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Reaktionen in der Region auf den angekündigten Papst-Rücktritt: Katholiken würdigen Benedikt XVI. und blicken nach vorne

Reaktionen in der Region auf den angekündigten Papst-Rücktritt : Katholiken würdigen Benedikt XVI. und blicken nach vorne

Überrascht, respektvoll, dankbar - so nahmen Katholiken in der Region den am Rosenmontag angekündigten Rücktritt von Papst Benedikt XVI. auf. Teilweise werden mit dem anstehenden Wechsel im Vatikan auch Hoffnungen verbunden.

Karl-Heinz Löhr, Geschäftsführer des Kreiskatholikenrates, bedauert die Entscheidung von Joseph Ratzinger. "Einige aus dem Kreiskatholikenrat sind ihm persönlich begegnet, etwa beim Weltjugendtag 2005", so Löhr. "Er beeindruckte durch seine Bescheidenheit und war eher kumpel- als lehrerhaft - ganz anders als er immer dargestellt wird."

Seiner Einschätzung nach habe die Kirche während des achtjährigen Pontifikats "keine eklatanten Veränderungen" erlebt. Andererseits habe Benedikt aber nicht die - für Laien wichtigen - Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils infrage gestellt. Für die Nachfolge wünscht sich Löhr einen Vertreter, der außerhalb Europas beheimatet ist. "So wird dokumentiert, dass wir eine Weltkirche sind."

An Spekulationen über die Nachfolge will sich Peter H. Emontzpohl, Leitender Pfarrer des Seelsorgebereichs Sankt Augustin, nicht beteiligen. "Wie heißt es doch: 'Wer als Papst ins Konklave zieht, kommt als Kardinal heraus'." Die Hauptsache sei, dass das neue Oberhaupt das Vertrauen der Menschen in das Evangelium stärke, so Emontzpohl.

Er erinnert sich gerne an "große Zeichen" im Pontifikat Benedikts wie den Weltjugendtag. Auf der anderen Seite sei die Kirche in den vergangenen Jahren durch Missbrauchsenthüllungen und die Vatileaks-Affäre "durchgerüttelt" worden, was man Benedikt aber kaum zum Vorwurf machen könne. Elisabeth Bungartz, Kreisdekanatsvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft aus Sankt Augustin, glaubte an einen "Karnevalsscherz", als sie vom Rücktritt hörte.

Sie äußert Verständnis: "Man hat ihm angesehen, dass ihm das Alter zu schaffen macht." Nach ihrem Empfinden war die Amtszeit des Papstes weitestgehend von Stagnation geprägt. "Wenn man sich die Zahl der Kirchenaustritte ansieht, dann muss etwas passieren", sagt sie mit Blick auf nötige Reformen. Für die Zukunft wünscht sie sich, dass die Rolle der Frau in der Kirche gestärkt wird - Stichwort Frauendiakonat.

Man habe die Entscheidung Benedikts mit großer Wertschätzung aufgenommen, sagte Pater Martin Neuhauser, Rektor der Steyler in Sankt Augustin. "Allein, dass er noch mit 78 dieses Amt auf sich genommen hat, verdient Respekt - ebenso, dass er es jetzt freiwillig aufgibt." Er und seine Mitbrüder richteten den Blick jetzt nach vorne: Der neue Papst müsse es nicht zuletzt verstehen, Gräben innerhalb der Kirche zu ebnen, wie sie etwa in Deutschland zwischen konservativen und fortschrittlichen Kräften entstanden sind.

Die Pfarrgemeinde Sankt Servatius Siegburg gab gestern eine Erklärung heraus: "Wir verlieren einen 'großen' Papst mit einer zu 'kleinen' Amtszeit. In Dankbarkeit sehen wir auf acht Amtsjahre zurück und wissen, dass wir einen großen Beter für unsere Kirche und die Einheit aller Christen gewinnen", heißt es darin.