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US-Wahlkampf: Obama spricht sich erneut gegen Trump als Präsidenten aus

Weniger offensiv als zuletzt : Barack Obama spricht sich erneut gegen Wiederwahl Trumps aus

Zuletzt fand Altpräsident Barack Obama deutliche Worte für seine Meinung zu Donald Trump. Nun spricht er sich erneut gegen den jetzigen Präsidenten aus - allerdings weniger offensiv.

Es ist nicht so, dass Barack Obama noch nicht ins Wahlkampfgeschehen eingegriffen hätte. Schon vor zwei Monaten, beim Nominierungsparteitag der Demokraten virtuell zugeschaltet, hielt er eine Gardinenpredigt, in der er sich so eindeutig missbilligend über seinen Nachfolger im Weißen Haus äußerte, wie man es angesichts früherer Zurückhaltung von ihm bis dahin nicht kannte. „Donald Trump ist in den Job nicht hineingewachsen, weil er es nicht kann“, wetterte der Altpräsident, der auf einmal zur verbalen Keule griff, statt sich, was eigentlich seine Art ist, des Floretts zu bedienen. Am Mittwochabend in Philadelphia war wieder der alte Obama zu erleben, der Meister der feinen rhetorischen Klinge.

Um für seinen ehemaligen Vize Joe Biden zu werben, stürzte er sich nach längerer Pause direkt ins Wahlkampfgetümmel. Wobei man das mit dem Getümmel nicht so wörtlich nehmen sollte. Während Trump vor jeweils Tausenden Anhängern auf Kundgebungen redet, haben die Demokraten die coronagerechte Variante des Drive-in für sich entdeckt. Man fährt im Auto auf einen Parkplatz, idealerweise in einem Automobil mit offenem Dach, um den Auftritt des Protagonisten oder der Protagonistin von dort aus zu verfolgen. Räumliche Distanz ist garantiert, Hupen ersetzt den Applaus. Im Falle Obamas waren es um die 200 Fahrzeuge, die die Veranstalter zuließen. So viel zum Ambiente. Inhaltlich hatte der Redner einen Nadelstich nach dem anderen gegen den Mann zu bieten, der förmlich besessen ist von dem Gedanken, möglichst alles rückgängig zu machen, was sein Vorgänger auf den Weg brachte.

Verschwiegenes Bankkonto und verschollenes Handbuch

Da wäre ein bislang verschwiegenes Bankkonto Trumps in China, ein Konto, dessen Existenz die „New York Times“ erst am Dienstag enthüllt hatte. „Wir wissen, dass er weiter Geschäfte mit China macht, weil er dort ein geheimes Konto besitzt“, sagte Obama und gab zu verstehen, dass sein Nachfolger für sich persönlich andere Maßstäbe gelten lässt, während er ständig betont, dass keiner so kompromisslos mit Peking umgehe wie er. „Stellt euch vor, ich hätte ein geheimes chinesisches Konto besessen, als ich mich zur Wiederwahl stellte. Sie hätten mich Peking-Barry genannt.“ Im englischen Original klingt es besser: „Beijing Barry“.

Da wäre zweitens ein Handbuch für den Umgang mit gefährlichen Viren, das der vierundvierzigste US-Präsident dem fünfundvierzigsten hinterließ. Auf 70 Seiten fassten Experten zusammen, was sie aus der Ebola-Epidemie und der Verbreitung des Zika-Virus gelernt hatten. Neuartige Coronaviren, warnten sie, seien etwas, worauf man besonders achten müsse. Trump indes behauptete gerade in den ersten Monaten der Pandemie, die Vorgängerregierung habe ihm nichts hinterlassen als leere Regale. Nun folgt, fast schon im Stil eines Kabarettisten vorgetragen, die pointierte Replik. Das Handbuch, kalauert Obama, sei von Trumps Leuten offenbar dazu verwendet worden, einen wackligen Tisch zu stabilisieren.

Aufruf zur US-Wahl

Da wäre drittens die grotesk niedrige Einkommensteuer des Milliardärs aus New York, 2016 und 2017 jeweils 750 Dollar. Solche Summen habe er an Steuern gezahlt, als er im Alter von 15 Jahren im Ferienjob in einer Baskin-Robbins-Eisdiele aushalf, stichelte der Demokrat.

Schließlich die Mahnung, diesmal unbedingt an der Wahl teilzunehmen. Auch in Philadelphia, einer Stadt, deren Bevölkerung fast zur Hälfte aus Afroamerikanern besteht, hatten schwarze Wähler, die sich für Obama noch begeistern konnten, der Kandidatin Hillary Clinton vor vier Jahren die kalte Schulter gezeigt. Tausende verzichteten darauf, ihre Stimme abzugeben, was mit beitrug zu Trumps Überraschungssieg im heiß umkämpften Swing State Pennsylvania.

Im Falle Bidens dürfe sich dergleichen nicht wiederholen, appelliert Obama an die mit den Demokraten sympathisierenden Bewohner Philadelphias, „dies ist das wichtigste Votum unseres Lebens“. Im Übrigen, schiebt er hinterher, nun wieder augenzwinkernd, lasse sich Thanksgiving, das im November anstehende Familienfest rund um den Truthahn, wesentlich entspannter feiern, wenn Trump verliere und ein Grund für innerfamiliäre Kontroversen entfalle. „Ihr müsst euch dann nicht mehr jeden Tag streiten. Es wird nicht mehr so anstrengend sein.“