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Angela Merkel in Bonn: Bundeskanzlerin stärkt UN-Stadt den Rücken

Angela Merkel in Bonn : Bundeskanzlerin stärkt UN-Stadt den Rücken

Nein, ein heißer Wahlkampf wird das wohl nicht mehr, jedenfalls nicht bei dem Wetter. Aber er kommt auf Touren. 3000 Bürger bibbern am Montagabend auf dem Bonner Marktplatz Angela Merkel und Norbert Röttgen entgegen, als sie die heiße Phase der Auseinandersetzung um die Macht in Düsseldorf einläuten.

Beide tun dem Publikum den Gefallen und sind pünktlich, was nicht selbstverständlich ist, denn keine zwei Stunden vorher hat in Aachen erst ihr dortiger Auftritt begonnen.

Merkel und Röttgen tun noch mehr, um das Publikum zu erwärmen. Sie loben Bonn. Merkel, die acht Jahre ihrer Bundesministerin-Zeit in Bonn verbracht und in Muffendorf gewohnt hat, sagt: "Ich habe Bonn lieb gewonnen, ich mag diese Stadt". Und so was vergesse man eben nicht. Weshalb ihre Regierung entschlossen sei, weiter daran zu arbeiten, "ein Stück der internationalen Welt zurück nach Bonn zu holen". Beifall.

Und dann erzählt sie im hellblauen Blazer, weshalb Norbert Röttgen der Richtige für das Ministerpräsidentenamt sei ("Er hat Ideen für dieses Land.") und weshalb Hannelore Kraft eben falsch am Platz gewesen sei. Sie streift kurz den Vormittag, als sie mit dem chinesischen Ministerpräsidenten die Hannover Messe besucht hat ("Jeder zehnte Aussteller ist heute ein Chinese") und macht daraus einen Appell, die eigenen Stärken des eigenen Landes zu nutzen.

Angela Merkel entdeckt, wenn man so will, ihre therapeutische Ader. Sie rät den Migranten, ihre Kinder deutsch lernen zu lassen, damit die Chancen hätten in der Schule mitzukommen ("ganz ohne Leistung geht es nicht"), attackiert einige Demonstranten, die eine höhere Vermögensteuer fordern, und ruft: "Nicht immer daran denken, wie man Menschen etwas wegnehmen kann. Erst daran denken, wie man etwas schafft".

Beifall. Der Marktplatz ist gut gefüllt, nicht nur Anhänger der CDU haben den Weg hierhin gefunden. Es gibt Anti-Atomprotestler und den einen oder anderen mit Spezialanliegen. Einer hält ein Schild hoch: "Ich will meinen Geburtstag auch im Kanzleramt feiern", eine Anspielung auf Merkels Einladung für Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Und die Jusos verkünden knapp und drastisch "Studiengebühren sind für´n Arsch."

Man ist eingespielt

Merkel geht darauf nicht ein, fände so eine Wortwahl wohl auch Käse und lobt stattdessen den eigenen Spitzenkandidaten. Der tue gut daran, ein Volksbegehren für die Verankerung der Schuldenbremse in die Landesverfassung zu fordern, wenn das die Landesregierung weiter verweigere. Der habe gut daran getan, den Schulkonsens zu schließen, und der habe eine kompetente Mannschaft. Beifall.

Man weiß, was der andere sagt. Man ist eingespielt. Das ist ein kleiner, aber feiner Unterschied zum Wahlkampfauftakt in Münster vor einer Woche. Da haben beide noch das Wort "Kraft" in den Mund genommen und damit Spott beim politischen Gegner ausgelöst. Hier in Bonn sprechen weder Merkel noch Röttgen von Kraft, die man sich wünsche oder was es an ähnlichen Formulierungen gibt.

Röttgen - wie Benedikt Hauser neben ihm auf der Bühne ja auch Wahlkreiskandidat in Bonn - dankt Merkel launig dafür, wie "sie sich richtig reinhängt" in diesen Wahlkampf. Mit der von ihm erhofften Konsequenz, dass sie sich auf die "neue Landesregierung" werde verlassen können.

An Rot-Grün lässt der Unionsmann natürlich kein gutes Haar. Keine Ideen, keine Verlässlichkeit, nur Schulden - das ist sein Tenor. Der Tiefpunkt der Auseinandersetzung ist für ihn mit dem neuen Wahlkampfplakat "Currywurst ist SPD" erreicht, was, kein Scherz, die Sozialdemokraten wirklich kleben. Röttgen: "Wir sollten diese Currywurstpartei nicht noch mal ranlassen." Beifall. Er geißelt Neuverschuldung wie fehlende Kita-Plätze, Defizite in der Energiewende und der Inneren Sicherheit.

Dann fordert er "drei Dinge" bis zum Wahltag "Kämpfen, kämpfen, kämpfen", wie Merkel auch: "Noch 20 Tage kämpfen". Beifall. Nach einer Stunde ist Schluss, wie immer bei der CDU mit der Nationalhymne. Der vorgewärmte blaue Audi fährt vor, Merkel ist weg. Bäder in der Menge sieht das Protokoll derzeit nicht vor.