Kommentar zum Fall Julian Assange Freilassung überfällig

Meinung | London · Seit Jahren schein es keine Bewegung im Fall des Wikileaksgründers zu geben. Doch das könnte sich bald ändern. Kommt es zur Freilassung?

 Der Künstler Kaya Mar hält sein Gemälde von Julian Assange hoch, während Demonstranten vor dem Royal Courts of Justice in London Ende Februar Transparente halten.

Der Künstler Kaya Mar hält sein Gemälde von Julian Assange hoch, während Demonstranten vor dem Royal Courts of Justice in London Ende Februar Transparente halten.

Foto: dpa/Kirsty Wigglesworth

Seit Jahren fordern die USA die Auslieferung des Wikileaks-Gründers Julian Assange und seine Anhänger seine Freilassung. Und seit Jahren scheint sich in dem Fall kaum etwas zu bewegen. Doch das könnte sich bald ändern. Falls Assange freikommt, ist dafür wahrscheinlich nicht die britische Justiz, sondern der internationale Druck verantwortlich. Schließlich fordern immer mehr Staaten, dass Amerika seine Vorwürfe gegen Assange fallen lässt – und das völlig zu Recht.

Denn die Freilassung des 52-Jährigen scheint überfällig, erst recht, nachdem er mehr als fünf Jahre in einem englischen Hochsicherheitsgefängnis verbracht hat. Sicher, Assange hat es sich über die Jahre mit vielen Verbündeten verscherzt. Aber es spielt hier keine Rolle, warum er die Enthüllungsplattform gegründet hat und ob er Ex-US-Präsident Donald Trump einst zum Wahlsieg verhalf. Wer Kriegsverbrechen aufdeckt und damit im Interesse der Öffentlichkeit handelt, darf nicht mit lebenslanger Haft bedroht werden. Denn das gefährdet die Pressefreiheit und damit die vierte Gewalt, die dafür sorgt, dass den Machthabern weltweit auf die Finger geschaut wird. Whistleblower, aber auch Journalisten und Verleger müssen sich darauf verlassen können, dass ihnen keine juristischen Konsequenzen drohen, wenn sie Verbrechen aufdecken. Würde Assange in die USA ausgeflogen, müssten Journalisten weltweit jederzeit fürchten, dass ein Staat sie wegen investigativer Recherchen auch im europäischen Rechtsraum anklagen und ausliefern könnte.

Die Vereinigten Staaten haben durch das harte Vorgehen gegen Assange deutlich gemacht, dass sie keine Einmischung dulden. Dieser hat für seine Veröffentlichungen längst teuer bezahlt. Es ist an der Zeit, ihn freizulassen.

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