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Paul Lücke: Architekt der Großen Koalition

Paul Lücke : Architekt der Großen Koalition

Er gilt als Vater des sozialen Wohnungsbaus, neben Herbert Wehner als Architekt der ersten Großen Koalition, darüber hinaus als eines der Schwergewichte der CDU in der Zeit Adenauers und Erhards und war sogar heißer Kandidat für die Nachfolge des "Alten" als CDU-Parteichef.

Paul Lücke.

In den 50er und 60er Jahren war er zunächst Wohnungsbau- und dann Innenminister, CDU-Parteivize und auch Katholikentagspräsident.

Gestern wäre der Mann aus Bensberg im Rheinisch-Bergischen Kreis 100 Jahre alt geworden. Die Konrad-Adenauer-Stiftung erinnerte mit einem Symposium an Lücke, zu dem rund 250 Besucher ins Haus der Geschichte kamen. Bernhard Vogel, Ehrenvorsitzender der Stiftung, nannte Lücke dabei ein Vorbild. "Seine Nüchternheit und Klarheit begeisterten mich, aber vor allem seine Konsequenz, mit der er als Innenminister zurücktrat", sagte Vogel und erinnerte an die Vorgänge Anfang 1968.

Neben der Durchsetzung der Notstandsgesetze hatte sich Lücke in der Großen Koalition vorgenommen, das Mehrheitswahlrecht einzuführen. Sein Ziel: Bei Bundestagswahlen sollte in der Regel nur noch der Wahlkreissieger den Einzug ins Parlament schaffen. Der heutige Innenstaatssekretär Günter Krings erinnerte an Lückes Beweggründe: "In den Notstandsgesetzen und im Mehrheitswahlrecht sah er die Chance, auf Dauer die Demokratie stabil und wehrhaft zu halten." Krings erinnerte daran, dass die NPD 1967 in sechs Landesparlamenten vertreten war.

Nachdem die SPD auf einem Parteitag der mit der Union verabredeten Wahlrechtsreform eine Absage erteilt und Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger die Koalition nicht aufgekündigt hatte, trat Lücke zurück. "Ihm waren die Überzeugungen wichtiger als die Karriere", hob Krings hervor. Und das nicht nur in diesem Fall. Als Kämpfer für das Mehrheitswahlrecht verzichtete er auf Landeslisten-Absicherungen, was bei der Niederlage im Wahlkreis 1972 zum Ende seiner 23-jährigen Karriere im Bundestag führte.

Dort hatte er in den Anfangsjahren mit seinem Engagement für den sozialen Wohnungsbau mit tragbaren Mieten in überschaubaren Mietshäusern und für die Eigenheimförderung für Furore gesorgt. Der Bonner Wirtschaftshistoriker Günther Schulz erinnerte daran, dass es 1950 für 15 Millionen Haushalte nur neun Millionen Wohnungen gab. Trotz der großen Wohnungsnot leitete Lücke nicht den Bau von Mietskasernen, sondern vor allem den Bau von Einfamilienhäusern in die Wege. Sein Credo: "Wer ein Eigenheim hat, der radikalisiert sich nicht." Der "Proletarisierung der Massen" werde so entgegengewirkt. Weil es viel Fördergeld für angehende Eigenheimbesitzer gab, schrieb der "Spiegel" 1958 von Lücke als dem "Eigenheim-Apostel".

Ihr Vater habe seinerzeit unter diesem Attribut sehr gelitten, sagte seine Tochter Maria Theresia Opladen, die als Landtagsabgeordnete und Bürgermeisterin von Bergisch Gladbach in die politischen Fußstapfen ihres Vaters trat. Lücke starb 1976, erst 61-jährig, an den Folgen einer Darmoperation.