War der Todesschütze krank? Offene Rätsel nach dem Attentat in Las Vegas

Washington · Ermittler erhoffen sich von der Partnerin des Massenmörders von Las Vegas Antworten auf etliche offenen Fragen. Marilou Danley (62) sei „die wertvollste Informantin“.

Nach Katastrophen und Notlagen ist Donald Trump dazu übergegangen, Rettungskräfte und Polizisten für ihr rasches Eingreifen in den Himmel zu loben. Bei seinem Kondolenzbesuch in Las Vegas musste Amerikas Präsident am Mittwoch das Spektrum erheblich erweitern.

Nach dem Massenmord am Mandalay-Bay-Hotel rückt die für Selbstlosigkeit nicht unbedingt bekannte Glücksspiel-Metropole in der Wüste Nevadas solidarisch zusammen: Ärzte schließen ihre Praxen und helfen den in den Krankenhäusern rund um die Uhr operierenden Kollegen. Blutbanken können sich vor Spendern kaum retten. Restaurants bieten für Helfer kostenloses Essen an.

Hotels bringen Verwandte der 58 Toten und über 520 Verletzten auf eigene Rechnung unter. Fluggesellschaften übernehmen unbürokratisch die Flüge. Psychotherapeuten helfen entgeltfrei Trauernden. Menschen im ganzen Land haben fast vier Millionen Dollar an einen Hilfsfonds gespendet. „Die Welle der Hilfsbereitschaft“, sagte eine Touristin aus Washington, die ihren Aufenthalt in „Sin City“ verlängerte, um sich als Freiwillige in der Seelsorge zu engagieren, „ist eine Trotzreaktion auf die Abscheulichkeit von Stephen Paddock.“

Weil sich der Todesschütze selbst das Leben nahm, richten sich sämtliche Augen auf die Frau an seiner Seite. Marilou Danley (62) wurde nach der Ankunft aus Manila/Philippinen auf dem Flughafen von Los Angeles von FBI-Beamten im Rollstuhl durch den Sicherheitsbereich geführt. Von der ehemaligen Lebensgefährtin Stephen Paddocks erhofft sich das FBI endlich Aufschluss über das Motiv für das opferreichste Massaker in der jüngeren Geschichte der Vereinigten Staaten. Vergebene Liebesmüh, sagen sinngemäß zwei Schwestern der seit vielen Jahren mit dem zweifach geschiedenen Paddock liiert gewesenen kleinen, dunkelhaarigen Frau.

„Sie wurde weggeschickt, damit sie nicht bei seinen Plänen stören konnte“, sagte eine Schwester im australischen TV. Vor rund zwei Wochen habe Paddock, der sich im Laufe der Gewaltorgie im 32. Stock des Mandalay-Bay-Hotels selbst erschoss, seiner Partnerin, die einen australischen Pass besitzt, ein Billigticket in ihre philippinische Heimat gekauft. Sie flog am 15. September nach Manila. Ob Marilou Danley – wie US-Medien berichten – von Paddock rund 100.000 Dollar auf die Philippinen überwiesen bekam, ist offiziell nicht bestätigt.

Aus Ermittlerkreisen heißt es, dass die ehemalige Kasino-Hostess „die wertvollste Informantin“ sei, um die „vielen losen Puzzleteile zu verbinden“. Als da wären: Paddock, den Nachbarn als „unsozial“ charakterisieren, muss psychische Probleme gehabt haben. Die Lokalzeitung „Las Vegas Review Journal“ fand heraus, dass der 64-Jährige seit Juni Valium verschrieben bekommen hat. Ein Medikament, das aggressiv machen kann. US-Präsident Donald Trump, der am Mittwoch mit Opfern, Angehörigen, Einsatzkräften und Ärzten zusammentreffen wollte, hatte Paddock bereits am Dienstag als „sehr, sehr kranken, wahnsinnigen Mann“ bezeichnet. Eine Obduktion soll klären, ob der frühere Buchhalter während der Tat unter Valiumeinfluss stand.

Ein anderer rätselhafter Punkt: die gewaltige Menge an Waffen und Munition, die Paddock über viele Monate erwarb. In seiner zur Killerkommando-Zentrale umfunktionierten Hotelsuite fanden sich 23 Feuerwaffen, darunter mehrere halbautomatische Schnellfeuergewehre mit Zielfernrohren, die mittels einer legal käuflichen Zusatzeinrichtung zu vollautomatischen Waffen umfrisiert worden waren. Weil Paddock in seinen Häusern in Mesquite und Reno weitere 24 Waffen hortete, geht das FBI davon aus, das Marilou Danley „davon irgendetwas mitbekommen hat“.

Das gilt auch für die Spekulation, dass der chronische Glücksspieler aus Frustration über Verluste in den Kasinos ausgerastet sein könnte. Fahnder bestätigten US-Medien, dass Paddock in den Wochen vor der Tat 160.000 Dollar an Slot-Maschinen und Pokertischen eingesetzt hat. Mit welchem Ergebnis, ist unbekannt.

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