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Mit mehreren Hundert Zuschauern: Immer mehr illegale Fußballspiele in Frankreich

Mit mehreren Hundert Zuschauern : Immer mehr illegale Fußballspiele in Frankreich

In Frankreich sind wegen der Corona-Pandemie größere Versammlungen verboten – dennoch finden inzwischen immer wieder illegale Fußballspiele mit mehreren Hundert Zuschauern statt.

Droht Straßburg bald zu einem neuen Corona-Hotspot in der Region werden? Nach einem illegal organisierten Fußballspiel machen entsprechende Befürchtungen die Runde. Auf Handy-Aufnahmen ist zu sehen, wie rund 400 jubelnde Zuschauer nach einem Tor den Platz stürmen und sich umarmen. Wegen der Corona-Krise sind Zusammenkünfte von mehr als zehn Personen verboten. „Eine Mannschaft aus Neuhof hat gegen eine Elf aus Hautpierre gespielt“, erklärte Serge Oehler, stellvertretender Bürgermeister der Stadt und zuständig für den Sport, gegenüber der Tageszeitung Dernières nouvelles d’Alsace (DNA). Man wisse nicht, ob es sich um offizielle Mannschaften handelte oder um bunt zusammengewürfelte Teams. Der Termin der Begegnung sei zuvor in den sozialen Netzwerken geteilt worden. Neuhof und Hautpierre zählen in Straßburg zu den sogenannten Brennpunkt-Vierteln.

Das Spiel fand am Sonntag im Stadion Paco-Matéo statt. „Irgendjemand hatte die Schlüssel“, resümierte Serge Oehler. Nach Aufforderung der Polizei habe sich die Menschenmenge schließlich aufgelöst. „Ich bin erschüttert von der Verantwortungslosigkeit,“ erklärte der stellvertretende Bürgermeister weiter. Er habe großes Verständnis dafür, dass die Menschen genug hätten von den Ausgangsbeschränkungen und ihre Freiheiten wiederhaben wollten. Aber es müsse auch klar sein, dass in diesen schwierigen Zeiten jeder die Verantwortung für die Gesundheit des anderen trage. Noch sei keiner der Organisatoren der Begegnung identifiziert, aber die Polizei arbeite daran, die entsprechenden Personen zu finden und auch zu bestrafen.

Das Elsass zählt in Frankreich zu den von der Corona-Krise am schwersten betroffenen Zonen. Die Verantwortlichen appellieren immer wieder an die Bevölkerung, sich an die Regeln zu halten, da sonst eine zweite Krankheitswelle und damit auch ein neuer Lockdown drohe.

Aber nicht nur in Straßburg, auch in anderen Städten Frankreichs fanden in diesen Tagen illegale Fußballspiele statt. So trafen sich zwei Mannschaften in der kleinen Stadt Grigny im Stade Jean Miaud, in der Nähe von Paris. Mit von der Partie: rund 300 Zuschauer, die ihre Eindrücke von der Begegnung fleißig in den sozialen Medien geteilt haben. In Amiens hat am Wochenende im Stade Soufflot offensichtlich sogar eine Art Turnier zwischen mehreren Mannschaften und mit vielen Zuschauern stattgefunden. Die Bürgermeisterin Brigitte Fouré hat inzwischen eine Untersuchung angekündigt. Zudem wurden von der Verantwortlichen in dem Stadion kurzerhand die Tore entfernt.

Frankreich zählt in Europa zu den Ländern, die am stärksten von dem Corona-Virus betroffen sind. Inzwischen werden fast 30.000 Opfer gezählt. Professor Gilvert Deray, leitender Arzt am Krankenhaus Pitié-Salpêtrière in Paris zeigt sich angesichts der Berichte über die Fußballspiele entsetzt. Auf Twitter schreibt er, dass solche Zusammenkünfte schlicht verantwortungslos seien. „Der Virus ist noch immer präsent und solche Treffen können in der aktuellen Situation zu einer viralen Minibombe werden.“