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Kommentar zu Waffen in den USA: Relikt beseitigen

Kommentar zu Waffen in den USA : Relikt beseitigen

Wenn die USA Lernfähigkeit beweisen wollen, müssen sie über ihren Schatten springen und beizeiten ein Relikt beseitigen, mit dem alles steht und fällt, kommentiert Dirk Hautkapp.

Klingt zynisch, ist es aber nicht: Hat ein Land, das sich mit dem noch immer sprachlos machenden Tod von 20 I-Dötzchen durch Erschießen seit fünf Jahren abgefunden hat, ernsthaft die Kraft zur Besinnung, nur weil jetzt 17 Schüler älterer Jahrgänge das gleiche Schicksal ereilte?

Nach Newtown 2012 war die Jetzt-reicht-es-aber-endgültig-mit-unserem-Waffenwahn-Welle in den USA auf dem Scheitelpunkt. Geschehen ist aufs ganze Land gesehen in der Substanz so gut wie nichts. Soll die Hingabe der Überlebenden von Parkland an das Gute und Richtige nicht ebenfalls verpuffen, müsste Washington weit mehr auf die Beine stellen als kosmetische Pflästerchen. Nichts anderes ist bei Licht betrachtet eine Datenbank, die dabei helfen soll, jene rechtzeitig herauszufiltern, die niemals einen Schießprügel in die Hand bekommen dürfen. Eine Selbstverständlichkeit.

Wenn die USA Lernfähigkeit beweisen wollen, müssen sie über ihren Schatten springen und beizeiten ein Relikt beseitigen, mit dem alles steht und fällt. Es geht um den zweiten Verfassungszusatz, der das Recht auf Waffenbesitz mit all seinen Kollateralschäden bis heute begründet. Selten ist eine historische Weichenstellung – weit über 200 Jahre alt – so schamlos gegen die eigene Bevölkerung missbraucht worden.

Solange Regierung und Kongress nicht gemeinsam diesen Irrtum der Geschichte korrigieren und damit den der Waffenindustrie treu ergebenen politischen Arm der „National Rifle Association“ (NRA) vom Körper der Abermillionen normalen Mitglieder abtrennen, bleibt es beim Herumdoktern an Symptomen.