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Deutsche Corona-Warn-App: Anwendung läuft nicht auf alten Handys

Veröffentlichung, Datenschutz, Manipulation : Fragen und Antworten zur Corona-Warn-App

Über eine Corona-Warn-App wird seit Monaten diskutiert, in der kommenden Woche soll sie endlich zur Verfügung stehen. Die App wirft aber auch Fragen auf, weil sie in vielen Bereichen Neuland betritt.

In anderen europäischen Ländern ist sie schon im Einsatz. In Deutschland musste der Start der Corona-App verschoben werden. Zu viele sensible Fragen zum Datenschutz, zur Zuverlässigkeit der Warnmeldungen und zur Technik waren noch offen. Nun hat Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Interview mit unserer Redaktion einen Start in der kommenden Woche angekündigt. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

■ Wann wird man sich die Corona-App herunterladen können?

Die App soll gleichzeitig mit ihrer öffentlichen Vorstellung auch für die Bürger verfügbar sein. Das hat Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag angekündigt. Er bestätigte noch einmal, dass dies kommende Woche ab dem 15. Juni der Fall sein soll. Dem Vernehmen nach wird immer noch mit Hochdruck an den technischen Details gearbeitet. Auf einen konkreten Wochentag wollte Seibert sich nicht festlegen.

■ Wird man die App auf jedes Smartphone laden können?

Apple und Google haben bereits im Mai die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die App auf iPhones und Android-Geräte geladen werden kann. Beim iPhone ist Voraussetzung, dass die aktuelle iOS 13.5 heruntergeladen werden kann. Bei einem älteren iPhone 5, 5s oder 6 wird das nicht funktionieren. Bei Android-Geräten ist eine 6er-Version Voraussetzung für das Laden der App. Zudem müssen Google Play Services auf den Geräten laufen, was bei den neuesten Huawei-Modellen nicht der Fall ist.

■ Gibt es eine Alternative zum Smartphone?

Theoretisch ja. Beispielsweise könnte man Schlüsselanhänger nur mit einer Technologie für die Corona-Warnfunktionen ausstatten. Eine solche Alternative ist bislang aber nicht parallel entwickelt worden.

■ Wird die App angesichts ihrer langen Entwicklungsdauer auch besser sein als andere?

Das wird die Praxis zeigen. Positiv hervorzuheben ist, dass die Bundesregierung gemeinsam mit den für die Entwicklung beauftragten Unternehmen SAP und Telekom die Programmierungsdaten vorab veröffentlicht hat, um auch Fachleuten die Chance auf eine Prüfung zu geben, die der Bundesregierung nicht nahe stehen. Bislang gingen nach Angaben der Bundesregierung 285 Verbesserungsvorschläge ein.

■ Wie sieht es mit dem Datenschutz aus?

Die Entscheidung, die von der App gesammelten Daten dezentral zu speichern, war ein wichtiger Schritt, um die Daten der Nutzer zu schützen. Zudem bleibt die Entscheidungshoheit über die Daten bei den Betroffenen. Wer positiv auf Corona getestet wurde, muss sein Ergebnis selbst in die App eingeben, damit die eigenen Kontaktpersonen davon erfahren. Kein Server, kein Gesundheitsamt und keine Ordnungsbehörde erfahren davon.

■ Was sagt der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber zur Corona-App?

Einige Änderungswünsche hatte der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Ulrich Kelber, bereits in die Entwicklung einfließen lassen. Noch liegt ihm nach eigenen Angaben keine fertige Version der App vor. Wenige Tage vor dem Start pocht Kelber auf ausreichend Transparenz für die Nutzer. „Mir ist besonders wichtig, dass die relevanten Dokumente zum Datenschutz, insbesondere die Datenschutzfolgeabschätzung, zum Start der App fertig sind“, sagte er. Sie sollten ab dem ersten Tag öffentlich sein, um in der Bevölkerung Vertrauen und Akzeptanz zu schaffen. Eine Datenschutzfolgeabschätzung müssen die Hersteller anfertigen und den Behörden vorlegen, wenn sie in der Datenverarbeitung Risiken sehen. „Ich bin zuversichtlich, dass die beteiligten Unternehmen und Behörden unsere Hinweise schnellstmöglich umsetzen“, sagte Kelber. Was man bis jetzt an Dokumentation und rechtlichen Texten habe, mache insgesamt einen soliden Eindruck.

■ Kann es Manipulation geben?

IT-Experten sehen trotz jüngster Nachbesserungen ein mögliches Einfallstor für Missbrauch bei der Nutzung einer bestimmten Hotline. Die Hotline ist nötig, weil noch nicht alle Corona-Testlabore einen digitalen Anschluss zur App haben. Lässt sich eine Person, die die App nutzt, in so einem Labor testen und fällt der Test positiv aus, kann das Labor das Ergebnis nicht automatisch und anonymisiert in die App einspeisen, so dass der Nutzer andere Personen warnen kann. Die infizierte Person muss eine Hotline anrufen und Prüffragen von Callcenter-Mitarbeitern beantworten, die sicherstellen sollen, dass die Person tatsächlich positiv getestet wurde. Die Fragen und Antworten dürfen keinen Rückschluss auf die Person zulassen.

Weil das so ist, könnten die Fragen aber auch von einer anderen Person beantwortet werden, die dann eine falsche Warnmeldung in der App auslösen könnte. Wer die Hotline anruft, läuft zudem Gefahr, dabei die eigene Telefonnummer preiszugeben.

■ Wie viele Menschen müssen mitmachen, damit die App wirklich nutzt?

Nach Expertenschätzungen sollten sich 60 Prozent der Bevölkerung beteiligen. Gesundheitsminister Spahn sieht das pragmatisch und sagt, jeder helfe, der sich die App herunterlade. Für die ersten Wochen hofft er auf mehrere Millionen Beteiligte.