Reformer, die ein Ende der iranischen Dauerzündelei am Ostufer des Mittelmeers fordern.