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Paris - Terror - 2015: Mammutprozess zur Terrorserie soll 2021 beginnen

Mammutprozess soll 2021 beginnen : Pariser Terrorserie jährt sich zum fünften Mal

Es waren die schwersten Anschläge in der Geschichte Frankreichs: Islamisten töteten vor fünf Jahren in Paris 130 Menschen. Nächstes Jahr soll ein Mammutprozess zur Terrorserie viele offene Fragen klären. Ein Überblick zum 13. November 2015.

Ein Mammutprozess und viele offene Fragen: Fünf Jahre nach den Pariser Anschlägen vom 13. November 2015 mit 130 Toten steht das Verfahren gegen eine Reihe von Verdächtigen aus. Es soll im ersten Halbjahr 2021 beginnen und Licht in das islamistische Terror-Netzwerk mit Verbindungen nach Belgien und möglicherweise auch Deutschland bringen.

Was geschah am 13. November 2015?

Am Abend des milden Herbsttags sprengten sich während eines Fußballspiels Deutschland gegen Frankreich drei Selbstmordattentäter vor dem Stadion Stade de France nördlich von Paris in die Luft. Anschließend überfielen Terrorkommandos den Pariser Konzertsaal Bataclan und Restaurants und Bars in einem beliebten Ausgehviertel mit Kalaschnikows. Die Islamisten töteten 130 Menschen und verletzten mehr als 350. Zu den schwersten Anschläge in der französischen Geschichte bekannte sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS).

Worum geht es in dem kommenden Prozess?

Im Mittelpunkt steht der einzige überlebende Attentäter Salah Abdeslam. Der 31-jährige Franzose mit marokkanischen Wurzeln sitzt in Isolationshaft, ihm droht lebenslange Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung. Bei einer richterlichen Anhörung soll er sich ein einziges Mal zu seinem Motiv geäußert haben: "Wir greifen euch nicht an, weil ihr Schweinefleisch esst, Wein trinkt oder Musik hört - die Muslime verteidigen sich gegen diejenigen, die sie angreifen", sagte er laut dem Sender RTL mit Verweis auf die französischen Luftangriffe in Syrien.

Bei einem Prozess in Brüssel betonte Abdeslam zudem 2018, die Muslime würden "auf die schlimmste aller Arten beurteilt und behandelt: ohne Mitleid". In dem Verfahren wurde er zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt, weil er nach den Pariser Anschlägen in Brüssel abtauchte und dort in eine Schießerei verwickelt war, bei der mehrere Polizisten verletzt wurden.

Wer kommt noch vor Gericht?

Die Pariser Anti-Terror-Staatsanwaltschaft will neben Abdeslam 19 weitere Verdächtige anklagen. Ihnen drohen lebenslange Haftstrafen wegen Mordes, Bildung einer Terrorgruppe und Freiheitsberaubung. Die meisten sitzen in Frankreich in Untersuchungshaft. Sechs Verdächtige werden mit internationalem Haftbefehle gesucht, einige von ihnen könnten jedoch nach Erkenntnissen der Ermittler und von Geheimdiensten bereits tot sein.

Wann beginnt der Prozess?

Ursprünglich wurde ein Prozessbeginn im Januar 2021 erwartet, wegen der Corona-Pandemie ist der Termin aber noch nicht bestätigt. An dem Mammutverfahren wollen mehr als 1700 Zivilkläger teilnehmen, viele von ihnen sind Angehörige der Opfer. Aus dem 562-seitigen Strafantrag der Anti-Terror-Staatsanwaltschaft geht nach Angaben von Opferanwalt Jean Reinhart hervor, dass die Anschläge "von mindestens 15 Menschen akribisch vorbereitet wurden".

Wer waren die Drahtzieher?

Ein französisch-belgisches Netzwerk mit Verbindungen zur IS-Miliz soll hinter den Anschlägen stecken und die Attentäter unter anderem in Syrien ausgebildet haben. Als einer der Drahtzieher gilt Abdelhamid Abaaoud, ein Belgier marokkanischer Herkunft. Er gehörte zu den Terrorkommandos, die am 13. November 2015 Pariser Bars und Restaurants angriffen. Abaaoud wurde wenige Tage nach den Attentaten bei einer Razzia der Pariser Polizei getötet.

Die Pariser Anti-Terror-Ermittler weisen daneben auch Oussama Atar eine Hauptverantwortung zu. Der sogenannte "Emir" der IS-Miliz mit belgischer Staatsbürgerschaft soll von Syrien aus die Anschläge in Paris und auch die in Brüssel vom März 2016 mit 35 Toten koordiniert haben. Nach Einschätzung des französischen Geheimdienstes ist Atar ebenfalls tot.

Welche Verbindungen gibt es nach Deutschland?

Der Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri könnte Verbindungen zu der europäischen Terrorzelle gehabt haben, wie der "Spiegel" 2019 berichtete. Der Tunesier war im Dezember 2016 mit einem Lkw in den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz gerast und hatte zwölf Menschen getötet.

(AFP)