Kampf um Kobane Kurden gehen gegen Miliz "Islamischer Staat" vor

ISTANBUL · Die Kämpfe zwischen kurdischen Verbänden und der Dschihadisten-Miliz "Islamischer Staat" (IS) um die nordsyrische Stadt Kobane an der Grenze zur Türkei eskalieren. Kurdentrupps sprengten ein gepanzertes Fahrzeug des IS in die Luft und töteten 14 IS-Kämpfer, wie das Hauptquartier der Kurden mitteilte.

 Kurden helfen in Nordsyrien, Islamisten zurückzudrängen.

Kurden helfen in Nordsyrien, Islamisten zurückzudrängen.

Foto: dpa

Unterdessen hat der IS die kurdische Enklave von mehreren Seiten aus unter schweren Beschuss genommen. Insgesamt sollen fast 90 Menschen bei den jüngsten Kämpfen um die Stadt umgekommen sein. Gleichzeitig tobt eine politische Auseinandersetzung zwischen den Kurden und der Türkei. Ankara wird vorgeworfen, die Lage in Kobane für eigene Zwecke ausnutzen zu wollen.

Zum ersten Mal griffen amerikanische und arabische Kampfjets am Wochenende Stellungen des IS bei Kobane an. Aus Sicht der Kurden kommen die Luftangriffe reichlich spät und sind auch nicht heftig genug. Nur zwei Punkte seien aus der Luft attackiert worden, sagte eine Kommandantin Lange Konvois und Panzer des IS seien dagegen ungeschoren geblieben.

Nach Berichten haben die Kurden die Extremisten an einigen Teilen der Front zurückdrängen können. Videos im Internet zeigten mutmaßliche Kurdenkämpfer, die mit Panzerabwehrraketen des Typs "Milan" gegen den IS vorgingen. Über die Echtheit der Aufnahmen war zunächst nichts bekannt. Deutsche "Milan"-Raketen sollen an die nordirakischen Kurden geliefert werden, jedoch nicht an kurdischen Einheiten in Syrien.

In Kobane verteidigen die Kurden ihre Autonomiegebiete, die sie in den vergangenen Jahren im Machtvakuum des syrischen Bürgerkrieges errichten konnten. Die bestimmende Kraft bei den syrischen Kurden, die Demokratische Unions-Partei, sowie die Kurdenmiliz Volks-Schutzeinheiten, gelten als syrische Ableger der Rebellengruppe Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und werden deshalb von der Türkei mit erheblicher Skepsis betrachtet. Die Türkei ist besorgt, dass die PKK vom Kampf gegen den IS im Irak und Syrien profitieren könnte.

Nach kurdischen Angaben belässt es Ankara nicht bei einer skeptischen Beobachtung, sondern geht weiter. PKK-nahe Medien werfen der Türkei vor, den IS für die Schlacht um Kobane mit Waffen beliefert und Kurdenkämpfer auf der syrischen Seite der Grenze beschossen zu haben. Zudem blockierten türkischen Behörden den Nachschub für Kurdenkämpfer. Gestern hinderten türkische Sicherheitskräfte zeitweise mehrere hundert Kurden daran, bei Kobane die Grenze nach Syrien zu queren, um sich den Kämpfen gegen IS anzuschließen.

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