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Kommentar zu Macrons Arbeitsmarktreform: Gesellenstück

Kommentar zu Macrons Arbeitsmarktreform : Gesellenstück

Die Arbeitsmarktreform ist Macrons Gesellenstück. Sie stand im Zentrum von Macrons Wahlkampagne, auf ihrer Basis wurde er gewählt. Er hat die Chance verdient, die die Franzosen ihm mit ihrem Votum gegeben haben, kommentiert GA-Korrespondentin Birgit Holzer.

Unter der zunehmenden Zahl der Kritiker von Emmanuel Macron sind viele, die vor allem ein Zug an Frankreichs jungem Präsidenten stört: seine überbordende Selbstsicherheit, gepaart mit enormen Ambitionen. Doch ohne diesen Ehrgeiz wäre ihm sein rasanter Aufstieg an die Spitze des Landes wohl nicht gelungen.

Und mit demselben Schwung versucht er, es nun zu modernisieren und zunächst dort anzusetzen, wo er die größte Schwachstelle ausgemacht hat: am Arbeitsmarkt mit seinen Regeln, die Beschäftigte mit fester Anstellung zwar schützen. Aber all jene, die keinen oder nur einen befristeten Job haben, außen vor lässt, weil Unternehmen in unsicheren Zeiten mit der Vergabe dauerhafter Verträge zögern. Ihnen fehlt es an Flexibilität, um Investoren anzuziehen und die hohe Arbeitslosigkeit zu senken – ohne dass dies zu einem massenhaften Anstieg prekärer Anstellungsverhältnisse und dem Ausverkauf sozialer Rechte führen darf.

Zum Teil haben die Arbeitervertreter Widerstand angekündigt. Es ist möglich, dass es zu einer Gegenbewegung und einem „heißen Herbst“ kommt. Davon wird abhängen, ob die Stimmung im Land gegen Macron kippt – das Risiko besteht. Er selbst hat die ersten Monate als die wichtigsten seiner Amtszeit bezeichnet: Hier legt er den Grundstein für ihr Gelingen.

Die Arbeitsmarktreform ist deshalb sein Gesellenstück. Sie stand im Zentrum von Macrons Wahlkampagne, auf ihrer Basis wurde er gewählt. Er hat die Chance verdient, die die Franzosen ihm mit ihrem Votum gegeben haben.