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Renten steigen auch wegen eines statistischen Sondereffekts: Ausnahmsweise

Renten steigen auch wegen eines statistischen Sondereffekts : Ausnahmsweise

Ende Oktober nehmen jedes Jahr die Rentenexperten einen Kassensturz bei der gesetzlichen Altersvorsorge vor. Und die kürzlich erfolgte Rentenschätzung bestätigt die Meldungen, wonach sich 20,5 Millionen Ruheständler auf eine besonders kräftige Anpassung ihrer Altersbezüge im nächsten Jahr freuen können.

Der Zuschlag dürfte im Westen rund vier Prozent ausmachen und im Osten sogar rund fünf Prozent, wie der alternierende Vorsitzende der Rentenversicherung, Alexander Gunkel, vor Journalisten in Würzburg bekannt gab. Auf zwei Stellen hinter dem Komma genau lässt sich die im Juli anstehende Rentenanpassung erst im März beziffern, wenn die notwendigen Daten zur Entwicklung der Löhne vom Statistischen Bundesamt kommen.

Klar ist aber, dass die Renten so schnell nicht wieder so stark steigen werden wie 2016. Neben der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt und hohen Lohnzuwächsen der Beitragszahler gibt ein einmaliger Sondereffekt den Ruheständlern Rückenwind. Nach einer Großrevision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung werden die Löhne nach veränderten statistischen Methoden berechnet. Diese Veränderung wirkt sich bei der Rentenanpassung 2016 zugunsten der Ruheständler aus.

Es zeichnet sich zudem ab, dass Anfang nächsten Jahres die Beiträge nicht erneut gesenkt werden. Offiziell ist diese Entscheidung zwar noch nicht gefallen, doch die Schätzung zu den finanziellen Reserven der Rentenversicherung legt es nahe. Ende des Jahres dürften 33,7 Milliarden Euro an Rücklagen vorhanden sein, dies entspricht 1,75 Monatsausgaben der Alterssicherung.

Die Finanzlage der Rentenkasse ist besser als erwartet

Ende nächsten Jahres, so die Schätzung, dürften die Reserven auf 29,4 Milliarden abgeschmolzen sein, dies entspricht 1,4 Monatsausgaben. Eine Absenkung der Beiträge ist aber nur dann vorgesehen, wenn das Finanzpolster Ende nächsten Jahres über der 1,5-Monatsrate liegt.

Unter dem Strich ist die Finanzlage der Rentenkasse besser als erwartet: Vor einem Jahr waren die Experten noch davon ausgegangen, dass die Rentenversicherung 2015 rote Zahlen in Höhe von rund vier Milliarden Euro schreiben würde. Nun schließt sie das Jahr vermutlich nur mit einem Defizit von 1,9 Milliarden Euro ab.

Das Rentenpaket der großen Koalition aus CDU/CSU und SPD , vor allem die Mütterrente und die Rente mit 63, bürdet der Rentenkasse in 2015 Belastungen von rund 8,8 Milliarden Euro auf. Etwa 6,5 Milliarden kostet die Mütterrente und mit rund zwei Milliarden schlägt die Rente mit 63 zu Buche.

Dass das Defizit nicht höher ausfällt, hängt mit höheren Einnahmen zusammen: Obwohl der Beitragssatz Anfang des Jahres leicht sank, erwartet die Rentenkasse für dieses Jahr insgesamt 2,9 Prozent mehr aus Beiträgen der Beschäftigten. Der Bund schießt 2015 mit 62,4 Milliarden 1,8 Prozent mehr zu als im Vorjahr.

Auch der Ausblick ist besser als noch vor einem Jahr: So geht man nun davon aus, dass die Rücklagen langsamer abschmelzen als vorhergesagt und dass die Beiträge bis 2020 stabil bei 18,7 Prozent bleiben können. Ursprünglich war damit gerechnet worden, dass die Beiträge früher steigen müssten. Das Gesetz sieht eine Anhebung des Beitrages vor, wenn die Rücklagen am Ende des Folgejahres absehbar die Schwelle von 0,2 Monatsausgaben unterschreiten werden. Allerdings wird darauf hingewiesen, dass der Blick in die Zukunft gewagt ist: In die Annahmen sind noch nicht die Veränderungen bei der Zahl der Beitragszahler etwa durch die kräftig gestiegene Zahl der Zuwanderer nach Deutschland eingepreist.