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Kommentar zur Rede von Theresa May: Wie eh und je

Kommentar zur Rede von Theresa May : Wie eh und je

Wer kurz nach dem Brexit-Votum noch dachte, das Land werde einen Rückzieher machen oder sich Teile der Mitgliedschaft trotz Austritt bewahren, hat den Frust vieler Briten über die EU unterschätzt. Nun endlich liefert die seit Monaten herumlavierende Premierministerin Theresa May zumindest einige Antworten.

Großbritannien will sich komplett von der EU lösen. Wer kurz nach dem Brexit-Votum noch dachte, das Land werde einen Rückzieher machen oder sich Teile der Mitgliedschaft trotz Austritt bewahren, hat den Frust vieler Briten über die EU unterschätzt. Nun endlich liefert die seit Monaten herumlavierende Premierministerin Theresa May zumindest einige Antworten. Goodbye zur Mitgliedschaft im europäischen Binnenmarkt. Goodbye zur Zollunion.

Trotz lückenhafter Plan-Darlegung schlug May einen selbstbewussten Ton an. Im Grunde, so klang es durch, hielt Europa Großbritannien immer dabei zurück, sein wahres Schicksal als globale Handelsmacht zu finden. Das soll sich ändern. Gleichwohl wurde man das Gefühl nicht los, dass alles ist wie eh und je: Das Königreich droht und fordert, etwa ein umfassendes Freihandelsabkommen. Und die EU soll erfüllen.

May legt den Fokus auf Immigration und die Kontrolle der Grenzen. Dabei offenbarte ihre Rede einen großen Widerspruch: Das Ziel, ein wahrhaftig „globales“ Britannien zu etablieren, wird scheitern ohne Einwanderung. Gleichzeitig ist die Gefahr, dass Unternehmen, Banken und Dienstleister von der Insel fortziehen, Arbeitsplätze wegfallen und Steuereinnahmen sinken. Schon jetzt bezahlen die Briten mehr für ihre importierten Güter, da das Pfund seit dem Brexit-Votum angeschlagen ist. Die Inflation hat zugelegt und Urlaube haben sich verteuert. Am Ende dürfte das Königreich außerhalb des Binnenmarkts deutlich ärmer dastehen, als das etlichen Menschen derzeit bewusst ist.