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Diskussion um Schule: Bundeselternrat fordert Konzepte für rasche Rückkehr zum Präsenzunterricht

Diskussion um Schule : Bundeselternrat fordert Konzepte für rasche Rückkehr zum Präsenzunterricht

Der harte Lockdown hat Schulschließungen nötig gemacht. Betroffene pochen darauf, dass die Ferienzeit genutzt wird, um das Lernen in den Schulen möglichst bald nach dem Jahreswechsel wieder möglich zu machen.

Zum Start der Weihnachtsferien hat der Bundeselternrat eine Verlängerung des Lockdowns über den 10. Januar hinaus in Aussicht gestellt und Schulkonzepte für eine möglichst rasche Rückkehr zum Präsenzunterricht eingefordert. „Es ist vermutlich damit zu rechnen, dass der momentane Shutdown über den 10. Januar andauern wird“, sagte die Vizechefin des Bundeselternrates, Sabrina Wetzel, unserer Redaktion. Die Schulen müssten sich verstärkt darauf einstellen, etwa an Grundschulen Unterricht in kleinen Gruppen und digitalen Unterricht für die älteren Schülerinnen und Schüler anzubieten, sagte Wetzel.

Zunächst hatten die Kultusministerien der Länder noch im Dezember darauf gepocht, die Schulen offenzuhalten. Mit den Bund-Länder-Beschlüssen zum Lockdown war dies nicht mehr möglich. Bis mindestens Anfang Januar sollen die Schulen geschlossen bleiben. Eltern und Lehrpersonal hatten bereits massive Bedenken geäußert, der Bundeselternrat bringt nun erneut Maßnahmen für einen baldigen Neustart des Präsenzunterrichts nach dem Jahreswechsel ins Gespräch. „Es wäre jetzt auch noch die Möglichkeit, Lüftungsgeräte anzuschaffen und zu installieren, um einen sicheren Präsenzunterricht zu ermöglichen“, sagte Wetzel. Viele Schulen hätten schon gute Lösungen für sicheren Unterricht umgesetzt, diese sollten weitergeführt und weitergedacht werden. „Vorteilhaft wäre eine Staffelung der Unterrichtszeiten, um die Problematik der teilweise überfüllten Busse und Bahnen zu entschärfen“, so Wetzel weiter. Sie forderte zudem eine Notbetreuung für Kinder, deren Eltern berufstätig oder mit der Betreuung überfordert seien.

Der Lehrerverband rief zugleich dazu auf, jetzt endlich tragfähige Konzepte für Digitalunterricht zu entwickeln, nachdem es bei mehreren digitalen Lernplattformen Pannen gegeben hatte. Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger sagte am Freitag dem ZDF-„Morgenmagazin“, dass es in kaum einem Bundesland derzeit eine wirklich funktionierende Lernplattform gebe. „Es ist auch leider im letzten halben Jahr wenig dafür getan worden, dass diese Lernplattformen dann entsprechend aufgerüstet werden, und das rächt sich jetzt“, sagte Meidinger. Die Politik habe nicht erkannt, wie wichtig Digitalisierung von Schulen sei. „Deswegen fordern wir von allen Schulministerien, dass jetzt ein Masterplan entwickelt wird, wie man langfristig tatsächlich das Bildungsniveau sichert.“ In mehreren Ländern hatte es seit Beginn des neuerlichen Lockdowns Ausfälle bei den Plattformen gegeben. Dies betraf etwa das bayerische System Mebis sowie Lernraum Berlin. Auch bei der sächsischen Lernplattform Lernsax hatte es Störungen sowie einen Hackerangriff gegeben.

Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin und Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Stefanie Hubig (SPD), kündigte Beratungen mit ihren Amtskollegen vor dem nächsten Treffen der Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) an. Die nächste Ministerpräsidentenkonferenz ist für den 5. Januar geplant. „Die KMK wird sich im Vorfeld der Beratungen der Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin zum weiteren Verlauf des Schuljahrs 2020/2021 beraten und abstimmen“, sagte Hubig. „Maßgeblich ist jetzt, dass wir alle unseren Beitrag dazu leisten, die Pandemie wieder einzudämmen, damit möglichst bald unsere Schulen wieder an den Start gehen können." Die Schulen hätten sich in diesem Jahr auf alle möglichen Szenarien vorbereitet: Fernunterricht, Wechselunterricht und Präsenzunterricht unter Corona-Bedingungen. „Das war ein immenser Kraftakt, den sie hervorragend umgesetzt haben“, sagte Hubig.

Unterdessen hat der Bundesrat den neuen Entschädigungsregeln für Eltern zugestimmt, die wegen geschlossener Kitas und Schulen oder eingeschränkten Betriebs der Einrichtungen nicht zur Arbeit können. Eine Verdienstausfallentschädigung vom Staat gibt es nun auch, wenn Schulen nicht geschlossen werden, sondern lediglich die Präsenzpflicht ausgesetzt wird, so wie das in einigen Bundesländern jetzt der Fall ist. Voraussetzung ist, dass das Kind nicht anderweitig „zumutbar“ betreut werden kann.

Betroffene Eltern von Kindern bis zwölf Jahre oder Kindern mit Behinderung haben Anspruch auf eine Lohnersatzzahlung von 67 Prozent des Nettolohns. Maximal kann man 2016 Euro monatlich bekommen. Der Anspruch gilt für 20 Wochen - jeweils zehn Wochen für Mütter und zehn für Väter oder 20 für Alleinerziehende. Die Regelung soll rückwirkend ab dem 16. Dezember gelten - und damit auch für den aktuellen Lockdown. Die Anträge für die Entschädigung stellt der Arbeitgeber bei der zuständigen Behörde vor Ort.

(ga/dpa)