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Trump und Merkel: Wie steht es um die deutsch-amerikanischen Beziehungen?

Trump und Merkel : Wie steht es um die deutsch-amerikanischen Beziehungen?

Dass Donald Trump sich über Deutschland beschwert, scheint die US-Amerikaner kaum zu beeinflussen. Doch wie steht es denn nun um die bilateralen Beziehungen? Die Meinungen darüber gehen in beiden Ländern stark auseinander.

Man kann sich das kaum noch vorstellen, einen Nato-Gipfel, auf dem der Präsident Donald Trump die Deutschen einmal nicht als Trittbrettfahrer abkanzelt. Die stärkste Volkswirtschaft Europas, so sieht er es, versteckt sich hinter den Amerikanern, die seit Jahrzehnten übervorteilt werden, weil sie den Löwenanteil gemeinsamer Verteidigungslasten schultern. Dass die Bündnispartner bis 2024 zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für die Verteidigung ausgeben wollen, geht ihm nicht schnell genug. Einmal, im Juli 2018 in Brüssel, hat er sogar damit gedroht, dass die USA die Allianz verlassen, wenn die anderen das Zwei-Prozent-Ziel nicht innerhalb von sechs Monaten erreichen. Die gute Nachricht für Deutschland: Eine Mehrheit der Amerikaner sieht es deutlich entspannter als ihr Präsident.

Nach einer Studie des Pew Research Centers, eines Thinktanks in Washington, und der Körber-Stiftung sind nur 35 Prozent der Meinung, die europäischen Alliierten sollten ihre Verteidigungsausgaben erhöhen. 50 Prozent halten das heutige Niveau für angemessen, während neun Prozent sogar für eine Reduzierung plädieren. Vor zwei Jahren hatten noch 45 Prozent der befragten US-Bürger verlangt, die Europäer sollten mehr Geld in die Rüstung stecken.

Überhaupt scheint es die Amerikaner nur wenig zu beeinflussen, wenn sich der Mann im Oval Office immer wieder über Deutschland beschwert, in seiner Wahrnehmung weniger ein Verbündeter als vielmehr ein Konkurrent, gegen den es zu gewinnen gilt. Drei Viertel der Befragten schätzen das bilaterale Verhältnis als gut ein, der Wert ist während Trumps Amtszeit sogar gestiegen. Auch wenn man sich Demokraten und Republikaner getrennt ansehe, sagt Jacob Poushter, der Autor der Studie des Pew-Instituts, könne man nicht behaupten, dass Deutschland bei den Konservativen ein schlechtes Image habe. Andererseits sprechen gerade einmal 34 Prozent der Deutschen von guten Beziehungen, wobei es die Jüngeren etwas positiver sehen als die Älteren.

Vergleicht man es mit früheren Umfragen, so lässt sich der Schluss ziehen, dass das Ansehen Amerikas in Deutschland maßgeblich vom aktuellen Präsidenten bestimmt wird. Die Amerikaner dagegen sind in ihrer Sicht konstanter, was womöglich auch daran liegt, dass viele die deutsche Innenpolitik längst nicht so aufmerksam verfolgen, wie umgekehrt die Deutschen das Geschehen in den USA. So halten 85 Prozent die Militärstützpunkte in Deutschland für „sehr wichtig“ oder „ziemlich wichtig“ für die Sicherheit ihres Landes.

Hinzu kommen traditionell unterschiedliche Auffassungen zur Anwendung bewaffneter Gewalt, die der neokonservative Intellektuelle Robert Kagan im Streit um die Irak-Intervention auf eine ebenso prägnante wie provokante Zeile brachte: „Amerikaner kommen vom Mars, Europäer von der Venus“. Die Frage, ob es manchmal nötig sei, militärische Macht einzusetzen, beantworten in den Vereinigten Staaten 78 Prozent mit ja, in Deutschland 52 Prozent mit nein.

In der Tabelle der Staaten, die Amerikaner für ihren wichtigsten oder zumindest zweitwichtigsten Partner in der Welt halten, liegt indes die Bundesrepublik nur auf dem fünften Platz. Davor rangieren Großbritannien, China, Kanada und Israel. Bei den Deutschen liegt Frankreich klar an der Spitze, gefolgt von den USA, China und Russland.