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Keine Krawatte, kein Auftritt: Anwalt wird wegen fehlender Krawatte des Saales verwiesen

Keine Krawatte, kein Auftritt : Anwalt wird wegen fehlender Krawatte des Saales verwiesen

Männermode treibt oft seltsame Blüten - auch vor Gericht. Das bekam jetzt auch ein Rechtsanwalt zu spüren, als er vom Richter des Saales verwiesen wurde.

Sie ist etwa 7,3 Zentimeter breit und 150 Zentimeter lang. Sie kommt meist gestreift daher oder uni. Mitunter auch mit Figuren, die witzig aussehen sollen, aber in der Regel peinlich sind. Was drauf ist, ist im konkreten Fall allerdings unerheblich – denn bei Joachim Müller, Rechtsanwalt in Düsseldorf, war es nicht die Art der Krawatte, die zum Thema wurde, sondern die Tatsache, dass es keine gab: Müller erschien am Montag vor dem Zivilgericht zwar mit schwarzer Anwaltsrobe, aber sozusagen oben ohne. Und wurde vom Richter des Saales verwiesen.

Keine Krawatte, kein Auftritt – jedenfalls nicht in Düsseldorf! Anderswo aber schon. So weit her ist es – zumindest vor Gericht – mit der vielbeschworenen rheinischen Lässigkeit, dass NRW-weit die Halsbinde nicht nur erwünscht, sondern erforderlich ist. Mit dem Motto „et hätt noch immer joot jejange“ erlitt nicht nur Müller Schiffbruch, sondern ein weiterer Kollege.

Was tun? Klagen? Längst passiert – das Bundesverfassungsgericht höchstselbst entschied im März 2012: „Die Berufsausübungsfreiheit des Beschwerdeführers (also des Anwalts) wurde außerhalb des Hauptverhandlungstermins, in dem die Zurückweisung erfolgte, nicht beschränkt.“ Heißt: Jeder Richter hat das Recht, einen Anwalt ohne Krawatte nach Hause zu schicken.

Müller ging übrigens nicht nach Hause. Weil nämlich der Anwaltsverein in Düsseldorf dem Krawattenzwang vor Gericht auf dann doch irgendwie rheinische Weise begegnet: Im Vereinsbüro gibt es reichlich Reserveschlipse. Einen trug am Montag der Herr Müller.