Kommentar zum Weltwirtschaftsforum Schwabs Spektakel

Meinung | Davos · Die Gala der Globalisierung in Davos schreibt Erfolgsgeschichte. Doch es ist umstritten, ob ein Privatmann wie der WEF-Chef Klaus Schwab ohne demokratischen Auftrag so kräftig mitmischen sollte, kommentiert GA-Korrespondent Jan Dirk Herbermann.

Egal ob Donald Trump nach Davos kommt oder nicht. An der Erfolgsgeschichte des Weltwirtschaftsforums (WEF) wird Trumps Besuch oder sein Fernbleiben nichts ändern. Selbst ohne den US-Präsidenten wird das 48. Jahrestreffen des WEF eine Gala mit Hunderten Top-Entscheidern aus Politik und Wirtschaft: Es ist die Gala der Globalisierung.

WEF-Chef Klaus Schwab hat zweifellos etwas Einmaliges geschaffen. Nirgendwo sonst treffen so viele Verantwortliche für den Weltenlauf aufeinander wie in der Abgeschiedenheit der Schweizer Berge. Der deutsche Wirtschaftsprofessor Schwab transformierte eine Plauderrunde am Kamin zu einem globalen Event. Schwab erkannte, dass ein Austausch zwischen Staatenlenkern und Wirtschaftsbossen nötig ist, um gewisse globale Probleme zu erkennen und anzupacken. Auch das passiert in Davos.

Der Impresario des Spektakels muss sich aber kritische Fragen gefallen lassen. Wieso werden Kosten auf die Steuerzahler abgewälzt? Sie zahlen für den Rieseneinsatz von Polizei und Militär. Und es geht um mangelnde Legitimation. Nur einer, und zwar Schwab, bestimmt die Regeln von Davos. Darf ein Privatmann ohne demokratischen Auftrag so kräftig wie er in der großen Politik mitmischen?

Ob die Teilnehmer des Forums tatsächlich den Zustand der Welt verbessern, wie Schwab es mit erhobenem Zeigefinger verlangt, oder ob Schwabs Gäste doch nur Deals einfädeln, lässt sich kaum feststellen. So oder so, die Erfolgsgeschichte des Forums geht weiter.

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