Wahlkampf in Frankreich Macrons eigener Weg

Paris · Knapp drei Monate vor der Präsidentenwahl in Frankreich schlagen die Wellen hoch. Konservativen-Kandidat Fillon kämpft mit einer Affäre. Polit-Jungstar Macron bekommt hingegen Zulauf. Kann er die Rechtspopulistin Marine Le Pen stoppen?

 Frankreichs Ex-Finanzminister Emmanuel Macron gilt als aussichtsreichster Kandidat für die Wahl.

Frankreichs Ex-Finanzminister Emmanuel Macron gilt als aussichtsreichster Kandidat für die Wahl.

Foto: AFP

Es war ein gemeinsamer Besuch im letzten Jahr in einem Pharma-Unternehmen in Chartres, um den Kampf des Präsidenten und seines Wirtschaftsministers für Wachstum und Jobs zu illustrieren. Doch der undisziplinierte Minister blieb nicht an der Seite von François Hollande, ging eigene Wege, blieb zurück. „Wo ist er, Macron?“, fragte Hollande und blickte irritiert um sich. Um schließlich erleichtert auszurufen: „Ah, da ist er ja!“

Genüsslich gaben die Medien die Szene wieder, die bereits als Vorbote für das erschien, was passieren sollte. Zwei Wochen zuvor hatte Emmanuel Macron seine Partei gegründet, die seine Initialen trägt: „En Marche!“, was so viel heißt wie „Auf geht's!“, „In Bewegung!“. Weder links noch rechts positioniere sie sich, so Macron. Er verriet auch, dass er längst sein sozialistisches Parteibuch zurückgegeben hatte.

Macrons Befreiungsschlag

Noch erschien es damals unwahrscheinlich, dass er tatsächlich seinen Mentor herausfordern würde. Früh hatte Hollande den Absolventen von Elitehochschulen und einstigen erfolgreichen Banker bei der Privatbank Rothschild & Cie entdeckt. Er machte ihn 2012 zum Wirtschaftsberater und 2014 zum Wirtschaftsminister, wo Macron ein Liberalisierungsgesetz ausarbeitete, das unter anderem die Sonntagsarbeitszeiten lockerte und den Fernbusverkehr öffnete. Seitdem fahren preisgünstige „Macron-Busse“ durchs Land. Der smarte Quereinsteiger mit dem Gewinnerlächeln wurde das beliebteste Kabinettsmitglied. Doch Ende August trat er zurück, um die Präsidentschaftswahl anzusteuern.

Macrons Befreiungsschlag hat Hollande nicht nur persönlich getroffen, er beeinflusste wohl auch dessen Entscheidung, nicht erneut zu kandidieren. Beobachter hielten Macrons Vorgehen lange für aussichtslos – ihm fehlten eine Parteibasis und eine klare Position in einem politischen System, das auf die Konfrontation zwischen links und rechts ausgerichtet sei.

Junge und gut ausgebildete Anhänger

Zurzeit aber steigen die Aussichten des 39-Jährigen täglich; er wird bereits als letzte Hoffnung gegen Marine Le Pen gehandelt. Umfragen sehen Macron in der Stichwahl gegen die Rechtspopulistin, nachdem der Druck auf den konservativen Kandidaten François Fillon im Skandal um die Honorarzahlungen an seine Frau Penelope gestiegen ist. Selbst wenn Fillon sich halten kann, verliert er wichtige Stimmen – auch an Macron. Sein Programm, so versprach Macron, arbeite er bis Ende Februar auf Basis von Tausenden Tür-zu-Tür-Befragungen aus.

Seine Anhänger sind überwiegend jung, gut ausgebildet, oft Politik-Novizen. Er vertritt eine wirtschaftsliberale Linie, möchte die Reichensteuer abschaffen, die 35-Stunden-Woche und das Renteneintrittsalter flexibler regeln und von der Art der Tätigkeit abhängig machen. Zahlreiche Wirtschaftsvertreter unterstützen ihn – auch finanziell. Zugleich tritt er als feuriger Pro-Europäer auf und lobte als einer der wenigen ausdrücklich die deutsche Flüchtlingspolitik.

Vor Macron liegen noch drei Monate, in denen er überzeugen muss – Linken stößt seine Vergangenheit als Banker auf, Rechten seine Nähe zu Hollande. Auch trat er mehrmals in Fettnäpfchen, wie mit der Aussage, es brauche junge Leute, die „Lust haben, Milliardäre zu werden“. Doch er beansprucht für sich, nicht immer politisch korrekt aufzutreten und nicht alles zu machen wie die anderen. Auch privat: Noch als 16-jähriger Schüler verliebte sich Macron in seine damalige Lehrerin Brigitte Trogneux, eine verheiratete Mutter dreier Kinder. Inzwischen hat er sie geheiratet – und ist mit 39 Jahren bereits siebenfacher Großvater.